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Umbrüche bei Siemens : Mitten in der Krise der Blick nach vorn

  • Aktualisiert am

Trotz der Skandale: Operative Steigerung Bild: dpa

Wichtige Entscheidungen kurz vor der Hauptversammlung: Siemens gliedert den Autozulieferer VDO aus und bringt ihn an die Börse. Zudem will Siemens die Softwarefirma UGS für 3,5 Milliarden Dollar kaufen.

          Wenige Stunden vor der mit Spannung erwarteten Siemens-Hauptversammlung in München hat die zuletzt heftig kritisierte Konzernführung zwei wichtige Entscheidungen bekannt gegeben. Zum einen will das Unternehmen den Autozulieferer Siemens VDO ausgliedern und an die Börse bringen. Zum anderen verkündete der Konzern in der Nacht zum Donnerstag den Kauf des amerikanischen Softwareherstellers UGS für insgesamt 3,5 Milliarden Dollar (2,7 Milliarden Euro) inklusive Schulden. Mit beiden Schritten will sich Siemens für die Zukunft rüsten.

          Siemens VDO Automotive ist nach eigenen Angaben ein weltweit führender Autozulieferer für Elektronik und Mechatronik. Das Unternehmen fertigt Produkte rund um Antrieb, Motorsteuerelektronik und Einspritztechnik. Zur Produktpalette gehören aber auch Audio- und Navigationssysteme, Instrumente oder Airbag-, ABS- und Zugangskontrollsysteme. VDO beschäftigt 53.000 Mitarbeiter und erzielt einen Umsatz von jährlich zehn Milliarden Euro.

          Behörden müssen den Kauf noch absegnen

          Mit der Übernahme von UGS will Siemens nach eigenen Worten sein Produktspektrum der Automatisierungstechnik um industrielle Software für Planung, Design und Simulation im Produktlebenszyklus-Management erweitern. Der Kauf muss noch von den zuständigen Behörden genehmigt werden. Verkäufer sind die drei Finanzinvestmentfirmen Bain Capital, Silver Lake Partners und Warburg Pincus.

          UGS erwirtschaftete laut Siemens im Geschäftsjahr 2005 knapp 1,2 Milliarden Dollar Umsatz und einen Betriebsgewinn vor Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 241 Millionen Dollar. Das Unternehmen mit Sitz in Texas ist einer der weltweiten Marktführer für Produktlebenszyklus-Management Software.

          Kartellstrafe belastet Quartalsgewinn

          Nach dem Siemens-Korruptionsskandal treffen sich am heutigen Donnerstag die Aktionäre zu der mit Spannung erwarteten Hauptversammlung des Konzerns. Vor allem Siemens-Chef Klaus Kleinfeld muss mit heftiger Kritik an der Arbeit seines Vorstands rechnen. Streitpunkte sind neben der Affäre um Schmiergeldzahlungen und schwarze Konzernkassen auch die Pleite der ehemaligen Siemens-Handysparte, BenQ, und die vom Aufsichtsrat beschlossene Erhöhung der Vorstandsgehälter um 30 Prozent.

          Trotz der vielen Skandale kann Siemens im ersten Quartal deutliche Steigerungen im operativen Geschäft vorweisen. Der Überschuss in den Monaten von Oktober bis Dezember wurde allerdings von der am Mittwoch verhängten EU-Kartellstrafe belastet.

          SBS schrieb wieder schwarze Zahlen

          Das Ergebnis der Bereiche sei verglichen mit dem Vorjahresquartal um mehr als 50 Prozent auf 1,63 Milliarden gestiegen, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Der Umsatz habe um sechs Prozent auf 19,1 Milliarden zugenommen. Vor allem die Medizintechnik und die Industrieautomatisierungssparte A&D legten erneut kräftig zu. Die Bereichsergebnisse der beiden Segmente seien je um ein Viertel gewachsen. Zudem schrieb die IT-Sparte SBS nach knapp drei verlustreichen Jahren wieder schwarze Zahlen.

          Siemens-Chef Klaus Kleinfeld erklärte, er gehe fest davon aus, dass alle zehn Bereiche bis zum zweiten Quartal ihre Margenziele erreichen werden. Im ersten Quartal verfehlten vier Segmente die vorgegebene Renditen zwischen vier und 13 Prozent.

          Das Nettoergebnis des Konzerns ging im Auftaktquartal des Geschäftsjahres 2005/06 allerdings um 16 Prozent auf 788 Millionen Euro zurück, wie Siemens mitteilte. Die Kartellstrafe belastete das Unternehmen mit 423 Millionen Euro.

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