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Umtausch der Staatsanleihen : Athen will private Gläubiger zum Schuldenschnitt zwingen

  • Aktualisiert am

Griechenlands Finanzminister Evangelos Venizelos Bild: dpa

Der Weg für den griechischen Schuldenschnitt und das zweite Rettungspaket ist frei. Wie die Regierung in Athen mitteilte, wurden 85,8 Prozent der Anleihen unter griechischem Recht zum Umtausch eingereicht. Der Regierung in Athen reicht dies jedoch nicht, sie will nun alle Gläubiger dieser Gruppe zum Umtausch zwingen.

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          Die privaten Gläubiger Griechenlands haben mit großer Mehrheit der historischen Umschuldung zugestimmt und damit den Weg für das zweite Rettungspaket geebnet. Von den 177 Milliarden Euro Anleihen unter griechischem Recht sind 85,8 Prozent zum Umtausch eingereicht worden, teilte das Finanzministerium in Athen am Freitagmorgen mit. Von den restlichen Anleihen der privaten Gläubiger, die nominal rund 30 Milliarden Euro wert sind und die größtenteils unter englischem Recht stehen, wurden 69 Prozent angedient. Der Regierung in Athen genügen diese Quoten jedoch nicht, Finanzminister Evangelos Venizelos kündigte an, sein Land werde nun sogar alle Gläubiger mit Anleihen nach griechischem Recht zum Umtausch zwingen. Gegen die Gläubiger der Anleihen nach englischem Recht hat das hoch verschuldete Land kaum eine Handhabe.

          Rettungspaket soll spätestens am Montag freigegeben werden

          Das Parlament in Athen hatte vor wenigen Wochen ein Gesetz verabschiedet, das für die Anleihen nach griechischem Recht nachträglich Umschuldungsklauseln (Collective Action Clauses, kurz CAC) einführte. Zusammen mit den anderen Anleihen, die “freiwillig“ zum Schuldenschnitt angemeldet wurden, sollen so insgesamt 197 der 206 Milliarden Euro schweren Anleihen von privaten Gläubigern am Umtausch teilnehmen.

          Anleihe-Umtausch : Athen meldet hohe Beteiligung am Schuldenschnitt

          Dieser wird für die privaten Gläubiger teuer: Sie sollen nominal auf 53,5 Prozent ihrer ursprünglichen Forderungen verzichten und Athen damit 107 Milliarden Euro schenken. De facto liegt der Verlust der privaten Gläubiger sogar bei rund 74 Prozent ihrer ursprünglichen Forderungen, denn die Teilnehmer am Schuldenschnitt müssen ihre alten Anleihen zudem gegen neue mit Laufzeiten von bis zu 30 Jahren tauschen, die auch noch schlechter verzinst werden. Die Sätze beginnen bei niedrigen 2 Prozent, steigen später auf 3 Prozent und erst nach dem Jahr 2022 auf 4,3 Prozent. Im Schnitt soll die Verzinsung 3,65 Prozent betragen - weit weniger als marktüblich.

          Der Schuldenschnitt ist eine zentrale Voraussetzung dafür, dass Griechenland ein zweites Hilfspaket der Euroländer von 130 Milliarden Euro erhält. Die Finanzminister des Euroraums wollen darüber an diesem Freitag ab 14 Uhr in einer Telefonkonferenz beraten, eine endgültige Entscheidung aber möglicherweise bis zu einem Treffen am Montag aufschieben.

          Entscheidung über Kreditausfallversicherungen steht kurz bevor

          Noch an diesem Freitag soll hingegen die Frage geklärt werden, ob nun die Kreditausfallversicherungen für die griechischen Anleihen fällig werden. Das gab die mit der Entscheidung beauftragte International Swaps and Derivatives Association (ISDA) in London bekannt. Sie muss entscheiden, ob der geplante Zwangsumtausch als ein Kreditereignis, also als Zahlungsausfall zu werten ist. In diesem Fall würden die Ausfallversicherungen (Credit Default Swaps, kurz CDS) fällig. Die Beratungen des Derivateverbands sollen um 14 Uhr beginnen.

          In Finanzkreisen gilt als wahrscheinlich, dass die Kreditausfallversichungen fällig werden. Umstrittener ist, welche Folgen dies im Endeffekt haben wird. Der Bundesverband der deutschen Banken (BdB) hält das Risiko indes für überschaubar. Nach Daten der Depository Trust & Clearing Corporation in Amerika von Ende Februar gibt es ausstehende CDS-Kontrakte auf griechische Staatsanleihen im Nettowert von 3,2 Milliarden Euro. Ausgezahlt würde aber nur der Prozentsatz, der für die Gläubiger als verloren gilt. Bei einem Schuldenverzicht von 53,5 Prozent würden an die Gläubiger also maximal 1,71 Milliarden Euro fließen. Diese würden sich zudem auf etliche Banken, die Nettoverkäufer am Markt für CDS-Kontrakte sind, verteilen.

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