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Streit um Gas : Vorbereitungen auf den Ernstfall

Mit chinesischer Hilfe erschließen ukrainische Unternehmen eigene Gasquellen im Land. Bild: Bloomberg

Ende dieses Jahres läuft der Vertrag über den Transit von russischem Gas durch die Ukraine aus. Jetzt verhandeln beide Seiten wieder. Kiew und die EU streben einen Vertrag nach EU-Regeln an. Es droht ein Lieferstopp.

          4 Min.

          In diesen Tagen werden in Russland und der Ukraine Erinnerungen an einen dramatischen Winter wach: Um den Jahreswechsel von 2008 auf 2009 eskalierte der „Gaskrieg“ zwischen beiden Ländern. Kiew und Moskau konnten sich nicht auf neue Verträge für die Belieferung mit russischem Gas und dessen Transit Richtung Westeuropa einigen, und Russland unterbrach für fast zwei Wochen die Gaslieferungen durch die Ukraine. In mehreren osteuropäischen Ländern kam es zu Problemen mit der Energieversorgung, wie schon im Januar 2006, als Russland ebenfalls die Lieferungen eingestellt hatte.

          Gerhard Gnauck

          Politischer Korrespondent für Polen, die Ukraine, Estland, Lettland und Litauen mit Sitz in Warschau.

          Katharina Wagner

          Wirtschaftskorrespondentin für Russland und die GUS mit Sitz in Moskau.

          Ende Januar 2009 einigten sich die damaligen Ministerpräsidenten Wladimir Putin und Julija Timoschenko doch auf einen Vertrag. Dessen Bedingungen wurden allerdings schon vor Beginn des Konflikts durch die russische Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim 2014 nicht eingehalten, da Gaspreis, Transit- und Liefervolumen zu hoch angesetzt waren. Erst 2014 riefen beide Seiten aber das im Vertrag bestimmte internationale Schiedsgericht in Stockholm an und forderten jeweils Schadenersatz. Seit 2015 bezieht Kiew kein Gas mehr direkt aus Russland für den Eigenverbrauch, aber der Transit läuft weiter: Nach Angaben des Chefs des staatlichen ukrainischen Gaskonzerns Naftogas, Andrej Kobolew, bringt er Kiew im Jahr fast 3 Milliarden Dollar ein. Zum 31. Dezember läuft der 2009 geschlossene Vertrag aus, und wieder ist unklar, was danach passiert – obwohl beide Länder seit Juli 2018 unter Vermittlung der EU-Kommission miteinander verhandeln.

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