https://www.faz.net/-gqe-a2ish

Umweltministerium : Eine vermüllte Gesellschaft

Viele Einwegflaschen aus Plastik liegen auf einem Haufen. Bild: dpa

Die Entsorgung von Plastikmüll ist teuer. Eine EU-Richtlinie verpflichtet die Hersteller, sich an den Kosten zu beteiligen. Das klingt einleuchtend, die Sache ist aber nicht so einfach, wie sie scheint.

          1 Min.

          Das schöne Wetter lädt zum Verweilen im Freien ein, aber viele Parks, Plätze, Straßen, See- oder Flussufer sehen verheerend aus: zugemüllt mit Plastikbechern, Tüten, Essensverpackungen. Es ist gut, dass es jetzt erstmals eine Studie dazu gibt, wie viel Geld es die Städte kostet, diesen Dreck zu beseitigen. Richtiger: wie viel es uns alle als Steuer- und Gebührenzahler kostet.

          Insgesamt werden für die Entsorgung des Straßenmülls 2,8 Milliarden Euro im Jahr aufgewendet. Für jene Produkte, die unter die EU-Kunststoffrichtlinie fallen, sind es allein 700 Millionen Euro. Dazu gehören Einwegbecher, Salatboxen und auch Zigarettenstummel, weil sie aufgrund eines früheren Gesetzes Kunststofffilter enthalten müssen. Die EU-Richtlinie verpflichtet die Hersteller, sich an den kommunalen Entsorgungskosten zu beteiligen.

          Das klingt einleuchtend, die Sache ist aber nicht so einfach, wie sie scheint. Zum einen gibt es noch Schwierigkeiten in der Definition von „Einwegkunststoffartikeln“, weil die entsprechenden Leitlinien fehlen. Zum anderen zahlen die „Inverkehrbringer“ bereits jetzt einen Beitrag, und zwar über das Duale System. Zum Dritten ist nicht absehbar, dass der Bürger tatsächlich entlastet oder die Stadtreinigung aufgerüstet wird. Es besteht die Gefahr, dass das neu eingesammelte Geld versickert.

          Insgesamt wäre es sinnvoller, die Mehrwegquote zu erhöhen; Pfandflaschen finden sich viel seltener im Gelände. Das Kernproblem ist noch ein anderes: die Rücksichtslosigkeit jener, die ihren Müll einfach in die Gegend werfen und damit die Kosten in die Höhe treiben. Ihrer Verachtung anderen Menschen und der Umwelt gegenüber muss man mit Erziehung und sozialer Kontrolle begegnen und auch mit schärferen Sanktionen.

          Das Recht gibt es her, „Littering“ zu ahnden, es muss aber durchgesetzt, notfalls verschärft werden. Niemand wünscht sich so rigorose Verhältnisse wie in Singapur. Aber wenn in der Corona-Zeit die Bürger, die Geschäfte oder Verkehrsbetriebe renitente Maskenverweigerer zum Mitmachen oder zum Fortgehen bewegen können oder wenn die Polizei feiernde Gruppen auflösen kann – warum schaffen es Gesellschaft und Staat dann nicht, Ignoranten zur korrekten Müllentsorgung zu verpflichten?

           

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

          Folgen:

          Weitere Themen

          Den Tech-Konzernen geht es glänzend

          Amazon, Apple & Co. : Den Tech-Konzernen geht es glänzend

          Amazon schafft einen weiteren Rekordgewinn, und Facebook beschleunigt sein Wachstum. Apple muss auf das nächste Quartal vertrösten – hat aber guten Grund zum Optimismus.

          „Massive" staatliche Hilfen für betroffene Branchen Video-Seite öffnen

          Finanzminister Scholz : „Massive" staatliche Hilfen für betroffene Branchen

          Finanzminister Olaf Scholz und Wirtschaftsminister Peter Altmaier haben die beschlossene Verschärfung der Corona-Maßnahmen als notwendig verteidigt. Sie betonten außerdem die massive staatliche Unterstützung für die von Schließungen betroffenen Branchen.

          Topmeldungen

          Warnschild in Ludwigsburg

          Debatte im Bundestag : Wer der Feind ist

          Kritik ist berechtigt und nötig. Eine „Corona-Diktatur“ ist Deutschland aber nicht. Auch die Opposition sollte in diesen Zeiten nicht überreagieren.
          Der Umsatz mit den iPhones verfehlt die Erwartungen. Tim Cook ist trotzdem optimistisch.

          Amazon, Apple & Co. : Den Tech-Konzernen geht es glänzend

          Amazon schafft einen weiteren Rekordgewinn, und Facebook beschleunigt sein Wachstum. Apple muss auf das nächste Quartal vertrösten – hat aber guten Grund zum Optimismus.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.