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Wegen Fischen und Fledermäusen : Umweltschützer verzögern Autobahnbau

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Schlechtes Wetter bremst die Bauarbeiten nicht aus, wohl aber das Bundesverwaltungsgericht Bild: dpa

Fischfauna und Fledermäuse sind bei der Planung der A20 nicht genug beachtet worden, urteilt das Bundesverwaltungsgericht. Schleswig-Holstein muss nachbessern. Das Ministerium gibt sich trotzdem zufrieden.

          Das Bundesverwaltungsgericht hat den Weiterbau der Autobahn 20 in Schleswig-Holstein gestoppt. Der zugehörige Planfeststellungsbeschluss für ein 19,9 Kilometer langes Teilstück von der A7 bis Wittenborn im Kreis Segeberg sei „rechtswidrig und nicht vollziehbar“, entschied das Gericht am Dienstag in Leipzig. Geklagt hatten die Umweltverbände BUND und Nabu. Eine zweite Klage eines Grundstücksbesitzer-Eherpaars wurde vorläufig ausgesetzt.

          Die Bundesrichter hegen vor allem wasser- und artenschutzrechtliche Bedenken gegen das Projekt. Die Planung sei „zwar in erheblichen Teilen – aber nicht vollständig – frei von Fehlern“, sagte der Vorsitzende Richter Wolfgang Bier in der Urteilsbegründung. Die Planer des zuständigen Landesministeriums in Kiel müssen nun nachbessern.

          Probleme mit Artenschutz und Wasserrecht

          Ein Knackpunkt ist das europäische Wasserrecht. Die Überprüfung des sogenannten „wasserrechtlichen Verschlechterungsverbots“ durch die Planer bleibe erheblich hinter den Anforderungen zurück, hieß es. Die Fischfauna in den vom Autobahnbau betroffenen Gewässern sei etwa nicht ausreichend bewertet worden. Im Einzelnen: Wie sich die Chlorid-Belastung durch Tausalz entwickele, habe man erst in der mündlichen Verhandlung Anfang November in Leipzig dargelegt.

          Artenschutzrechtliche Fehler sahen die Richter besonders in Bezug auf das Fledermaus-Winterquartier „Segeberger Kalkberghölen“. Dies sei europaweit bedeutsam, 30.000 Tiere überwinterten dort. Die Auswirkungen des Autobahnbaus hätten in einer Verträglichkeitsprüfung untersucht werden müssen, kritisierte der Senat.

          Freude auf beiden Seiten

          Die Leiterin des Amts für Planfeststellung Verkehr im Wirtschaftsministerium in Kiel, Gesa Völkl, zeigte sich dennoch erfreut über das Leipziger Urteil. Ein Großteil der Planungen sei bestätigt worden. „Es sind nur ganz wenige kleine Bereiche, wo wir nachbessern müssen“, meinte sie. Wie lange die Planergänzungen dauern werden, konnte Volk nicht abschätzen.

          Auch Schleswig-Holsteins BUND-Landesgeschäftsführer Ole Eggers wertete das Urteil als Erfolg. Das Gericht sei den wasser- und artenschutzrechtlichen Bedenken der Naturschützer gefolgt. Es könne eine wegweisende Entscheidung für die weiteren A20-Abschnitte sein.

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