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Unterhaltungselektronik geht an Funai : Philips kappt seine Wurzeln

  • Aktualisiert am

Fernseher-Produktion bei Philips. (Archivbild aus dem Jahr 2005) Bild: AFP

Der Elektronikkonzern hat über Jahrzehnte Radios, Fernseher und CD produziert. Nun steht Philips vor einer Zäsur in seiner Unternehmensgeschichte: Der Konzern trennt sich von der der Unterhaltungselektronik. Philips sieht dort nicht mehr seine Zukunft.

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          Die Niederländer geben das seit langer Zeit schwierige Geschäft mit der Unterhaltungselektronik an den japanischen Partner Funai ab. Das teilte der Konzern am Dienstag zusammen mit den Zahlen für 2012 mit. Im Schlussquartal rutschte Philips wegen einer Kartellstrafe und Kosten vor allem für den Stellenabbau tief in die roten Zahlen.

          Auf Jahressicht lief es indes besser, das Umbauprogramm zeigt seine Wirkung. 2013 werde eher langsam starten, hieß es von Vorstandschef Frans van Houten. Gleichzeitig zeigte er sich zuversichtlich, die 2013er-Ziele zu schaffen. Der Manager setzt dabei auf ein stärkeres Wachstum im zweiten Halbjahr. Die Börsianer schwenkten auf diese Sichtweise ein und lobten zudem die Fortschritte beim Sparprogramm: Am Nachmittag lag die Aktie mit einem Plus von 2,05 Prozent auf 22,385 Euro an der Spitze des Eurostoxx50.

          Der Verkauf kommt nicht überraschend

          In der Unterhaltungselektronik kämpft der Konzern schon seit geraumer Zeit mit der Konkurrenz aus Asien. Erst Anfang des vergangenen Jahres hatte Philips deshalb das Fernsehgeschäft in ein gemeinsames Joint Venture mit dem langjährigen chinesischen Partner TPV Technology eingebracht. Der jetzige Verkauf der übrigen Unterhaltungselektronik - wie etwa Kopfhörer, Lautsprecher, MP3 und Videoplayer - kommt nicht überraschend. Im Sommer hatte van Houten angekündigt „verschiedene Geschäftsmodelle“ für die Sparte zu prüfen. Philips arbeitet bereits seit geraumer Zeit mit Funai zusammen.

          In den Vereinigten Staaten etwa läuft der Vertrieb der Philips-Produkte bereits seit einiger Zeit über die Japaner. Nun soll Funai 150 Millionen Euro plus Lizenzgebühren für die Sparte zahlen, die ihren Hauptsitz in Hongkong hat. Der Vertrag soll zunächst für fünfeinhalb Jahre laufen und die Marke Philips bestehen bleiben. Stimmen die Behörden zu, soll alles im zweiten Halbjahr unter Dach und Fach sein.

          Seit den 1920er Jahren im Sortiment

          Mit dem Verkauf endet eine Ära bei dem Konzern. Seit den 1920er Jahren gehörte Unterhaltungselektronik fest zum Portfolio des 1891 gegründeten Unternehmens. Radio, Fernseher, die Compact-Cassette, CD oder DVD - alles Entwicklungen, die Philips mitgeprägt hat. Spätestens seit den 1990er Jahren machte den Niederländern, ebenso wie anderen europäischen Elektronikkonzernen, die asiatische Konkurrenz schwer zu schaffen. Aber auch ein deutlich zusammengeschrumpftes Portfolio brachte nicht die gewünschte Trendwende. Philips-Chef van Houten sagte, der Konzern sehe seine Zukunft vor allem in den Bereichen Gesundheitstechnik, Lifestyle und Licht. Der Markt für Unterhaltungselektronik schrumpfe.

          Was die beiden Geschäftsbereiche Gesundheitstechnik und Lichttechnik angeht, so konnten diese in der Zeit zwischen Oktober und Dezember sowohl bei Umsatz als auch Ergebnis zulegen. Der Anteil der Leuchtdioden wuchs weiter und macht mittlerweile ein Viertel der Gesamtumsätze in der Sparte aus. Im Geschäft mit Großkunden und in der Industrie erziele Philips mittlerweile Gewinn mit den LEDs, bei den LED-Lampen für Verbraucher sei das schwieriger, sagte Vorstandschef van Houten. Bei der Konsumelektronik, die etwa elektrische Rasierer und Zahnbürsten umfasst, konnte Philips wachsen.

          Während im Schlussquartal konzernweit der Umsatz kräftig wuchs, weitete sich der Verlust unter dem Strich deutlich aus. Dahinter stecken Sonderlasten von insgesamt mehr als einer Milliarde Euro. So hat die Europäische Union Philips eine Kartellstrafe in Höhe von 509 Millionen Euro für Absprachen im Fernsehgeschäft aufgebrummt, hinzu kamen dann noch Umbaukosten. Auf Jahressicht stand Philips aber wesentlich besser da. Nach einem Milliardenverlust im Vorjahr kamen die Niederländern auf einen Gewinn von 231 Millionen Euro. Der Umsatz legte um knapp zehn Prozent auf 24,8 Milliarden Euro zu. Dahinter steckt vor allem eine starke Nachfrage in Schwellenländern. Die Aktionäre sollen wie im Vorjahr eine Dividende von 0,75 Euro erhalten.

          Die Ziele für 2013 bekräftigte der Philips-Chef. In diesem Jahr soll die Gewinnspanne vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITA) immerhin zehn bis zwölf Prozent erreichen, im vergangenen vierten Quartal lag sie wegen der Sondereffekte bei 0,7 Prozent. Auf das Jahr gesehen erreichte Philips 6,1 Prozent. Das Umbauprogramm brachte im vergangenen Jahr Einsparungen von knapp einer halben Milliarde Euro, 1,1 Milliarden sollen es zusammengenommen bis 2014 werden.

          Philips habe etwa ein Drittel der Strecke zurückgelegt, sagte van Houten. Es gebe noch viel Potential die Margen zu verbessern und die Produktionskosten zu senken. Der Umbau kostete den Konzern im vergangenen Jahr indes eine ganze Stange Geld: 249 Millionen Euro waren es am Ende, die vor allem für den Abbau von rund 3.800 Stellen anfielen. Insgesamt kalkuliert Philips über den gesamten Zeitraum des Umbaus mit Kosten in Höhe von 471 Millionen Euro.

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