https://www.faz.net/-gqe-78ncf

Uli Hoeneß : Keine Rückendeckung von Sponsoren

Uli Hoeneß auf der Tribüne Bild: dpa

Nach seiner Selbstanzeige erhält der Bayern-Präsident nach Informationen der F.A.Z. keine Rückendeckung von Adidas, Audi und Volkswagen. Ein Mitglied der Regierungskommission Deutscher Governance Kodex legt Hoeneß sogar den geordneten Rückzug nahe.

          2 Min.

          In den Festspielwochen des FC Bayern München war der Dienstag ein besonderes Ereignis. In der europäischen Eliteliga fegten die Bayern den FC Barcelona aus dem Stadion, vier Tore duften die Bayern-Fans bejubeln. Nach jedem Treffer richtete der Fernsehsender „Sky“ eine Kamera auf Uli Hoeneß. Der Fußballpräsident saß wie immer mit rot-weißem Fanschal auf seinem Stammplatz auf der Ehrentribüne - und freute sich wie in alten Zeiten, als er noch nicht als Steuersünder mit einem Haftbefehl konfrontiert war, der nur gegen eine hohe Geldsumme außer Vollzug gesetzt worden ist.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Die Jubelposen in der Allianz-Arena kommen häufig vor in dieser Ausnahmesaison von Deutschlands erfolgreichstem Fußballklub. Häufig zu sehen sind prominente Vertreter aus der deutschen Wirtschaft. Zu den Dauergästen auf der Ehrentribüne zählen Herbert Hainer, Rupert Stadler und Martin Winterkorn. Die drei Manager führen die Unternehmen Adidas, Audi und Volkswagen. Sie sind nicht nur große Fußballfans, sondern auch geschäftlich eng mit dem FC Bayern verbunden.

          Adidas-Chef Herbert Hainer sitzt im Aufsichtsrat der Bayern: Sein Unternehmen ist mit 9,1 Prozent an der FC Bayern München AG beteiligt .

          Adidas ist Ausrüster der Mannschaft und nach einem stattlichen Millioneneinsatz mit 9,1 Prozent an der FC Bayern München AG beteiligt, ebenso wie die VW-Tochtergesellschaft Audi, die den Fußballstars die Nobelkarossen mit den vier Ringen zur Verfügung stellt. Hainer, Stadler und Winterkorn waren zwar live dabei. Ihre Plätze lagen diesmal aber außerhalb des Kameraausschnitts. Es wird ihnen nur recht gewesen sein. Gemeinsame Jubelposen mit Hoeneß sind in diesen Tage nicht das, was PR-Fachleute empfehlen. Schon gar nicht, wenn man - wie Hainer, Stadler und Winterkorn - im Aufsichtsrat von Bayern München sitzt. Die drei und alle übrigen Mitglieder im neunköpfigen Kontrollgremium müssen Hoeneß’ Verhalten darauf hin bewerten, ob er als ihr Aufsichtsratsvorsitzender noch tragbar ist. Vielleicht kommt es darüber schon in der nächsten Aufsichtsratssitzung, die nach der bisherigen Planung am Montagabend stattfinden soll, zu einer Entscheidung.

          „Wir kommentieren das nicht“, sagte ein Sprecher von Audi. „Es betrifft den FC Bayern München, nicht uns“, sagte ein Sprecher von Adidas. Ein klares Bekenntnis zu Hoeneß und seiner Position als Chefkontrolleur gab im Sponsorenkreis auf Anfrage niemand ab.

          Christian Strenger, der zu den bekanntesten Fachleuten in Fragen guter Unternehmensführung (Corporate Governance) zählt und Mitglied der Regierungskommission Deutscher Governance Kodex ist, legt Hoeneß den geordneten Rückzug nah. „Solange die Sache nicht endgültig geklärt ist, wäre es wichtig und richtig, das Amt ruhen zu lassen. Mit Blick auf die Wirkung auf den Fußball im Allgemeinen und Bayern München im Besonderen wäre es allerdings besser, wenn er sein Amt niederlegte. Schließlich hat er ja zugegeben, Steuern hinterzogen zu haben“, sagte Strenger gegenüber dieser Zeitung. Winterkorn und Hainer müssten sich genau überlegen, ob sie bei Bayern München andere Regeln gelten lassen wollten, als jene, die es in ihren Unternehmen gebe. Dann müssten sie aber auch den daraus möglicherweise folgenden Imageschaden hinnehmen.

          In einer Rede vor 3900 Führungskräften hatte Winterkorn im März 2012 betont, dass es beim Thema Compliance zum Schutz der Reputation des Unternehmens keinerlei Toleranz gebe. Kernwerte wie Integrität und Fairness würden von der Unternehmensführung ausdrücklich gefordert, schreibt VW in seinem Geschäftsbericht. Aus VW-Kreisen verlautete, dass sich Winterkorn mit dem Thema Hoeneß beschäftigen werde. „In dieser Sache geht keiner zur Tagesordnung über“, hieß es. Und möglicherweise werden die bayerischen Kalamitäten den VW-Chef an diesem Donnerstag in Hannover einholen. Dort muss Winterkorn in der Hauptversammlung vor die VW-Aktionäre treten. Und auch die könnten wissen wollen, wie sich die Steueraffäre des Bayern-Präsidenten auf das Image des Sponsors auswirkt.

          Weitere Themen

          Marsaleks Geheimkontakte

          Verbindungen zur FPÖ? : Marsaleks Geheimkontakte

          Seit gut zwei Wochen ist der frühere Wirecard-Manager auf der Flucht. Nun werden neue Details über Jan Marsalek bekannt: Er soll Kontakte in die österreichische Geheimdienstszene haben und könnte in die „Ibiza-Affäre“ verstrickt sein.

          Topmeldungen

          Hochwasserschutz in Venedig : Mose gegen das Meer

          Sie hat sechs Milliarden Euro verschlungen und war Teil eines monumentalen Korruptionsskandals: Die riesige Anlage mit dem Namen des Propheten soll Venedigs Altstadt vor den Fluten schützen und ist so gut wie fertig. Dass sie auch funktioniert, bezweifeln aber viele.
          Frei, aber nicht begnadigt: Roger Stone.

          Mehrjährige Haftstrafe : Trump bewahrt Ex-Berater vor dem Gefängnis

          Der Ex-Wahlkampfberater Roger Stone wurde im Zuge der Russland-Affäre zu über drei Jahren Haft verurteilt. Nun ist er ein „freier Mann“ - dank seines langjährigen Freundes Donald Trump. vor dem Gefängnis= Washington, 11. Jul (Reuters) - US-Präsident Donald Trump bewahrt seinen zu einer ...

          Bidens Wirtschaftspolitik : Mit Trump-Rhetorik gegen Trump

          Präsidentschaftskandidat Biden skizziert sein Wirtschaftsprogramm: Wie sein Rivale will er mit Protektionismus begeistern – und er verschärft seinen Anti-Wall-Street-Populismus.
          Jan Marsalek: Von dem Ex-Wirecard-Manager fehlt jede Spur.

          Verbindungen zur FPÖ? : Marsaleks Geheimkontakte

          Seit gut zwei Wochen ist der frühere Wirecard-Manager auf der Flucht. Nun werden neue Details über Jan Marsalek bekannt: Er soll Kontakte in die österreichische Geheimdienstszene haben und könnte in die „Ibiza-Affäre“ verstrickt sein.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.