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Bundesweite Razzia : Ukrainische Praktikanten für die Fleischfabriken

Schweinehälften werden einer Großfleischerei verarbeitet. Bild: dpa

Eine Großrazzia bei mehreren Zeitarbeitsunternehmen bringt eine neue Masche für die Ausbeutung in der Fleischindustrie ans Licht. Der F.A.Z. sind drei der im Verdacht stehenden Unternehmen bekannt.

          3 Min.

          In Garbsen nahe der niedersächsischen Hauptstand Hannover ist die Bundespolizei am Mittwoch mit Mannschaftswagen am Rathausplatz angerückt. Anlass war eine bundesweite Razzia an mehreren Standorten zweier Zeitarbeitsunternehmen, die illegal Arbeitskräfte aus Osteuropa für die deutsche Fleischindustrie ins Land geschleust haben sollen.

          Corinna Budras
          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.
          Christian Müßgens
          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.
          Jessica von Blazekovic
          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Nach F.A.Z.-Informationen durchsuchte die Polizei in Garbsen die Geschäftsräume einer Gesellschaft namens Certus Personalbereitschaft, die laut Unternehmensregister erst im Dezember vergangenen Jahres an den Standort umgezogen war. In Bassum südlich von Bremen wurden Räume des Unternehmens ICR durchsucht, in Twist nahe der niederländischen Grenze eine Gesellschaft namens Berkana.

          Wie aus informierten Kreisen verlautet, sehen die Ermittler die Unternehmen als Teil eines „Firmenkonstrukts“, das Beschäftigte illegal in Unternehmen der Fleischindustrie einsetzt. In welchen Betrieben die Mitarbeiter tätig waren, wurde zunächst nicht bekannt, ebenso wenig der Name des zweiten in Verdacht stehenden Unternehmens. 

          In Twist sitzt das Unternehmen NWT, das auf rund 6000 Quadratmetern Fleisch- und Fleischerzeugnisse für den nationalen und den internationalen Markt bearbeitet, verarbeitet und verpackt. NWT hatte am Mittwoch nach eigenen Angaben keinen Besuch von den Ermittlern bekommen. Die Fleischwirtschaft hat in Niedersachsen eine große wirtschaftliche Bedeutung. Vor allem in den Landkreisen Emsland und Cloppenburg sitzen viele Unternehmen, die Schweine schlachten und zerlegen. Die Geflügelverarbeitung konzentriert sich auf Vechta und den Landkreis Oldenburg.

          Illegale Arbeitskräfte vermittelt

          Nicht nur in Garbsen schlug die Polizei auf. Auch in Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Berlin durchsuchten am Mittwoch rund 800 Beamte der Bundespolizei Wohn- und Geschäftshäuser der verdächtigten Unternehmen. Ein Schwerpunkt der Polizeiaktion lag auch auf der Stadt Weißenfels in Sachsen-Anhalt.

          Der größte deutsche Fleischkonzern Tönnies betreibt dort einen Zerlegebetrieb mit etwa 2200 Mitarbeitern. Wie der Leiter der zuständigen Staatsanwaltschaft Naumburg auf Anfrage der F.A.Z. mitteilte, haben die im Verdacht stehenden Zeitarbeitsunternehmen illegale Arbeitskräfte an die Tönnies-Niederlassung vermittelt: „Wir gehen davon aus, dass ein guter Teil der Belegschaft des Zerlegebetriebes einer nähere Überprüfung nicht standhalten wird“, sagte Hans-Jürgen Neufang. Er betonte aber, dass sich die Ermittlungen nicht gegen die Fleischbetriebe richten.

          Tönnies selbst teilte mit, dass es bislang weder in dem Zerlegebetrieb in Weißenfels noch an anderen Standorten des Unternehmens Durchsuchungen gegeben habe. „Wir haben keine Informationen, ob und wenn ja, in welchem Maße Dienstleistungsunternehmen, mit denen wir zusammen arbeiten, von den Durchsuchungen betroffen sind“, sagte ein Sprecher dieser Zeitung.

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