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Arbeitsmarkt : Von Krise keine Spur

  • -Aktualisiert am

Derzeit schaffen deutsche Unternehmen unter dem Strich immer noch neue Stellen. Bild: dpa

Die deutschen Unternehmen schaffen mehr Arbeitsplätze als sie abbauen – der öffentlichkeitswirksame Stellenabbau einiger Großkonzerne ist nicht repräsentativ.

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          Eines lässt sich ganz sicher nicht bestreiten: Die konjunkturelle Schwächephase macht sich inzwischen auch auf dem deutschen Arbeitsmarkt bemerkbar. Die Zeiten, in denen die Arbeitslosigkeit ungeachtet aller schlechten Nachrichten aus der Wirtschaft immer weiter sinkt, sind offensichtlich vorbei. Die Zeitarbeit, traditionell ein Frühindikator für wirtschaftliche Auf- und Abschwünge, bekommt die Auswirkungen der Handelskonflikte sowie der Unsicherheit durch den Brexit sogar sehr deutlich zu spüren. Gleiches gilt für Menschen, die in Helferberufen arbeiten, darunter sind viele Flüchtlinge.

          Dennoch muss man ganz klar sagen: Eine eklatante Krise ist auf dem Arbeitsmarkt bislang nicht in Sicht. Zwar hat der Beschäftigungsaufschwung etwas an Fahrt verloren, dennoch schaffen die Unternehmen unter dem Strich weiter neue Arbeitsplätze – am stärksten übrigens in der Industrie, aus der zuletzt besonders viele Krisenmeldungen kamen: Der Stellenabbau einiger Großkonzerne wie BASF oder Volkswagen ist eben nicht repräsentativ für die Entwicklung in der gesamten deutschen Wirtschaft. Die meisten Unternehmen wollen ihre Mitarbeiter aufgrund des enormen Fachkräftebedarfs so lange wie möglich halten.

          Dazu dient auch das Instrument der Kurzarbeit, das in konjunkturell schwierigen Zeiten Entlassungen verhindern soll. Genau aus diesem Grund ist es kein Drama, dass die Zahl der Beschäftigten in Kurzarbeit auf sehr niedrigem Niveau zuletzt leicht gestiegen ist.

          Die Arbeitgebervertreter fordern schon eine Gesetzesänderung, damit die Regierung im Notfall schnell wieder das in den Krisenjahren 2008 und 2009 erprobte Instrument der erweiterten Kurzarbeit aktivieren kann. Die Zahlen deuten jedoch nicht darauf hin, dass das bald nötig sein wird.

          Für Entwarnung ist es trotz alledem zu früh. Denn selbst, wenn die Wirtschaft wieder anziehen sollte, warten mit der Digitalisierung und dem Wandel zur Elektromobilität große Herausforderungen. Einige Unternehmen wie der Autozulieferer Conti haben schon begonnen, ihre Mitarbeiter weiterzubilden. Andere haben den Ernst der Lage noch nicht erkannt oder tun sich schwer, im laufenden Betrieb darauf zu reagieren.

          Es wäre höchste Zeit. Auch die Politik kann helfen, indem sie wichtige Rahmenbedingungen wie Energiekosten und Infrastruktur endlich entschlossen anpackt. Hoffentlich kommt sie nicht auf die Idee, stattdessen Geld in die Hand zu nehmen für eine Krise, die es so – Stand jetzt – nicht gibt.

          Britta Beeger

          Redakteurin in der Wirtschaft.

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