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Hunderte Millionen Dollar : Universal Music kauft Autorenrechte von Bob Dylan

Bob Dylan im Juli 2012 Bild: AFP

Es ist nicht der erste Deal dieser Art in den vergangenen Monaten, aber wohl der aufsehenerregendste. Der Musiker und Literaturnobelpreisträger verkauft die Rechte von mehr als 600 Werken an Universals Verlagssparte.

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          Bob Dylan hat die Autorenrechte an seinem umfangreichen Werke-Katalog an die Universal Music Group verkauft. Die Verlagssparte des zum französischen Medienkonzern Vivendi gehörenden Musikunternehmens teilte am Montag mit, die Vereinbarung umfasse mehr als 600 Werke. Dazu zählen etwa Klassiker wie „Blowin’ In The Wind“, „The Times They Are a-Changin“, aber auch die Lieder des in diesem Jahr erschienen Albums „Rough and Rowdy Ways”.

          Benjamin Fischer
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Künftige Werke Dylans fallen demnach nicht unter die Vereinbarung. Auch die Rechte an seinen Musikaufnahmen sind vom Verkauf des Autorenkatalogs naturgemäß nicht betroffen. „Es ist kein Geheimnis, dass die Kunst des Songwriting der wesentliche Schlüssel zu großartiger Musik ist und es ist ebenfalls kein Geheimnis, dass Bob einer der großartigsten Praktiker dieser Kunst ist“, ließ sich Universal-Chef Lucian Grainge zitieren. Jody Gerson, die Geschäftsführerin der Universal Music-Verlagssparte soll über Jahre mit Dylan im Gespräch gewesen sein, schreibt die „Financial Times“.

          Gerson erklärte am Montag: „Das Werk eines der größten Songwriters aller Zeiten zu vertreten, dessen kulturelle Bedeutung nicht hoch genug eingeschätzt werden kann, ist Privileg und Verantwortung zugleich.“ Der Abschluss stärkt Universals Position im Verlagsbereich, wo das Unternehmen vor allem mit den anderen beiden globalen Musikunternehmen – Sony und Warner Music – aber auch Bertelsmanns Musiksparte BMG konkurriert. Vivendi möchte Universal 2022 an die Börse bringen.

          Autorenrechte sind heiß begehrt

          Im Gegensatz zu vielen anderen Künstlern hatte der mittlerweile 79 Jahre alte Literaturnobelpreisträger die Rechte an seinen Kompositionen und Texten stets behalten. Lediglich die Verwaltung und das Einholen der Tantiemen übernahm außerhalb Amerikas der Verlagsarm von Sony Music, ATV. Ein Sony-Sprecher erklärte später am Montag, die Vereinbarung gelte noch „einige Jahre“, bis der Vertrag auslaufe.

          Über den Kaufpreis machte Universal derweil keine Angaben, „Bloomberg“ zufolge sind die Rechte aber mehr als 200 Millionen Dollar wert. Die Branchenwebseite „Music Business Worldwide“ verweist auf Quellen, die gar von bis zu 400 Millionen Dollar ausgehen.

          Kataloge prominenter Songwriter, deren Werken noch lange eine hohe Bedeutung beigemessen werden dürfte, sind seit Jahren auch unter Käufern außerhalb der Musikbranche begehrt. Unter anderem der Fonds Hipgnosis ist hier sehr aktiv und macht den Verlagen Konkurrenz. Erst vergangene Woche hatte Fleetwood-Mac-Songwriterin Stevie Nicks einen Großteil  der Rechte an ihrem Werkekatalog an Primary Wave Music verkauft, was dem Unternehmen 100 Millionen Dollar wert gewesen sein soll. So viel soll im August dieses Jahres auch der Verlag Concord Music Publishing für den Katalog von Imagine Dragons gezahlt haben.

          Wer die Rechte an Kompositionen hält, partizipiert über Lizenzgebühren an jeglicher Nutzung dieser, ob in Werbung, Filmen, Video-Spielen oder auf den diversen populären Streamingdiensten und Konzerten sowie sonstigen Aufführungen. Durch den Streaming-Boom wächst der globale Markt für Musikaufnahmen seit einigen Jahren wieder deutlich.

          Ist der Autor eines Werkes nicht auch gleichzeitig der Interpret, so erhält er dennoch anteilig Tantiemen, die durch den Verkauf von Musikaufnahmen unter Verwendung seiner Arbeit entstehen. Laut Universal sind Dylans Songs mehr als 6000 mal von anderen Künstlern aufgenommen worden. Dylan selbst hat der Mitteilung zufolge seit 1961 mehr als 125 Millionen Tonträger verkauft. Sein jüngstes Album ist wie die vorherigen auf dem Sony-Label Columbia erschienen.

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