https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/umsatz-im-einzelhandel-faellt-so-stark-wie-seit-1994-nicht-mehr-18213335.html

Im ersten Halbjahr : Umsatz im Einzelhandel fällt so stark wie seit 1994 nicht mehr

  • Aktualisiert am

Blick auf die Einkaufsmeile Hohe Straße in Köln. Bild: dpa

Zwischen Januar und Juni sind die Erlöse im Vergleich zum Vorjahr inflationsbereinigt um fast 9 Prozent gefallen. Fachleute sehen schwere Zeiten auf die Branche zukommen.

          2 Min.

          Die deutschen Einzelhändler haben ein schwieriges erstes Halbjahr mit hoher Inflation, Corona-Krise und Ukraine-Krieg mit dem stärksten Umsatzeinbruch seit 28 Jahren beendet. Ihr Umsatz fiel im Juni inflationsbereinigt (real) um 8,8 Prozent niedriger aus als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte. „Das ist der größte Rückgang zum Vorjahresmonat seit Beginn der Zeitreihe 1994", hieß es dazu. Nominal – also nicht preisbereinigt – nahm der Umsatz dagegen nur um 0,8 Prozent ab. „Die Differenz zwischen den nominalen und realen Ergebnissen spiegelt die hohen Preissteigerungen im Einzelhandel wider, die das Konsumklima spürbar beeinträchtigen“, erklärten die Statistiker.

          Ökonomen sagen dem Einzelhandel anhaltend schwierige Zeiten voraus. „Das war nicht die letzte schlechte Konsumnachricht“, sagte der Chefvolkswirt der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank AG, Alexander Krüger. „Wegen der miserablen Konsumlaune dürfte der Konsumstern fortan weiter sinken. Die Verbraucher kämpfen mit gravierenden Realeinkommensverlusten.“ Auch die Gasumlage werde Konsumwünsche noch in diesem Jahr beschneiden. „Der Tiefpunkt beim Konsum kommt erst noch“, erwartet Krüger deshalb.

          Umsatzeinbußen auch im Vergleich zum Vormonat

          Auch im Vergleich zum Vormonat gab es einen Umsatzrückgang: Inflationsbereinigt sanken die Einnahmen um 1,6 Prozent im Vergleich zum Mai. Das kommt überraschend: Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten hier mit einem leichten Wachstum von 0,2 Prozent gerechnet. Die Verbraucher gaben dabei 1,6 Prozent weniger für Lebensmittel aus. „Der Rückgang ist vermutlich vor allem den gestiegenen Preisen für Lebensmittel geschuldet“, so die Statistiker. Der Handel mit Textilien, Bekleidung, Schuhen und Lederwaren konnte den positiven Trend des bisherigen Jahresverlaufs nicht fortsetzen und nahm im Juni 5,4 Prozent weniger ein als im Vormonat.

          Einer aktuellen Umfrage des Handelsverbands Deutschland (HDE) zufolge sind Verbraucherinnen und Verbraucher derzeit bei Einkäufen und Anschaffungen so zurückhaltend wie lange nicht mehr. Hintergrund sind demnach die Unsicherheiten rund um die künftige Energiepreisentwicklung, wie der HDE am Montag mitteilte. Auch in den nächsten drei Monaten sei mit einer schwachen Konsumstimmung zu rechnen, hieß es. „Hinzu kommt, dass sich die eigenen Einkommenserwartungen im Vergleich zum Vormonat verschlechtern und somit weniger Spielraum für Konsumaktivitäten oder den Ausbau von Ersparnissen besteht.“

          Der HDE misst die Verbraucherstimmung auf Basis der Umfrage in Form eines Index-Werts im sogenannten Konsumbarometer. Dieser Wert ist Anfang August auf unter 87 gefallen und damit auf ein Allzeittief, wie der Verband weiter mitteilte.

          Weitere Themen

          Italien stellt den ESM infrage

          Euro-Krisenfonds : Italien stellt den ESM infrage

          Der altgediente Finanzfachmann Klaus Regling leitet geschäftsführend weiter den Euro-Krisenfonds ESM, weil sich der Streit um seine Nachfolge nicht lösen lässt. Es geht um weit mehr als eine Personalie.

          Topmeldungen

          Sein Ruhm strahlt weniger ab: Wirtschaftsminister Habeck am Dienstag in Berlin

          AKW-Streckbetrieb : Was ist nun bei den Grünen los?

          Zwei Atomkraftwerke im Süden werden wohl bis zum April 2023 laufen. Für die grünen Wahlkämpfer im Norden kann das eine Chance sein – abgeräumt ist das Thema noch nicht.
          Russische Rekruten steigen in Krasnodar in einen Bus.

          Russische Rekruten : Mit eigenem Schlafsack in den Krieg

          Während Präsident Putin an diesem Freitag Russlands neueste Anschlüsse feiert, trübt vor allem der Unmut über die Mobilmachung die Stimmung.
          Demonstration in Magdeburg

          Proteste gegen Energiepreise : Ostdeutscher Unmut

          Vor allem in Ostdeutschland wächst der Zorn über steigende Energiepreise und den Kurs der Regierung im Ukrainekrieg. Von dieser Stimmung profitiert wieder einmal eine bestimmte Partei.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.