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Stimmung kippt : Syrische Flüchtlinge sind Sündenböcke in der Türkei

Thema auf dem Syrien-Gipfel war auch die Situation der Flüchtlinge in der Türkei. Bild: dpa

Wirtschaft gut, alles gut – doch wehe, wenn nicht. Je schlechter es der türkischen Wirtschaft geht, desto stärker wird der Widerstand gegen die Gäste. Erdogan nutzt sie im Poker mit der EU.

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          Die Stimmung in der Türkei gegenüber den syrischen Flüchtlingen droht zu kippen, vor allem aus wirtschaftlichen Gründen. Das kann Auswirkungen auf Europa haben, denn die Führung in Ankara zeigt sich immer weniger geneigt, die Migranten auf ihrem Weg in den Westen aufzuhalten. Schon jetzt sind einige griechische Inseln mit Neuankömmlingen überfüllt. Gemäß dem Flüchtlingspakt mit der EU müsste die Türkei ihre Grenzen und Küsten eigentlich besser schützen und illegale Einwanderer zurücknehmen – im Gegenzug für Milliardenhilfen und für die geregelte Aufnahme von Asylbewerbern in Europa.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel- und Südosteuropa und Türkei mit Sitz in Wien.

          Doch der Vertrag läuft aus, und die Türkei fordert mehr Geld. Wegen der Kämpfe um die syrische Rebellenhochburg Idlib nahe der Grenze gebe es „eine neue Migrationsbedrohung“, die die Türkei allein nicht stemmen könne, sagte Präsident Recep Tayyip Erdogan kürzlich. Und er drohte, falls sich die EU an den Kosten nicht beteilige, würden die Flüchtlinge durchgelassen: „Entweder Sie teilen diese Last, oder wir müssen die Tore öffnen.“ Die Situation in Idlib und die Flüchtlinge sollten am Montag auch Themen auf einem Syrien-Gipfel in Istanbul sein. Dort empfing Erdogan zunächst den iranischen Regierungschef Hassan Rohani und wollte später mit Russlands Präsident Wladimir Putin zusammentreffen.

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