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Unterhaltungselektronik : DVD erobert die deutschen Wohnzimmer

  • -Aktualisiert am

Massenware DVD Bild: dpa

Die günstigsten DVD-Player gibt es bereits für 40 Euro. Da können Sony und Philips nicht mithalten, stattdessen machen die No-Names das große Geschäft.

          2 Min.

          Kein Mensch kennt Cyberhome. Erst recht kennt niemand den Kopf dahinter: Abbas Ashkan. Gebürtiger Perser, gelernter Ingenieur und Chef eines 30-Mann-Betriebes in Ratingen. Vor zwei Jahren hat er das Unternehmen gegründet. Genauso lange kämpft er gegen den Ruf als "China-Klitsche". Dieser Kampf ist nicht zu gewinnen, ahnt seine Truppe allmählich. Und es ist ihr auch egal. Denn Cyberhome ist einer der großen Gewinner im Geschäft mit DVD-Spielern - dem Hit der Saison in der Unterhaltungselektronik.

          Nicht Global Player wie Sony oder Philips profitieren in erster Linie vom Siegeszug der Digital Versatile Disc, kurz DVD. Es sind Unternehmer wie Ashkan, die damit ihr Geld verdienen. Containerweise importiert er die Ware aus Asien. In Ratingen wird sie zusammengebaut und dann zu Kampfpreisen in Discountern verkauft: 1,5 Millionen Geräte allein im vorigen Jahr. Jeder fünfte DVD-Spieler im Niedrigpreis-Segment ist ein "Cyberhome". Die "No Names" rollen den Hi-Fi- und Video-Markt auf. Zwei Drittel aller DVD-Geräte geht auf deren Konto, sagt Marktforscher Jürgen Boyny von der GfK in Nürnberg. "Der Markt wird von den Herstellern ohne großen Namen getrieben." Von Phantasiemarken ohne Werbeetat, von Firmen, die schnell in den Markt eintreten und oft ebenso rasch wieder verschwinden. Der Aufschwung der Billiganbieter sei einzigartig, sagt Boyny. Noch nie hätten sie derart die Szene bestimmt. Nicht bei der Einführung der VHS-Rekorder, auch nicht später, als die CD-Spieler den Markt erobert haben. "Grund ist die einfache Technik. Einen DVD-Spieler kann jeder zusammenschrauben."

          Preissenkungen um 27 Prozent

          So erklärt sich, daß der Gigant Sony - eigentlich Marktführer hierzulande - bei den DVD-Geräten gerade auf 3,5 Prozent Marktanteil kommt; in Stückzahlen gemessen. In Euro und Cent sind es immerhin 7 Prozent. Was daran liegt, daß Sony kein Gerät unter 100 Euro anbietet, die Masse der Kunden aber deutlich weniger ausgibt. "Der Discount-Trend im Handel schlägt voll durch", seufzt Sony-Marketing-Direktor Peter Körsgen.

          Nirgendwo in Europa sind DVD-Spieler so billig wie in Deutschland. Der durchschnittliche Preis ist in diesem Jahr um 27 Prozent gesunken. Die günstigsten Geräte gibt es jetzt schon unter 40 Euro. Geld verdienen kann der Handel damit nicht. "Für uns bleibt etwas hängen", sagt Cyberhome-Manager Wolfgang Fleischer. Die Amazons und Aldis aber, die Saturns und Media-Märkte, "die zahlen bei ihren Lockangeboten drauf".

          Philips reagiert gereizt

          Die Billigmasche hat den Effekt, daß sich die DVD-Technik auch nirgendwo schneller durchsetzt als in Deutschland. In 45 Prozent der Haushalte können bereits DVD-Scheiben abgespielt werden. Knapp sechs Millionen Geräte werden nach der Weihnachtssaison verkauft sein, schätzen die Hersteller. Der Boom der Hardware strahlt naturgemäß ab auf die Inhalte-Anbieter und beschert der Musikindustrie ihren einzigen Lichtblick. Der Gesamtumsatz der Plattenfirmen sinkt zweistellig, der Verkauf von Musik-DVDs jedoch wird sich heuer verdoppeln - von drei auf sechs Millionen. "Der Wachstumstrend ist ungebrochen", jubelt der Verband. Ähnlich groß ist die Freude in der Filmindustrie. Die DVD seien der Motor der Branche, heißt es dort frohlockend.

          Nur der Pionier der DVD-Technik ist vergrätzt: Philips reagiert zunehmend gereizt auf die Flut der Billiganbieter und ruft den starken Arm des Gesetzes zu Hilfe. Dem niederländischen Konzern stehen fünf Dollar Lizenzgebühr an jedem DVD-Spieler zu - egal, wo der produziert wird. Viele der Asiaten zahlen aber nicht, beschwert sich Philips. "Nur deshalb sind sie so billig. Das ist ein unfairer Wettbewerbsvorteil."

          Drohender Lieferengpaß

          Kein DVD-Gerät dürfe deshalb nach Europa eingeführt werden, ehe nachgewiesen ist, daß die Gebühr an Philips überwiesen ist. "Wir sind da sehr strikt", sagte eine Konzernsprechern dieser Zeitung. Die Kontrolle ist Aufgabe des Zolls, und sie kann dauern. Unter Umständen Wochen. Im Rotterdamer Hafen stapelt sich deshalb die Ware aus Fernost und in Deutschland werden die Vorräte knapp. Es drohe ein Lieferengpaß bei den Billiggeräten, warnt Cyberhome-Manager Fleischer: "Bei uns sind die Lager leer, bei anderen Anbietern auch." Tatsächlich gehe es Philips weniger um die Gebühr, so stichelt er, als darum, die preisgünstigere Konkurrenz im Weihnachtsgeschäft auszubremsen.

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