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Unmut über die Kanzlerin : CDU-Politiker kritisieren Röttgens Rauswurf

  • Aktualisiert am

„Ein bisschen mehr Menschlichkeit würde uns ganz gut anstehen“, sagte der nordrhein-westfälische CDU-Landtagsfraktionschef Karl-Josef Laumann. Bild: DPA

Nach der Entlassung von Bundesumweltminister Röttgen ist in der CDU Kritik am Vorgehen von Kanzlerin Merkel laut geworden: „Wenn jemand am Boden liegt, muss man nicht noch drauftreten.“ Auch die Opposition spart nicht mit Häme.

          Nach der Entlassung von Norbert Röttgen aus dem Amt des Bundesumweltministers ist in der CDU Kritik am Vorgehen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) laut geworden. Bundestagspräsident Lammert (CDU) nannte die Entscheidung bei seinem Besuch der Thüringer CDU-Fraktion in Erfurt „unter fast jedem Gesichtspunkt bedauerlich, nicht nur für die Person, auch für die Partei“. Er hätte sich „eine andere Konstellation“ gewünscht, sagte Lammert, müsse aber akzeptieren, dass es sich um die Entscheidung der Kanzlerin handele.

          Der CDU-Innenpolitiker Bosbach sagte, er hätte Röttgen trotz dessen Niederlage bei der nordrhein-westfälischen Landtagswahl „eine zweite Chance“ gegeben. „Ein bisschen mehr Menschlichkeit würde uns gut anstehen“, sagte er.

          Frau Merkel hatte am Mittwoch Bundespräsident Gauck vorgeschlagen, Röttgen aus dem Ministeramt zu entlassen. Ein Angebot der Bundeskanzlerin, er könne von sich aus den Rücktritt einreichen, hatte Röttgen ausgeschlagen. Er habe bei zwei Gesprächen um sein Ministeramt gekämpft, hieß es.

          Der nordrhein-westfälische CDU-Landtagsfraktionschef Karl-Josef Laumann sagte: „Ich verstehe nicht, dass Norbert Röttgen bis Sonntagabend 18 Uhr als der hervorragende Umweltminister galt, der er war, und dann drei Tage später entlassen wird.“

          Kauder sucht Nachfolger für Altmaier

          Nachfolger Röttgens soll der bisherige Parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Peter Altmaier, werden. Die förmliche Entlassung Röttgens und die Ernennung sowie Vereidigung Altmaiers werden in der kommenden Woche vollzogen. Der Nachfolger Altmaiers soll am nächsten Dienstag von der Fraktion gewählt werden. Es hieß, der CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende Kauder habe sich noch nicht festgelegt, wen er vorschlagen werde. Es galt am Donnerstag als sicher, Kauder werde diese Personalie mit Frau Merkel bereden. Im Gespräch ist der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Günter Krings; er stammt aus Nordrhein-Westfalen.

          Kurz vor der öffentlichen Bekanntgabe des Wechsels an der Spitze des Bundesumweltministeriums hatte Bundeskanzlerin Merkel die Vorsitzenden der Koalitionspartner CSU und FDP, Seehofer und Rösler, von ihrer Absicht unterrichtet. Diese waren mit der Entscheidung einverstanden. Altmaier war zuvor von Frau Merkel informiert worden, er solle Bundesminister werden.

          In der Unionsfraktion dagegen rumort es wegen der Entlassung Röttgens. „So darf man in einer Partei mit dem C im Namen nicht miteinander umgehen“, sagte der Unions-Obmann im Bundestags-Umweltausschuss, Josef Göppel, der Deutschen Presse-Agentur. Er habe seinen Unmut in einem Brief an Frau Merkel und Seehofer zum Ausdruck gebracht, der Röttgen wegen seines Auftretens im nordrhein-westfälischen Landtagswahlkampf öffentlich scharf kritisiert hatte. Es sei schlechter Stil, auf jemanden draufzutreten, der schon am Boden liege.

          Seehofer verteidigt die Kanzlerin

          Seehofer, dessen harsche Attacke gegen Röttgen manche als einen Auslöser für die Entlassung sehen, verteidigte hingegen die Entscheidung der Kanzlerin: „Nach all dem, was sie mir gesagt hat, bestand Handlungsbedarf.“ Die Wirtschaft pochte auf eine verlässliche Umsetzung der Energiewende.

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