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Unterhaltungselektronik : Sharp übernimmt Loewe

  • Aktualisiert am

Loewe hat seinen Investor gefunden Bild: dpa/dpaweb

Der japanische Elektronikkonzern Sharp will die Mehrheit des fränkischen Fernsehgeräteherstellers Loewe übernehmen. Nach Informationen der F.A.Z. wird Sharp die Beteiligung von knapp 9 Prozent auf mindestens 50,1 Prozent aufstocken.

          Der japanische Elektronikkonzern Sharp will die Mehrheit des fränkischen Fernsehgeräteherstellers Loewe übernehmen. Nach Informationen dieser Zeitung wird Sharp die Beteiligung von derzeit knapp 9 Prozent in Kürze auf mindestens 50,1 Prozent aufstocken. Dann wären die Metz-Werke in Franken der letzte Fernsehapparatehersteller in deutscher Hand.

          Wenn Sharp bei Loewe die Schwelle von 30 Prozent überschreitet, müssen die Japaner den anderen Aktionären ein Übernahmeangebot unterbreiten. Es ist damit zu rechnen, daß Sharp mit einer Kapitalerhöhung die Mehrheit erwirbt, denn Loewe braucht dringend frisches Geld.

          Japaner seit Juni beteiligt

          Der japanische Konzern ist bereits seit Juni dieses Jahres mit 8,89 Prozent an der Loewe AG in Kronach beteiligt. Dem Unternehmen flossen damals auf der Basis eines Aktienpreises von 6 Euro rund 4,3 Millionen Euro von Sharp zu. Da sich der Aktienkurs seitdem kaum verändert hat, könnte Loewe rund 20 Millionen Euro von einer Kapitalerhöhung zum Erwerb der einfachen Mehrheit erwarten. Vermutlich hat Sharp, auch ein Lieferant von Loewe, dem Kronacher Unternehmen schon Geld vorgestreckt. Von Juli bis September 2004 sind die Lieferantenschulden von Loewe auffällig um 37 Prozent auf 35,9 Millionen Euro gestiegen.

          Rainer Hecker, der Vorstandsvorsitzende von Loewe, hatte schon im Juni nicht ausgeschlossen, daß Sharp seine Beteiligung später erhöhe. Vor wenigen Tagen sagte er in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur zur weiteren Kapitalbeteiligung eines Investors: "Wir wollen in den nächsten zwei bis drei Wochen eine Grundsatzvereinbarung abschließen." Die Gespräche befänden sich "in der endgültigen Auswahl und Bewertung".

          „Abschluß bis Jahresende“

          Schon seit einigen Monaten kündigt Hecker eine Einigung bis zum Ende dieses Jahres an. Das Unternehmen hat es bisher aber offengelassen, ob Sharp seinen Anteil erhöht oder ob ein anderer Investor zusätzlich oder anstelle von Sharp einsteigt. Ein Sprecher von Loewe sagte dazu auf Anfrage nur, es gebe nichts Neues zu berichten. Ziel sei, einen Abschluß bis zum Jahresende zu erreichen. In der Branche heißt es, außer Sharp habe es keinen ernsthaften Interessenten gegeben.

          Auf die seit zwei Jahren stark wachsende Nachfrage nach Fernsehgeräten mit Flachbildschirmen zum Nachteil der Bildröhrenapparate hat sich Loewe erst spät eingestellt. Der Hersteller von Unterhaltungselektronik im gehobenen Preissegment ist deshalb in große wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten. Für dieses Jahr wird wie 2003 ein Verlust erwartet. Das Eigenkapital des Unternehmens ist inzwischen erheblich geschmolzen. Dank neuer Produkte hat Loewe den Umsatzanteil der Fernseher mit Flachbildschirm mittlerweile auf mehr als die Hälfte erhöht. 2003 waren es erst 10 Prozent gewesen. Die Banken, deren Kredite im Februar 2005 fällig werden, haben ein weiteres Engagement bei Loewe von einem Erfolg der neuen Geräte und zusätzlichem Kapital eines Investors abhängig gemacht.

          Sharp profitiert trotz des starken Preisdrucks von der kräftigen Nachfrage nach Flachbildschirmen. In der ersten Hälfte des aktuellen Geschäftsjahres (31. März) hat der Konzern einen Umsatz von umgerechnet mehr als 9 Milliarden Euro und einen Betriebsgewinn von 570 Millionen Euro erzielt. Sharp arbeitet mit Loewe schon seit dem Jahr 2000 in der Entwicklung und Produktion von Fernsehgeräten mit Flüssigkristall-Bildschirmen (LCD) zusammen. Im Frühjahr 2004 haben beide Unternehmen eine verstärkte Zusammenarbeit in der Fertigung vereinbart.

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