https://www.faz.net/-gqe-9vm5l

Unternehmen im Wandel : Keine Angst vor Technik!

Bild: dpa

Schlechte Nachrichten dominieren die Wahrnehmung, die Sorge den Anschluss zu verlieren ist groß. Doch es gibt gute Gründe, den Pessimisten nicht das Feld zu überlassen.

          4 Min.

          Dieser Text wird für Pessimisten verstörend sein. Gefühlt haben sie gegenüber den Optimisten stets Oberwasser. Meckern passt immer, Protestparteien wählen auch. Gepaart ist die Haltung damit, dass man lieber erst gar nicht an der Börse investiert; denn irgendwann gehen die Aktienkurse ja ganz bestimmt einmal bergab. Der Blick auf die tägliche Nachrichtenlage kann eine solche Haltung bestätigen: Konflikte und ungelöste Schwierigkeiten gibt es allenthalben. Auch das noch junge neue Jahr hat das schnell bewiesen: Im Nahen Osten ist schon wieder viel Negatives passiert, in Australien wurde die Klimadebatte durch verheerende Buschfeuer angeheizt. Überzeugende Antworten darauf, wie es in beiden Fragen eigentlich genau weitergehen soll, fehlen nach wie vor.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Speziell in Deutschland hat die Mehrheit der Menschen das Gefühl, dass das Land die Zukunft verschläft – und sich daran auch nicht mehr viel ändern lässt. Anders formuliert: Wer glaubt schon noch daran, dass es irgendwann mal einen Digitalminister geben wird? Einmal abgesehen davon, dass die für das Land so wichtige Autoindustrie tatsächlich unter einem erheblichen Anpassungsdruck rund um die Elektromobilität steht.

          Der Wandel bietet immer wieder neue Chancen

          Dabei haben die Pessimisten in der Regel unrecht, werden die Karten gerade in der Technologiebranche jeden Tag neu gemischt: Muss man es wirklich zulassen, dass vor allem die Chinesen die Technologie des Finanzwesens neu erfinden? Die Geschwindigkeit, mit der sich China von einer Bargeld- zu einer Digitalzahlungs-wirtschaft entwickelt hat, ist atemberaubend – Chinas mobiles Bezahlvolumen ist mehr als fünfzig Mal so groß wie das der Vereinigten Staaten. Die Deutschen hingegen lieben ihr Bargeld; Gründe dafür gibt es genug. Aber gibt es nicht noch mehr Gründe, hier den Anschluss nicht zu verpassen? Man bedenke: Rund 1,7 Milliarden Menschen auf der Welt haben kein Bankkonto. Wenn sie online gehen, werden sie nach billigen, bequemen, integrierten digitalen Finanzdienstleistungen suchen, wie es China als Vorreiter getan hat. China hat die Chance, die Finanzen des 21. Jahrhunderts neu zu verdrahten. Wollen wir das zulassen? Hier wartet eine neue Chance.

          Solche gibt es auch für Programmierer. Denn das Tempo des Fortschritts in der IT-Industrie wird in den kommenden Jahren aller Voraussicht nach vor allem von Programmierern und nicht mehr so stark von Hardwareingenieuren bestimmt sein. Das Moore’sche Gesetz, das grob formuliert besagt, dass sich die Rechenleistung alle zwei Jahre verdoppelt, stößt an seine Grenzen. Quantencomputer, welche die Art, wie Computer rechnen noch einmal grundsätzlich verändern werden, sind noch nicht so weit. Deshalb besteht jetzt die Chance der Programmierer, mehr aus der bestehenden Infrastruktur bei zugleich immer schnellerer Datenübertragung zwischen einzelnen Geräten herauszuholen. Die Deutschen sind in der IT-Industrie zwar bislang nicht die Helden der Disruption und Innovation, sehr wohl aber in grundsätzlichen Technikfragen die tüftelnden Meister der Verbesserung erprobter Verfahrensweisen. Könnte nun also die Stunde einer deutschen Ingenieurs-Mentalität in der Softwarebranche schlagen? Viel günstiger geworden ist in der jüngeren Zeit zudem die Genomsequenzierung. Dies wiederum könnte den Weg in die personalisierte Medizin öffnen. Es wird prognostiziert, dass bis zum Jahr 2025 bis zu 2 Milliarden Menschen ihr Genom sequenziert haben werden. Ein paar forschende deutsche Pharmaunternehmen gibt es ja noch. Werden vielleicht auch hier bald die Karten neu gemischt? Jedenfalls ergeben sich neue unternehmerische Chancen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Unzufriedene Deutsche : Kapitalismus am Pranger

          Die Löhne sind hoch, die Arbeitslosigkeit ist niedrig, der Sozialstaat wächst. Trotzdem glaubt mehr als jeder zweite Deutsche, dass der Kapitalismus mehr schadet als nutzt. Dahinter steckt nicht nur Gejammer.

          Kampf um den CDU-Vorsitz : Lucky Laschet

          Armin Laschet hat sich die beste Ausgangsposition für die Wahl des CDU-Vorsitzenden verschafft. Seinem Bündnis mit Jens Spahn haben Friedrich Merz und Norbert Röttgen nichts entgegenzusetzen.

          Coronavirus : In Peking bleibt man am besten zu Hause

          In der chinesischen Hauptstadt bestimmt der Kampf gegen das Coronavirus das Alltagsleben: beim Gemüsekauf, beim Spaziergang im Park, in der Apotheke und im Internet. Manche nutzen eine Corona-App als Informationsquelle.

          Soziale Netzwerke : Hass und Fake News nach Attentaten

          Nach einem Angriff wie in Volkmarsen geht es auf Twitter hoch her: Beileidsbekundungen, Spekulationen und Wut. Dabei kommt es oft zu Falschmeldungen, die zu Verschwörungstheorien und Ressentiments führen können.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.