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Lieber Familie und Freizeit : Mehrheit der Studenten hat keine Lust mehr auf Karriere

Die Mehrheit will Sicherheit. Bild: dpa

Studenten denken um: Karriere steht für sie nicht mehr an erster Stelle, zeigt eine neue Umfrage. Der Grund dafür könnte aber wieder verschwinden.

          Abends ewig im Büro sitzen, nur damit man in ein paar Jahren vielleicht bei einer Beförderungsrunde belohnt wird? Immer weniger Studenten in Deutschland sehen darin einen Sinn. Nur noch 41 Prozent messen dem beruflichen Aufstieg eine hohe Bedeutung in ihrem Leben bei, geht aus einer am Sonntag veröffentlichten Umfrage der Unternehmensberatung EY unter rund 2.000 Studenten in 27 Universitätsstädten hervor. An erster Stelle steht demnach Zeit für die Familie (70 Prozent), gefolgt von Freunden (66 Prozent) sowie Freizeitaktivitäten und Sport (50 Prozent). Im Vergleich zur vorangegangenen Untersuchung vor zwei Jahren hat die Karrierefreude damit rapide abgenommen: Damals hatten noch 57 Prozent der Studenten berufliche Aufstiegsambitionen.

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Der Rückgang hängt nach Ansicht der Berater vor allem mit der guten wirtschaftlichen Lage in Deutschland zusammen. So gehen 92 Prozent der Studenten davon aus, im Anschluss an ihr Studium schnell eine Stelle zu finden. „Bei deutschen Studenten zeichnet sich immer deutlicher ein grundlegender Wertewandel ab“, sagt Oliver Simon, Leiter der Personalabteilung von EY und als solcher selbst regelmäßig mit solchen Bewerbern konfrontiert. „Die Studenten rechnen durchaus mit einem sicheren Job und einem auskömmlichen Gehalt, eine steile Karriere mit außergewöhnlichen Verdienstmöglichkeiten verliert jedoch immer weiter an Attraktivität.“ Simon spricht von einem „Gefühl der weitgehenden Sicherheit“, da rückten persönliche Interessen in den Vordergrund.

          Dabei fällt auf, dass auch die Männer – denen Karriere in früheren Umfragen wichtiger war als den Frauen – ihre Einstellung zum Leben überdenken. Aber auch der Aufstiegswille der Frauen ist nach jahrelanger Debatte über Quoten und andere Wege nach oben offenbar erlahmt. Unter den weiblichen Studenten sank der Anteil derer, für die der berufliche Aufstieg wichtig ist, von 52 auf 38 Prozent, unter den männlichen von 62 auf 45 Prozent. Das spiegelt sich in der Wahl der Studienfächer.

          Während sich vor zwei Jahren persönliche Interessen und gute Jobaussichten noch ungefähr die Waage hielten, stand jetzt für 63 Prozent der Studenten Ersteres im Vordergrund – sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen. „Vor zwei Jahren konnten wir noch eine eher klassische Rollenverteilung zwischen Studentinnen und Studenten beobachten, bei der die Männer eher auf Karriere setzten und die Frauen sich auf die Familie konzentrierten“, sagt EY-Mann Simon. „Inzwischen ist auch den Männern die Familie deutlich wichtiger als die Karriere.“ Dazu mag beitragen, dass das Bild der Jugend von der Arbeitswelt nicht das Beste ist. Nur rund jeder dritte Student erwartet, dass sich seine tatsächliche Arbeitszeit im Rahmen der üblichen Arbeitsverträge (35 bis 40 Stunden) bewegen wird. Die meisten rechnen mit deutlich mehr.

          Ein interessanter Nebenaspekt: Laut der Studie geben nur 27 Prozent der Studenten gesellschaftlichem Engagement in ihrem Leben eine große Bedeutung. Das widerspricht der Forderung von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) nach einem Rechtsanspruch beim Bundesfreiwilligendienst. Altmaier begründete seinen Vorstoß mit dem Argument, dass viele junge Leute den Wunsch verspürten, ein freiwilliges soziales Jahr zu leisten.

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