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2-G-Plus und Sperrstunden : Die Gastronomie fühlt sich benutzt

Daniel Nawenstein vor seinem Restaurant „La Cevi“, das gehobene peruanische Küche anbietet Bild: Frank Röth

Mit den steigenden Infektionszahlen wächst die Angst vor strengen Maßnahmen. Manche in der Branche sprechen von einem Déjà-vu, andere versuchen der Politik vorzugreifen, um wenigstens ein bisschen Planbarkeit zu haben.

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          Daniel Nawenstein und sein Team haben die Plexiglasscheiben so fröhlich wie möglich bemalt: mit lachenden Männchen und Schäfchenwolken. „Ich wünschte, wir hätten das nicht gemacht“, sagt Nawenstein. „Ich habe sowieso schon einen Hass auf die Dinger, da hilft das auch nicht mehr.“ Nawenstein sitzt in seinem Frankfurter Restaurant „La Cevi“ und schaut voller Verachtung auf die eine Hälfte der Scheiben, die er in der hinteren Ecke seiner Terrasse geparkt hat. Wenn man durch das Plexiglas auf Nawenstein blickt, sieht man es nicht direkt. Aber wenn man ihm gegenübersitzt, wird deutlich, dass sich in diesen Novembertagen zwar alles zu wiederholen scheint – ein Verbandsvertreter spricht von einem „Déjà-vu“ –, die Lage jedoch ganz anders ist als vor einem Jahr.

          Sarah Obertreis
          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Im November 2020, kurz bevor der zweite, sieben Monate lange Lockdown verhängt wurde, saß Nawenstein neben den Plexiglasscheiben und war wütend darüber, wie ihm die Corona-Maßnahmen jede Chance raubten, auf einen grünen Zweig zu kommen. Der Sommer 2020 war gut gelaufen. Aber er war zu kurz gewesen, um die Pandemie-Schulden abzubauen. Ende November 2020 hatte Nawenstein so wenig Geld auf dem Konto, dass er sich das Verpackungsmaterial für die To-go-Gerichte nicht mehr leisten konnte. Im Januar 2021 – nach anderthalb Monaten im Lockdown – konnte er die Miete für sein Restaurant und den Strom nicht mehr bezahlen. „Wir leben momentan von dem Kindergeld, das wir bekommen“, sagte der zweifache Vater damals.

          Dann kam der Mai und die Wiedereröffnung. Die übertraf selbst Nawensteins kühnste Hoffnungen. Ein halbes Jahr lang kamen so viele Menschen ins „La Cevi“, um die aufwendig zubereiteten peruanischen Gerichte zu probieren, wie noch nie seit seiner Öffnung 2016. An den Wochenenden war das Reservierungsbuch nicht nur voll – es riefen oft noch 20, 30 Menschen an, um sich auf eine Warteliste setzen zu lassen. Sie sehnten sich nach ein bisschen Urlaubsgefühl in ihrer Heimatstadt, sagt Nawenstein.

          Die 2-G-Plus-Regelung ist komplizierter als ein Lockdown

          Dabei halfen sie dem Gastronom, der sich monatelang vor jedem Gang zum Briefkasten gefürchtet hatte, endlich wieder ein Polster aufzubauen. „Jetzt bin ich in trockenen Tüchern“, sagt Nawenstein. Dass am vergangenen Wochenende das erste Mal wieder ein Tisch frei war, kann ihn noch nicht in seiner Zuversicht erschüttern. „Ich habe nicht mal mehr Angst vor einem Monat Lockdown.“

          Tatsächlich ist ein möglicher Lockdown nicht das Szenario, was den Gastronomen gerade am meisten Sorgen bereitet. Er wäre im eigentlich so starken Weihnachtsgeschäft besonders bitter, keine Frage. Außerdem würde eine angeordnete Schließung den Personalmangel in der Branche wieder verschärfen – von angespannt zurück zu extrem angespannt. Aber ein großer Teil der Gastronomen ist relativ gut aus dem Sommer gekommen. Die staatliche Überbrückungshilfe III Plus sowie das Kurzarbeitergeld wären ihnen bei einer verordneten Schließung immerhin sicher.

          Der Chef kann „die Dinger“ nicht mehr sehen: Fröhlich bemalte Plexiglasscheiben in Daniel Nawensteins Restaurant.
          Der Chef kann „die Dinger“ nicht mehr sehen: Fröhlich bemalte Plexiglasscheiben in Daniel Nawensteins Restaurant. : Bild: Frank Röth

          Deutlich komplizierter ist es mit einer 2-G-plus-Regelung, also der Vorgabe, auch Geimpfte und Genesene nur noch mit tagesaktuellem Test in die Restaurants und Cafés lassen zu dürfen. In einzelnen Bundesländern, zum Beispiel in Mecklenburg-Vorpommern, gilt diese Regelung schon. Stagniert oder steigt die Hospitalisierungsrate weiter, könnte sie bald auch in Ländern wie Niedersachsen greifen.

          „Ein Quasi-Lockdown“

          Branchenverbände der Gastronomie sind sich bei der 2-G-plus-Regel einig. „Diese kommt einem Quasi-Lockdown gleich, da nur wenige Geimpfte und Genesene sich die Mühe machen, vor einem Restaurantbesuch einen Test zu machen“, sagt zum Beispiel die Vorständin des Leaders Club Germany Kerstin Rapp-Schwan. Ähnlich formulieren es der Gastgewerbeverband DEHOGA und die Initiative Gastgeberkreis. Die Umsätze würden dann so stark sinken, dass viele Gastronomen wieder in Existenznöte kämen. Gleichzeitig könnten sie dann aber auch nicht eigenständig schließen, um die Fixkosten so weit wie möglich zu reduzieren, weil eine Bedingung für die Überbrückungshilfe III Plus automatisch wegfallen würde.

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