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Umstrittene Funktion : Facebook stoppt Gesichtserkennung

Allerdings sah er in einigen Punkten noch Handlungsbedarf. „In einer kleinen Zahl von Fällen ist die volle Umsetzung der Empfehlungen noch nicht erreicht“, heißt es in dem Bericht. Unter anderem mahnte er an, dass neue Nutzer immer noch nicht ausreichend in der Handhabe des Netzwerks geschult werden. Auch bei der kompletten Löschung von Nutzerprofilen seien noch nicht alle Zweifel ausgeräumt, welche Daten wie lange gespeichert werden. Schließlich sei auch noch nicht geklärt, ob das Netzwerk beim sogenannten Targeting für seine Werbeanzeigen auch auf sensible Daten zurückgreife. Das kann nach Ansicht des Datenschutzbeauftragten etwa dann der Fall sein, wenn Facebook Wörter oder Begriffe aus Nutzerbeiträgen verwendet, um daran anknüpfend auf der Seite individualisierte Werbung auszuspielen.

Initiative will Entscheidung über Beschwerden

Facebook selbst sah sich einer ersten Reaktion durch den Bericht bestätigt. „Wir freuen uns, dass die jüngste Erklärung des irischen Datenschutzbeauftragten bestätigt hat, dass wir nicht nur mit dem europäischen Datenschutz konform sind, sondern die ersten Empfehlungen der Behörde in der Umsetzung sogar übertroffen haben.“ Was die Funktion „Markierungsvorschläge für Fotos“ betrifft, äußerte sich das Netzwerk optimistisch, sie künftig auch in Europa wieder zur Verfügung stellen zu können.

Die vom österreichischen Jurastudenten Max Schrems ins Leben gerufene Initiative „Europe Versus Facebook“ kritisierte dagegen den nun veröffentlichten Bericht. Zwar sage der irische Datenschutzbeauftragte, dass Facebook nicht alle Vorschläge umgesetzt habe, aber das scheine keine Konsequenzen zu haben, hieß es in einer Mitteilung. „Es tut uns Leid zu sehen, dass das Gesetz in Irland wieder einmal für einen Technologie-Giganten aufgehoben wurde“, ließ sich Schrems zitieren. „Auf der anderen Seite ist dieser Bericht nicht bindend. Über unsere Beschwerden ist noch weiter zu entscheiden.“

„Europe Versus Facebook“ hatte im vergangenen Jahr insgesamt 22 Beschwerden beim irischen Datenschutzbeauftragten eingereicht, die dieser während seiner ersten Prüfung berücksichtigte. Der Datenbeauftragte Hawkes verwies am Freitag noch einmal deutlich darauf, dass ungeachtet des nun veröffentlichten Berichts weiter die Möglichkeit bestehe, Beschwerden vorzubringen. „Unter irischem Recht ist es jedem weiter möglich, von unserer Behörde eine formale Entscheidung über Beschwerden zu erreichen“, sagte er. Wem diese Entscheidung dann nicht gefalle, dem sei es unbenommen auch vor Gericht zu ziehen. Europe Versus Facebook kündigte am Freitag an, den nächsten Schritt gehen zu wollen, um eine solche Entscheidung zu erwirken.

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