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Umgangsrecht als Waffe : Kampf ums Kind

Klar geregelt wird im Rahmen der Scheidung auf Antrag auch, wie häufig der getrennt lebende Elternteil sein Kind im Monat sehen darf. Dafür gibt es keine Tabelle mit Empfehlungen. Falls sich die Eltern nicht von alleine einigen, entscheidet der Richter je nach Lebenssituation im Einzelfall. Recht häufig geht es so aus, dass das Kind jedes zweite Wochenende zum Vater kommt und zusätzlich noch an einem Nachmittag unter der Woche. „Von Schulschluss bis 19:15 Uhr“ steht dann minutengenau im Umgangsbeschluss des Richters.

Aber auch hier hapert es bisweilen an der Durchsetzung. Im Stadtteilladen in Moabit berichtet ein verzweifelter Vater vom letzten Treffen mit seinen Söhnen. Zum vereinbarten Übergabetermin sei seine Ex-Frau mit den Kindern runter auf die Straße gekommen. Dort soll sie ihre Söhne so lange angebrüllt haben, bis die nicht mehr zu ihrem Vater wollten. Der musste alleine abziehen.

Für den unbeteiligten Zuhörer ist es in diesen Fällen unmöglich, die Sicht der Frauen zu erfahren. Die Männer in der Selbsthilfegruppe wollen anonym bleiben und nennen nicht einmal ihren Nachnamen, geschweige denn die Kontaktdaten ihrer Ex-Frauen. Manchmal kennen sie diese auch nicht mehr.

„Natürlich kann man ungeheuer schikanieren“

Für Fälle, in denen ein Elternteil den Kontakt zum anderen bewusst vereitelt, hat sich der Gesetzgeber etwas einfallen lassen, das Schwert der Justitia soll ja nicht stumpf sein. Wer sein Kind trotz anderslautender Vereinbarung nicht zu sehen bekommt, kann beim Familiengericht einen „Antrag auf Umgang mit dem Kind“ stellen. Der Richter kann dann ein Ordnungsgeld verhängen, einen neutralen Umgangspfleger einsetzen und zur Not sogar Ordnungshaft gegen den allzu widerspenstigen Elternteil verhängen. „Aber das dauert natürlich, da gehen die Schriftsätze dann erstmal hin und her“, berichtet die Frankfurter Rechtsanwältin Elisabeth Koch aus dem Alltag vor den Familiengerichten. „Und natürlich kann man ungeheuer schikanieren und zum Beispiel einen Urlaub kaputt machen.“ Wenn der Papa Tickets für den Flug nach Griechenland gekauft hat, reichen dafür schon zwei Stunden Verspätung aus.

„Du bist immer in der schwächeren Position, wenn du etwas von jemandem willst“, gibt Koch zu bedenken. Das gelte für Geld, das jemand einem schuldig ist, genauso wie für den Umgang, den der Ex-Partner zulassen soll.

Selbstverständlich gibt es Zehntausende Paare, die sich über all das keine Gedanken machen müssen, weil sie sich über kurz oder lang gütlich einigen. Zumindest im Gerichtssaal aber erlebt Koch mehr Paare, die erbittert um das Umgangsrecht streiten, als friedliche Eltern. „Die Kinder werden vielfach ins Waffenarsenal geladen“, sagt die Familienrechtlerin und frühere Universitätsprofessorin. „Dabei müssen die Mütter gar nicht alle böswillig sein, sie denken oft tatsächlich, dass der Umgang mit ihrem Ex-Mann schlecht für ihr Kind ist.“

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