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Unglück in Brasilien : Korruptionsvorwürfe gegen TÜV Süd nach Dammbruch

Ein Feuerwehrmann im Katastrophengebiet Bild: AFP

Nach dem verheerenden Unglück in der Eisenerzmine Córrego do Feijão wächst die Kritik am TÜV Süd. Es geht um Schlamperei und in der Staatsanwaltschaft ist die Rede von fahrlässiger Tötung.

          Nach dem verheerenden Dammbruch in Brasilien mit mehr als 180 Toten prüft der TÜV Süd mögliche Versäumnisse und schließt auch Konsequenzen nicht aus. „Mit Unterstützung eigener und externer Experten untersucht die TÜV Süd AG ihre internen Prozesse sowie mögliche Ursachen für den tragischen Dammbruch in Brumadinho“, sagte eine Sprecherin des Unternehmens. Der Münchner Prüfkonzern hatte den Katastrophendamm an einer Eisenerzmine des Bergbaukonzerns Vale im Bundesstaat Minas Gerais zwei Mal begutachtet und als sicher eingestuft.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Der Erdwall war 1976 für die Eisenerzmine Córrego do Feijão errichtet und über die Jahre in elf Ausbaustufen immer weiter erhöht worden. Am 25. Januar war ein Teil des mittlerweile 89 Meter hohen Erdwalls an einem Rückhaltebecken eingestürzt. Mindestens 186 Menschen wurden in einer Schlammlawine getötet, mehr als hundert weitere Menschen werden noch vermisst.

          Die brasilianische Staatsanwaltschaft erhebt nicht nur schwere Vorwürfe gegen den brasilianischen Konzern als Betreiber der Eisenerzmine Córrego do Feijão unweit der Ortschaft Brumadinho. Auch der Münchner TÜV steht in der Kritik. Die Vorwürfe reichen von fahrlässiger Tötung bis zu Korruption.

          Mängel sollen bekannt gewesen sein

          Nach einem Bericht des „Spiegel“ hält ein brasilianischer Staatsanwalt dem deutschen Dienstleister Versäumnisse bei der Prüfung des Damms vor. Aus Unterlagen der Staatsanwaltschaft von Brumadinho geht demnach hervor, dass die Verantwortlichen schon seit rund 15 Monaten über Sicherheitsprobleme bei dem aus Geröll, Minenresten und Schlamm errichteten Wall Bescheid wussten. „Unsere Beweise zeigen: Dies war kein Unfall“, wird der zuständige Staatsanwalt William Garcia Pinto Coelho zitiert.

          Der Vale-Konzern weist die Vorwürfe zurück: Es habe keine Hinweise auf die Katastrophe gegeben, erklärte das Unternehmen, das den Angehörigen der Opfer, dem Ort Brumadinho sowie den vom Unglück betroffenen Betrieben Entschädigungen gezahlt hat. Der Vorstandsvorsitzende Fabio Schvartsman und weitere ranghohe Vale-Manager traten zurück.

          Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass der brasilianische Eisenerz-Produzent schon Monate vor dem Dammbruch wegen einer verweigerten Sicherheitsbescheinigung einer Inspektionsfirma gekündigt haben soll. Das geht aus Gerichtsunterlagen der Staatsanwaltschaft hervor, in der diese die geforderte Ablösung von Vale-Führungskräften begründet.

          Vorwurf der Korruption steht im Raum

          Aus Sicht von Staatsanwalt Coelho wurde auch der TÜV Süd seiner Verantwortung nicht gerecht. Interne Mails sollen belegen, dass ein in München stationierter TÜV-Manager involviert war. Es steht der Verdacht im Raum, dass der deutsche Konzern nachlässig geprüft haben könnte, um nicht andere Aufträge des brasilianischen Vale-Konzerns zu gefährden.

          So soll das Protokoll einer Zeugenaussage belegen, dass der TÜV bereits im November 2017 von einer damaligen Partnerfirma in Brasilien darauf hingewiesen worden sei, dass der Damm einen zentralen Sicherheitswert unterschreitet. Der Wert beziffert demnach das Risiko eines zu hohen Eindringens von zu viel Wasser ins Erdreich, wodurch die feste Erde flüssig wird.

          In dem Gutachten vom September 2018 sei der einzuhaltende Mindestwert abgesenkt worden. Staatsanwalt Coelho wirft den deutschen Prüfern vor, sie hätten „sich die Zahlen zurechtgebogen, damit sie die Stabilitätserklärung ausstellen konnten.“

          Der TÜV Süd hat nach eigener Aussage eine Expertenkommission eingesetzt, die Dokumente zu sämtlichen Sicherheitsprüfungen in Brasilien noch einmal durchleuchtet. Schließlich hat der Konzern 30 weitere Dämme in Brasilien zertifiziert.

          Das Kontrollieren von Dämmen und Minen ist ein Geschäft, das der TÜV Süd seit etlichen Jahren betreibt. Fast 500 Mitarbeiter arbeiten für die Tochtergesellschaft TÜV Süd do Brasil mit Sitz in São Paulo. Wie bei der Muttergesellschaft geht es um die Qualitätskontrolle von Lebensmitteln ebenso wie um die Überwachung und Zertifizierung von Infrastruktur.

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