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Umweltbonus : Tesla bestreitet Tricksereien mit der Elektroprämie

Teslas Model S Bild: AFP

Bundesregierung und Autobranche fördern den Kauf von Elektroautos mit einem Umweltbonus. Hat Tesla dabei getrickst und sich die Subvention erschlichen? Das Unternehmen wehrt sich vehement.

          Nachdem die Bundesregierung im Mai vorigen Jahres beschlossen hatte, den Kauf von Elektroautos per Prämie zu fördern, reagierte der amerikanische Elektroautohersteller Tesla mit Unverständnis. Kunden des Unternehmens werde der Umweltbonus in Höhe von 4000 Euro vorenthalten, da die Kaufprämie an ein „willkürliches Preislimit gekoppelt ist“, hieß es damals in einem Blogeintrag auf der Internetseite des Autoherstellers. Laut der Förderrichtlinie können nur Autos bis zu einem Listenpreis ohne Mehrwertsteuer in Höhe von 60.000 Euro den Zuschuss erhalten. „Selbstverständlich sind wir sehr enttäuscht“, hieß es bei Tesla weiter. Im Herbst vorigen Jahres reagierte das Unternehmen jedoch und bot fortan eine Grundversion seiner Limousine „Model S“ für knapp unter 60.000 Euro an. Seitdem konnten auch Model-S-Käufer die Prämie beantragen. Bis jetzt.

          Wie das für die Vergabe des Umweltbonus zuständige Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle am Freitag bestätigte, hat es das Tesla-Auto von seiner Liste der förderfähigen Fahrzeuge gestrichen. Der Grund sei, dass das Basismodell nicht für einen Preis unter 60.000 Euro zu kaufen gewesen sei. Das Bundesamt habe seit Juli die Förderfähigkeit der Limousine geprüft und daraus nun diese Konsequenz gezogen. Welche Folgen das für den Autohersteller und die schon bewilligten Förderanträge habe, werde derzeit erörtert, hieß es weiter.

          Zuvor hatte die Zeitschrift „Auto Bild“ berichtet, Tesla stehe im Verdacht, sich die staatlichen Subventionen erschlichen zu haben. Der Autohersteller habe zwar ein Basismodell für weniger als die vorgeschriebene Preisgrenze angeboten. Zusatzleistungen wie ein Spurhalteassistent oder eine Rückfahrkamera hätten Käufer in einem „Komfortpaket“ für 13.101 Euro dazu buchen können. Allerdings sei die Bestellung – anders als angegeben – nicht optional gewesen. Kundenberater hätten dies sogar eingestanden und zum „Mitnehmen“ des Umweltbonus geraten. Die Zeitschrift schließt, das Unternehmen produziere das Auto gar nicht in einer Basisversion und täusche somit die Verbraucher.

          „Vollkommen falsche Anschuldigung“

          Der Autohersteller sieht das anders. „Das ist eine vollkommen falsche Anschuldigung“, teilte eine Tesla-Sprecherin mit. „Jeder in Deutschland kann eine Basisversion des Tesla Model S ohne Komfortpaket bestellen, und wir haben solche Autos an Kunden ausgeliefert.“ In ihrer Stellungnahme verweist die Sprecherin abermals auf die Tesla zufolge willkürliche Preisgrenze in der Förderrichtlinie und erhebt ihrerseits einen schweren Vorwurf: Die Bundesregierung habe den Höchstpreis von 60.000 Euro absichtlich und eigens festsetzt, um zu verhindern, dass Tesla-Autos sich für die Förderung qualifizieren.

          Tesla habe deshalb zuerst auch geplant, sich bei den Wettbewerbsbehörden in der Europäischen Union zu beschweren. „Stattdessen haben sich Tesla und die Bundesregierung auf einen Mittelweg geeinigt, der es Tesla erlaubt, ein abgespecktes Auto zu verkaufen, das unter die Förderung fällt und das die Kunden aufrüsten können, wenn sie wollen“. Wenn es Kundenberater gebe, die behaupteten, das Model S gebe es nicht ohne ein Paket an Zusatzleistungen, sei dies falsch und läge außerhalb der Vorgaben, die Tesla sich auferlegt habe. „Wir werden das untersuchen und nach Bedarf angemessene Maßnahmen ergreifen.“

          Sollte die weitere Prüfung des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle allerdings doch eine Täuschung durch den Autohersteller ergeben, ginge es um einen Millionenbetrag. Nach Angaben des Bundesamtes sind bei ihm bis zum Förderstopp für das Model S genau 1274 Förderanträge eingegangen. Davon seien 834 Anträge bewilligt worden, der Rest der Anträge sei noch unbearbeitet und ruhe bis zur Klärung des Sachverhalts. In rund 650 Fällen sei der Bundesanteil am Umweltbonus in Höhe von 2000 Euro schon geflossen. Die Auszahlungssumme beläuft sich mithin auf circa 1,3 Millionen Euro. Ob die Förderempfänger, also die Tesla-Eigentümer, das Geld im Falle einer Täuschung durch Tesla zurückzahlen müssen, werde ebenfalls geprüft, hieß es beim Bundesamt.

          Mit dem Umweltbonus fördern Bundesregierung und Autobranche seit Juli vergangenen Jahres jeweils hälftig den Kauf von Elektroautos und Hybridfahrzeugen, deren zusätzlicher Elektromotor sich an einer Steckdose laden lässt. Für batteriebetrieben Elektroautos ist eine Prämie von 4000 Euro vorgesehen, im Falle der sogenannten Plug-in-Hybride beträgt die Förderung 3000 Euro.

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