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UMTS : „Auslöser einer Branchenimplosion“

  • -Aktualisiert am

Es ist fraglich, ob sich die UMTS-Investitionen je rentieren Bild: dpa

Die Buchstabenfolge UMTS hat es zu Berühmtheit gebracht. Doch der Ruhm der Mobilfunktechnologie ist eher zweifelhaft. Einige Telekom-Konzerne werden finanziell daran zugrunde gehen.

          Für die Staatskassen in Großbritannien und Deutschland war es ein perfektes Timing. Die Versteigerung der UMTS-Lizenzen spülte rund 150 Milliarden Mark in die öffentlichen Geldschränke. Es war die Zeit im Frühsommer 2000, als an den Börsen, wie man mittlerweile weiß, irreale Hoffnungen in die Kurse eingepreist waren.

          Wäre morgen UMTS-Tag - da muss man kein Prophet sein - das gesamte Funkspektrumspaket ginge womöglich für weniger als die Hälfte über den Tisch.

          Die europäischen Telekommunikationskonzerne haben sich finanziell übernommen. Ihre Bonität ist angekratzt, British Telecom fängt schon an, Immobilien zu veräußern, und die Kosten für den UMTS-Netzausbau stehen noch aus. Während die Unternehmen immer wieder betonen, die 3. Generation des Mobilfunks mit Datenübertragungen von Videos, Bildern und Texten würde die Investitionen rechtfertigen, zeichnen Analysten mittlerweile ein düstereres Bild. „Die Einkünfte aus dem Bereich mobiles Internet werden hinter den Erwartungen zurückbleiben. Zwar nehmen Nutzerzahl und Umsätze zu - doch die Konkurrenz drückt die Preise“, so Forrester Research in seiner jüngsten Studie.

          UMTS als Sinnbild für „Branchenimplosion“

          Die Negativprognosen drücken eine wachsende Unsicherheit der Branche aus: Niemand weiß, ob sich „Internet per Handy“ überhaupt durchsetzt, denn bislang gibt es keine Killer-Applikation, die einen Vorgeschmack bietet und vor allem dicke Umsätze verspricht. Das Beispiel I-Mode aus Japan ist vielzitiert - doch die Betreibergesellschaft NTT Docomo hatte keine UMTS-Kosten zu verdauen, zudem hat der Mobilfunkkonzern eine überzeugende Contentstrategie geliefert: Inhalte kommen von externen Anbietern, die, so die Argumentation, eine bessere Kompetenz besitzen. Hierzulande verzetteln sich die Mobilfunkkonzerne noch in Diskussionen um „Exklusivportale“: Sie wollen alles selbst kontrollieren.

          „Mobilfunkanbieter werden verschwinden, die Konsolidierung zunehmen. Maximal fünf Anbieter überleben ab 2008“, ist sich Lars Godell, Analyst bei Forrester Research sicher: „Der Begriff UMTS wird dabei als Auslöser einer Branchenimplosion in die Geschichte eingehen“!

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