https://www.faz.net/-gqe-9kiap

BMW und Daimler : Gemeinsam sind wir stark

Sieht in BMW auch einen Partner: Dieter Zetsche Bild: AP

BMW und Daimler präsentieren sich in Genf nicht nur wegen ihrer neuen Partnerschaft einmütig. Mit der Elektrifizierung stehen sie vor gleichen Aufgaben. Produktionsverlagerungen schließt BMW bei Zöllen nicht aus.

          Die beiden Autohersteller BMW und Daimler pflegen auf dem Autosalon in Genf seit Jahren eine direkte Nachbarschaft. Die Stände der beiden Unternehmen liegen gleich nebeneinander. Seit kurzem sind die Konzerne aus München und Stuttgart sich aber auch abseits der Schweizer Automesse nahegekommen.

          In den vergangenen zwei Wochen haben sie zum einen angekündigt, ihre Bemühungen auf dem Feld der Mobilitätsdienstleistungen, etwa das Carsharing oder der Mitfahrvermittlung, gemeinsam weiterentwickeln zu wollen. Zum anderen gibt es die Absichtserklärung, wonach BMW und Daimler auch die nächste Generation von Fahrerassistenzsystemen und die Zukunft des automatisierten Fahrens gemeinsam angehen wollen.

          Entsprechend gingen die beiden Vorstandsvorsitzenden während ihrer Produktpräsentationen am ersten Pressetag des Automobilsalons in Genf auch auf den jeweils anderen ein – ein ungewohntes Ereignis in der Autobranche, in der man sonst über die Konkurrenz am allerliebsten schweigt. Als ersten wichtigen Schritt hin zu sicheren autonomen Autos, bezeichnete der BMW-Vorstandsvorsitzende Harald Krüger das geplante Vorhaben der Konkurrenten. Daimler-Chef Dieter Zetsche sprach derweil von der „großen Familie“, die sein Unternehmen sei. Diese Familie habe mit BMW nun einen neuen Partner.

          Die Auftritte der Premiumhersteller auf dem Autosalon verdeutlichten, dass beide Unternehmen vor denselben Herausforderungen stehen. Das zeigen zum einen die Autos, die BMW und Daimler in Genf präsentieren. Der Münchner Konzern hat vier neue Plug-in-Hybride mitgebracht, darunter eine elektrifizierte Version des sportlichen Geländewagens X3, dessen Batterie für den zusätzlichen Elektroantrieb sich an der Steckdose laden lässt. Daimler bestreitet den Messeauftakt unter anderem mit einem Konzept des elektrisch angetriebenen Kleinbusses EQV. Der Van aus der hauseigenen EQ-Elektroauto-Familie soll relativ schnell auf die Straße kommen, eine serienreife Version soll schon auf der Internationalen Automobil-Ausstellung im September in Frankfurt stehen.

          Regulierung erhöht Entwicklungsdruck

          Der Antrieb hinter der Elektrisierung ist klar. Schon vom übernächsten Jahr an gelten in der Europäischen Union strenge Vorgaben für den Kohlendioxid-Ausstoß der neu zugelassenen Fahrzeugflotten. Im Schnitt dürfen sie dann noch 95 Gramm des Treibhausgases je Kilometer emittieren. Überschreiten die Hersteller diesen Wert, drohen Strafzahlungen, die sich schnell auf einen Millionenbetrag summieren könnten. Sowohl Daimler als auch BMW zeigten sich aber optimistisch, das CO2-Ziel zu schaffen.

          „Wir glauben, dass wir das 95-Gramm-Ziel erreichen können“, sagte der Daimler-Chef Zetsche. Allerdings komme es darauf an, ob auch die Kunden mitziehen und genügend Elektroautos kaufen. Zudem ist das Jahr 2021 lediglich ein Zwischenschritt, denn schon neun Jahre später müssen die Autohersteller den Kohlendioxidausstoß ihrer Flotten noch einmal um weitere 37,5 Prozent reduzieren. Das sei eine „dramatische Herausforderung“, sagte BMW-Chef Krüger.

          Zölle könnten zu Standortentscheidungen führen

          Auch andere Schwierigkeiten beeinflussen das Geschäft der beiden Autohersteller derzeit. Beide sind weiter bedroht von möglichen Einfuhrzöllen der Vereinigten Staaten auf Autos, die aus Europa importiert werden. Ebenfalls noch nicht abgewendet ist eine Verschärfung des Handelsstreits zwischen China und den Vereinigten Staaten. Sollten tatsächlich weitere Handelshürden kommen, würde BMW wohl mit einer Produktionsverlagerung reagieren, sagte Krüger.

          BMW sei in Amerika in einer besseren Position als andere und könnte in seinem Werk in Spartanburg mehr sportliche Geländewagen für den dortigen Markt produzieren, statt sie zu importieren. Der Plan sei schon jetzt, das Werk in diesem und im nächsten Jahr mit einer Produktion von mehr als 400.000 Fahrzeugen auszulasten. Daimler-Chef Zetsche hofft wie auch Krüger, dass sich doch noch eine Vereinbarung in den Gesprächen zwischen der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten erzielen lässt und erinnerte daran, dass sein Unternehmen rund 26.000 Mitarbeiter Amerika beschäftige.

          Auch was den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union betrifft, zeigten sich die Vorstandsvorsitzenden von Daimler und BMW einmütig. Beide Unternehmen hätten Vorkehrungen getroffen, um den Brexit je nach Ausgang abzufedern.

          Die derzeitige Unklarheit vergrößere aber die Unsicherheit und das verhindere Zukunftsinvestitionen, sagte BMW-Chef Krüger. Zetsche äußerte für Daimler die Hoffnung, dass sich das schlimmste Szenario noch vermeiden lasse. Alles in allem hingen einige Wolken über der Autobranche, sagte Zetsche. Aber ein großes Gewitter sei nicht in Sicht.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Die Kandidatenpaare Olaf Scholz mit Klara Geywitz und Nina Scheer mit Karl Lauterbach auf der Bühne bei der Regionalkonferenz in Hamburg.

          SPD-Regionalkonferenz Hamburg : Moin, Moin

          Die Kandidatentour der SPD ist in Hamburg angekommen – der Heimat des Favoriten Olaf Scholz. Aber ist es deshalb auch ein Heimspiel?
          Björn Höcke beim Wahlkampfauftakt der AfD Thüringen

          AfD-Wahlkampf in Thüringen : „Extrem bürgerlich“

          Beim Wahlkampfauftakt der Thüringer AfD in Arnstadt versucht die Partei, sich ein bürgerlich-konservatives Image zu geben. Doch vor allem die Aussagen eines Redners lassen daran Zweifel aufkommen – und es ist nicht Björn Höcke.

          Hoeneß versus ter Stegen : Abteilung Torwartverteidiger

          Das Schauspiel um die deutschen Torhüter geht weiter: Uli Hoeneß macht sich in einem Fernsehinterview die Welt, wie sie ihm für Bayern-Torwart Manuel Neuer gefällt. Er fordert unter anderem von süddeutschen Medien mehr Rückhalt und droht dem DFB.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.