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Uni Göttingen : Konfuzius-Institut unter Verdacht

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Uni Göttingen Bild: dpa

Gerade erst rühmte sich die Uni Göttingen ihres neuen Konfuzius-Instituts. Schon hagelt es Kritik. Menschenrechtler fürchten um die Freiheit der Forschung.

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          An der Universität Göttingen wurde in dieser Woche ein Konfuzius-Institut - das chinesische Pendant zum Goethe-Institut - eröffnet. Schon sehen Menschenrechtler die Freiheit der Forschung bedroht. Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat die Einrichtung des Akademischen Konfuzius-Instituts an der Universität Göttingen kritisiert. „Wir fürchten, dass die Unabhängigkeit der Wissenschaft durch die enge Anbindung eines Konfuzius-Instituts gefährdet wird“, sagte GfbV-Asienreferent Ulrich Delius in Göttingen.

          Es sei fragwürdig, ob ein Institut, „das vom chinesischen Bildungsministerium ausdrücklich dazu angehalten wird, ein positives Bild Chinas im Ausland zu zeichnen, in unseren kritischen Wissenschaftsbetrieb passt“.

          Nicht kritisch genug?

          Das Institut in Göttingen wurde am Mittwoch in Kooperation mit der Beijing Foreign Studies University und der Nanjing University eröffnet. Bei ihm handelt es sich nach Uni-Angaben um das erste akademische Institut seiner Art. Hier solle Forschung und Lehre betrieben werden. Bisher gibt es in Deutschland rund ein Dutzend Konfuzius-Institute, wie China sie weltweit als Einrichtungen für Kultur und Sprache betreibt. Kritiker sehen auch in ihnen eine Plattform für die Kommunistische Chinesische Partei.

          Mit der Einrichtung reagiere die Hochschule auf die wachsende Bedeutung Chinas auf politischem, wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Gebiet, so die Vizepräsidentin der Universität Göttingen, Hiltraud Casper-Hehne, auf der Internetseite der Hochschule.

          Wirtschaftlich motiviert

          Peking, Shanghai und andere Städte und Regionen seien zu erfolgreichen wirtschaftlichen Zentren aufgestiegen. Der rasante Anstieg führe dazu, dass „eine Beschäftigung mit den weltweiten Herausforderung ohne Beachtung Chinas schwer vorstellbar ist“.

          Natürlich solle und müsse auch Positives über China vermittelt werden, sagte Delius. „Doch das Negative, wie die Unterdrückung der Tibeter oder die schweren Menschenrechtsverletzungen an Uiguren im Nordwesten des Landes, sollte nicht unterschlagen werden.“ Nur dann könne sich jeder ein eigenes Bild machen. Wissenschaftliche Lehre und Forschung lebten von angeregten und kritischen Diskussionen. „Wir fürchten, dass diese Rolle von Konfuzius-Instituten nicht erfüllt werden kann und sich zugleich die deutsche Sinologie noch mehr in Abhängigkeit begibt.“

          Niedersachsen lernt Mandarin

          Niedersachsen hatte zuvor als erstes Bundesland Chinesisch als reguläre Schulfremdsprache eingeführt. „Ein zentraler Bereich des Göttinger Konfuzius-Instituts wird sich mit der Forschung zur Didaktik des Unterrichts von Chinesisch als Fremdsprache und deren Vermittlung in die Praxis befassen“, sagte laut Meldung der Universität deren Professorin Hiltraud Casper-Hehne. Dazu gehörten wissenschaftliche Workshops, Lehrerfortbildungen und die Beratung von Schulen.

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