https://www.faz.net/-gqe-99g79

Konflikt um Sanierung : 1400 Opel-Mitarbeiter protestieren in Eisenach

  • -Aktualisiert am

Der Betriebsrat setzt heute die Opel-Betriebsversammlung in Eisenach aus der vergangenen Woche fort. Bild: EPA

Die Opel-Mitarbeiter sollen heftige Einbußen hinnehmen, während die Mutter PSA ihren Umsatz deutlich steigert. Während in Paris gefeiert wird, kommt es in Eisenach zum Showdown.

          3 Min.

          Als sich im vergangenen Jahr andeutete, dass der französische Konzern PSA Peugeot Citroën den deutschen Autohersteller Opel übernehmen wird, begleiteten die Arbeitnehmervertreter den Verkaufsprozess kritisch, aber durchaus wohlwollend. Doch zuletzt hat sich die Atmosphäre zwischen den Arbeitnehmervertretern und dem Opel-Management sowie dem Management des PSA-Konzerns rapide verschlechtert. Beide Seiten warfen sich vor, Unwahrheiten zu verbreiten und damit die Belegschaft zu verunsichern.

          Am Dienstag kulminierte der Konflikt zwischen den Parteien in einer Betriebsversammlung in Eisenach. 1400 Opel-Mitarbeiter aus Eisenach und anderen deutschen Werken protestierten am Nachmittag in der thüringischen Fabrik und forderten ein zukunftsfähiges Angebot der Arbeitgeber. Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) sprach vor den Protestierenden und sagte, Opel dürfe nicht zu einer Verwertungsmarke werden: „Opel muss leben.“

          Die Opel-Mutter PSA lud derweil fast gleichzeitig in Rueil-Malmaison bei Paris zur Hauptversammlung – und schmückte sich im Vorfeld mit guten Zahlen, die nicht zuletzt auf Opel zurückgehen. Insgesamt kletterten die Erlöse von PSA im ersten Quartal um 42 Prozent auf 18,18 Milliarden Euro. Ohne Opel und die neue britische Tochtergesellschaft Vauxhall mussten sich die Franzosen mit einem Plus von 13,3 Prozent begnügen. Ihre ursprünglichen Kernmarken Peugeot, Citroen und DS brachten Umsätze von 10,21 Milliarden Euro.

          Auf der Hauptversammlung ließ PSA-Chef Carlos Tavares die Aktionäre wissen, die Verhandlungen in Deutschland würden „noch einige Wochen für Lärm sorgen“. Man sei – „gelinde gesagt“ – in intensiven Verhandlungen mit den Gewerkschaften. Das Ziel sei klar: „Das Management muss in eine Lage versetzt werden, handlungsfähig zu sein.“ Die Aktionäre sollten sich jedoch keine Sorgen machen, „wir tun das, was nötig ist, um das Unternehmen wieder in die Spur zu bringen“. Tavares sagte, die Fixkosten bei Opel seien bereits um 17 Prozent gesunken. Er zog vor den Anteilseignern eine insgesamt positive Bilanz der Übernahme: „Wir sind überhaupt nicht enttäuscht.“

          Expansion geplant : Opel will zur globalen Marke werden

          Die Hauptversammlung stimmte auch der Entlohnung von Tavares für das vergangene Jahr zu. Dazu gehört auch eine Sonderzahlung von einer Million Euro wegen der Opel-Übernahme. Laut eines Dokuments kommt Tavares für 2017 auf ein Jahresgehalt – einschließlich Aktien – von 6,7 Millionen Euro, 2 Millionen mehr als 2016.

          Einigungen in Spanien und Großbritannien – aber nicht in Deutschland

          Ein solcher Bonus für Tavaras kommt in Eisenach nicht gut an. In der thüringischen Stadt betreibt Opel eine Fahrzeugfabrik mit gut 1800 Mitarbeitern, hier rollten im vergangenen Jahr nach Unternehmensangaben etwa 100.000 Autos der Modelle Adam und Corsa vom Band. Doch wie es in Eisenach weitergeht, ist unklar. Anders als an anderen europäischen Standorten, etwa in Spanien oder Großbritannien, hat PSA noch nicht verlauten lassen, mit welchen Autos und Aufgaben das Unternehmen die zuletzt rund 19.000 deutschen Mitarbeiter in den Standorten in Rüsselsheim, Kaiserslautern und eben Eisenach in den nächsten Jahren beschäftigen will.

