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Umfrage : Industrie will endlich die digitale Flagge zeigen

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Die Entscheidung über die Digitalisierung fällt nun an der Ladentheke Bild: dpa

Die Internationale Funkausstellung (IFA) 2001 stand ganz im Zeichen der Digitalisierung. Ob man allerdings von einem Durchbruch der neuen Technik sprechen kann, wird erst in den nächsten Monaten bei den Händlern entschieden werden. Eine FAZ.NET-Umfrage.

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          Die Internationale Funkausstellung (IFA) 2001 stand ganz im Zeichen der Digitalisierung. Ob man allerdings von einem Durchbruch der neuen Technik sprechen kann, wird erst in den nächsten Monaten bei den Händlern entschieden werden.

          Innovationen wurden zwar häufig angepriesen, meistens fehlen bislang aber einfach zu bedienende Geräte zu für den Verbraucher akzeptablen Preisen. Eine FAZ.NET-Umfrage zeigt, dass Programmanbieter kein Blatt vor den Mund nehmen und die Geräteindustrie auffordern, endlich Flagge zu zeigen und zu investieren. Diese Botschaft scheint angekommen zu sein, wie die Antworten von Firmensprechern zeigen.

          Ernst Elitz, Intendant des DeutschlandRadios Berlin.

          Das DeutschlandRadio würde von der digitalen Technik profitieren, da die teilweise sehr lückenhafte Versorgung in den Sendegebieten deutlich reduziert werden könnte.

          Ernst Elitz plädiert für das digitale Radio
          Ernst Elitz plädiert für das digitale Radio : Bild: DeutschlandRadio

          „Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten produzieren einen Großteil ihrer Programme schon digital und stellen eine breite Palette von digitalen Angeboten bereit. Mit Gebührengeldern, die die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs den ARD-Anstalten und den Landesmedienanstalten zur Verfügung gestellt hat, wurden digitale Verbreitungsnetze aufgebaut. Wenn sich die digitale Plattform DAB weiter verzögert, ist das auf die mangelnde Investitionsbereitschaft der Gerätehersteller zurückzuführen.“

          Peter Senger, Chef-Ingenieur der Deutschen Welle und Vorsitzender des weltweiten Konsortiums Digital Radio Mondiale.

          Das Konsortium entwickelt einen internationalen Standard für digitale Mittel- und Kurzwelle: Gerade großflächige Staaten wie Länder in Südamerika, Afrika oder Asien würden über eine qualitativ hochwertige Mittel- und Langwelle ihre Empfangspotenziale deutlich verbessern können.

          „Wir sind mit der Resonanz sehr zufrieden. Unsere Präsentation der digitalen Mittel- und Kurzwelle hat ein unglaubliches Echo gefunden. Zwar müssen wir den Markt bis 2003 noch vorbereiten, weil erst dann Endgeräte für den Verbraucher angeboten werden können, doch rechne ich mit einer viel leichteren Einführung des Systems als bei DAB. Dieses System ist vor 13 Jahren entwickelt worden, doch erst jetzt sind die Chips soweit, dass man sie auch in portable Geräte einbauen kann. Radiogeräte wie der Blaupunkt-Woodstock sind so ausgereift, dass sie auch für DRM nutzbar sind. Ab 2004 rechnen wir mit preiswerten Endgeräten um 100 Mark. Interessant ist auch, dass der kommerzielle Rundfunk ein hohes Interesse an dieser Technik hat. Hier lassen sich neue Frequenzen mit Spartenprogrammen belegen.“

          Clemens Krebs, Leiter Marketing und Kommunikation Blaupunkt.

          Blaupunkt wurde von vielen Programm-Machern für die neue Geräte-Serie gelobt, die digitale Techniken wie DAB und MP3 beherrscht und mit Gerätepreisen unter 1000 Mark auch erschwinglich macht.

          „Verglichen mit der IFA vor zwei Jahren konnten wir bei Blaupunkt einen erheblichen Besucherzuwachs feststellen, vor allem begründet durch das digitale Radiogeräteangebot. Ob das den Durchbruch bringt, muss die nächste Zukunft zeigen. Ich gehe davon aus, dass digitales Radio jetzt zu vermarkten ist. Es stehen erstmals Geräte zur Verfügung, bei denen der Verbraucher versteht, warum sie ihm einen Zusatznutzen bringen. Wenn ich vom Händlerinteresse und dem der Verbraucher ausgehe, kann es zu einem starken Frühjahrsgeschäft mit digitalen Endgeräten kommen.“

          Fritz Raff, Intendant Saarländischer Rundfunk und Vorsitzender der Kommission Rundfunk und Telekommunikation der ARD (RUTE).

          RUTE ist das Gremium, in dem die ARD-Anstalten die Einführung und Umsetzung neuer Techniken und Systeme abstimmen.

          „Einen Schub in Richtung Digitalisierung hat es dahingehend gegeben, dass immer mehr Menschen begreifen, dass beispielsweise die Digitalisierung beim Fernsehen nicht automatisch Pay-TV bedeutet. Wichtig ist jetzt, dass die Endgerätehersteller diesen Schub nutzen und endlich Geräte auf den Markt bringen, die man bezahlen und auch bedienen kann.“

          Udo Freialdenhofen, Unternehmenssprecher Sony Deutschland.

          Wie alle Elektronik-Hersteller hofft Sony auf neue, lukrative Märkte durch die Digital-Geräte. Ähnlich wie beim Krieg der Videosysteme scheint sich unter den Herstellern die Einsicht abzuzeichnen, dass nur von allen unterstütze Standards den Marktdurchbruch schaffen.

          „Wir freuen uns, dass unsere Orderziele um weit über 20 Prozent übertroffen wurden. Damit die neuen digitalen Technologien aber einen entscheidenden Schub bekommen, müssen wir Hersteller noch schneller werden.

          Es kann nicht sein, dass wir hier gemeinsam mit dem Thema MHP eine Nachfrage schaffen und Sony dann der einzige Hersteller ist, der ein MHP-Fernsehgerät im November auf den Markt bringt. Das ist alles andere als optimal. Wenigstens soviel ist klar: Proprietäre Systeme sind out, und die Zukunft gehört den offenen Standards. Was den Zeithorizont angeht, im Jahre 2015 würde analog abgeschaltet. Dazu fällt mir nur ein, dass bis vor kurzem noch gesagt wurde, ab 2010 würde nur noch digital gesendet und empfangen werden.“

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