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Flugzeugbestellungen : Wie Airbus von einer Boeing-Lücke profitiert

A321-Fertigung bei Airbus Bild: dpa

United Airlines bestellt 50 Flugzeuge von Airbus statt von Boeing. Mit den Nöten um die 737-Max hat das nur indirekt zu tun, Airbus kann einen anderen Vorteil für sich nutzen.

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          Und wieder hat der europäische Flugzeughersteller einen Großauftrag aus den Vereinigten Staaten, der Heimat des Rivalen Boeing, ergattert. Die Gesellschaft United Airlines ordert 50 Flugzeuge von Airbus, es ist ein Auftrag, für den in der Vergangenheit auch eine Vergabe an Boeing erwogen wurde. Mit den Nöten rund um das Modell 737-Max, das nach zwei Abstürzen noch immer am Boden bleiben muss, hat die Vergabe an Airbus aber nur indirekt zu tun. Der Airbus-Auftrag deutet auf eine Lücke bei Boeing hin.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          United Airlines ordert 50 Exemplare des für größere Distanzen ertüchtigten A321 XLR. Der A321 ist die längere und mit mehr Sitzplätzen ausgestattete Version des Mittelstrecken-Kassenschlagers A320, die in der XLR-Variante auch für Langstrecken wie Atlantikquerungen nutzbar ist. United hatte einen Ersatz für 757-Flugzeuge von Boeing gesucht, die in die Jahre gekommen sind. Das Durchschnittsalter der 757-200-Flotte von United hat 20 Jahre überstiegen. Boeing hat aber die Fertigung der 757-Reihe nach deutlich mehr als 1000 Auslieferungen schon 2005 eingestellt. Doch Fluggesellschaften vermissen zunehmend ein Nachfolgemodell im Sortiment der Amerikaner.

          Dass es dieses nicht gibt, hat auch mit dem 737-Max-Problem zu tun. Boeing hat längst Konzeptstudien für ein New Middle of the Market Airplane – kurz NMA – genanntes Modell vorgelegt. Es soll mehr Passagiere befördern als Mittelstrecken-Standardjets wie Boeings 737 oder der A320 und weiter fliegen können, die 757 schafft je nach Untervariante bis zu knapp 8000 Kilometern. Doch das neue Modell, das schon informell die Bezeichnung 797 trägt, hängt bei Boeing in der Warteschleife. Aktuell dominieren die Nöte mit der 737-Max den Konzern und binden viele Kapazitäten.

          Erst 2020 will sich Boeing wieder konkreter zu den Plänen äußern, bis zur Auslieferung erster fertiger Flugzeuge würden weitere Jahre vergehen. Solange wollte United Airlines offenbar nicht mehr warten. Die A321XLR-Flugzeuge, die nun von 2024 erwartet werden, seien ein „idealer Ersatz für ältere, weniger effiziente Flugzeuge, die aktuell zwischen den wichtigsten Städten im Interkontinentalnetz eingesetzt werden“, sagte United-Vorstand Andrew Nocella. Die amerikanischen Gesellschaften American Airlines und Jetblue hatten ohnehin schon das Airbus-Modell bestellt.

          Ein Eins-zu-eins-Ersatz sind die Airbus-Jets allerdings nicht. Das Modell kann zwar ein paar hundert Kilometer weiter fliegen als die 757, hat aber in der Regel weniger Sitzplätze. Boeing-Chef Dennis Muilenburg hatte im Sommer gesagt, dass der Airbus A321 XLR nur am Rand des Marktsegments kratzen würde, das Boeing mit dem NMA-Modell beziehungsweise der 797 anpeilt. Nach früheren Aussagen könnte das Boeing-Modell 2025 einsetzbar sein. Doch der Konzern hat letztlich noch nicht entschieden, ob es überhaupt gebaut wird.

          Eine Schattenseite für Airbus gibt es

          Diese Ungewissheit und die mittlerweile entstandenen Zeitvorsprung in der Entwicklung weiß Airbus nun für sich zu nutzen. Mit bis zu etwa 240 Sitzen erscheint die A321XLR-Variante attraktiv für dezentrale Strecken, auf denen die Ticketnachfrage zu gering ist, um große Langstreckenstreckenflugzeuge mit zwei Mittelgängen zu füllen.

          Der neue Auftrag von United hat für Airbus allerdings auch eine Schattenseite: Die amerikanische Fluggesellschaft will bestellte A350-Jets statt von 2022 an erst im Jahr 2027 bekommen. Sie sollen dann weitere Boeing-Flugzeuge ersetzen, die allerdings noch nicht das Alter der 757-200-Maschinen von United erreicht haben.

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