          Mehr noch: Die Geschäftsführung verband mögliche Investitionen mit Zugeständnissen der Mitarbeiter. Sie verlangte von den Arbeitnehmern, vorerst auf die im Flächentarifvertrag der Metall- und Elektroindustrie vereinbarte Gehaltserhöhung in Höhe von 4,3 Prozent zu verzichten. Nach Angaben des Betriebsrats und der Gewerkschaft IG Metall hatten PSA und Opel zudem gefordert, dass auch das Urlaubs- und Weihnachtsgeld gestrichen wird. Und die Gehaltserhöhung sollte nicht nur gestundet werden, sondern ebenfalls ganz gestrichen. Das Unternehmen sprach im Zusammenhang mit diesen Angaben von „Spekulationen“.

          Klar ist, die deutsche Belegschaft von Opel wird schrumpfen. 3700 Arbeitsplätze sollen zufolge des Sanierungsplans „Pace“ bis zum übernächsten Jahr durch Vorruhestand, Altersteilzeit und freiwillige Weggänge abgebaut werden. Nach Angaben der Arbeitnehmervertreter wird diese Vorgabe mit wohl mehr als 4000 wegfallenden Stellen bis zum Jahr 2020 übererfüllt. 4000 Arbeitsplätze – das sind gut ein Fünftel der Stellen hierzulande.

          Opel setzte im ersten Quartal 4,8 Milliarden Euro um

          Laut der von PSA vorgelegten Zahlen hat die Tochtergesellschaft Opel im ersten Quartal rund 4,8 Milliarden Euro umgesetzt. Da PSA keinen Vorjahreswert angab, sind diese Zahlen wenig aussagekräftig, um abschätzen zu können, wie sich Opel zuletzt entwickelt hat. Das europäische Geschäft des vorigen Eigentümers General Motors hatte im Vorjahresquartal noch 4,5 Milliarden Dollar erlöst.

          Allerdings ist Opel unter PSA nicht zu vergleichen mit Opel unter General Motors, da unter anderem das Entwicklungszentrum in Turin nicht mehr zum „neuen“ Opel gehört. Was die Zahl der Neuzulassungen betrifft, verzeichnete Opel in den ersten drei Monaten des Jahres allerdings einen Rückgang. Nach Angaben des europäischen Branchenverbands Acea ließen die Behörden in der Europäischen Union sowie in der Schweiz, Norwegen, Liechtenstein und Island insgesamt rund 249.800 Opel-Fahrzeuge zu. Im Vergleich zum Vorjahreszeitrum ist das ein Rückgang von rund 20.000 Autos. Entsprechend sank Opels Marktanteil von 6,8 auf 5,8 Prozent.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Nicht mehr so beliebt wie früher: Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU)

          Unruhe in der Union : Jens Spahn im Tal der Fettnäpfe

          Der Gesundheitsminister macht allerhand Schlagzeilen, allerdings keine schönen. Auch Friedrich Merz taucht wieder auf – im Sauerland. Und dann ist da noch der Fall Georg Nüßlein. Es gibt einiges zu sortieren in der Union.
          Öffnungen im Kulturbereich sollen in Österreich ab Ostern möglich sein.

          Teststrategie : Vorbild Österreich

          Testen und Öffnen – mit dieser Strategie will Deutschland aus dem Lockdown kommen. Im Nachbarland Österreich geht die Rechnung bislang auf.
          Auf ein Neues: Ein Croupier nimmt die Kugel aus dem Roulettekessel.

          Kolumne : Fünf Dinge, die als Croupier nerven

          Unsere Autorin hat mehrere Jahre hinter den Spieltischen von Casinos gestanden. Dann hat sie den Job an den Nagel gehängt. Hier erzählt sie, was sie als Croupier genervt hat.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.