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Weltweiter Datenverkehr : Russland wird nicht aus dem Internet geworfen

Ein Serverschrank mit Netzwerkkabeln Bild: dpa

Kiew fragte bei der zuständigen Organisation nach der Möglichkeit, Russland aus dem Netz zu schmeißen. Nun kam die Antwort – und Moskau plant schon weiter.

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          Russland wird nicht aus dem Internet geworfen. Das entschied die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (Icann). In einem offenen Antwort-Brief an den Vize-Ministerpräsidenten der Ukraine, Mychajlo Fedorow, schreibt Icann-Präsident Göran Marby, seine Organisation wurde geschaffen, um den Betrieb des Internets abzusichern. Nun den Betrieb des Netzes in Teilen gezielt zu unterbrechen, würde dieser Rolle zuwiderlaufen und das Mandat von Icann übersteigen.

          Stephan Finsterbusch
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Icann sei sich gemeinsam mit der gesamten internationale Gemeinschaft bewusst, welcher Schrecken der Ukraine derzeit angetan werde. Aber es sei eine unabhängige technische Organisation, die sich solidarisch zeige, aber zur Neutralität verpflichtet sei. Sie sei eine der tragenden Säule des Datenverkehrs in den weltweiten Netzen und habe keine koordinierende, sondern eine funktionale Rolle. Sie müsse unabhängig von politischen Entwicklungen den stabilen und sicheren Austausch von Daten global garantieren.

          Keine Befugnisse

          Nach der Invasion der Ukraine durch russische Truppen hatte Fedorow Ende Februar bei der Icann anfragen lassen, ob Russlands Zugang zum Internet geblockt werden könnte. Dazu sollten spezifische Landescodes wie die Adresszone .ru in der globalen Internetinfrastruktur gesperrt, die ausgereichten Zertifikate wieder einkassiert und sogenannte Rootserver in Russland stillgelegt werden. In seinem Brief machte Marby klar, dass das technisch ohne weiteres nicht möglich sei. „Das Internet ist ein dezentrales System. Kein Akteur hat die Fähigkeit es zu kontrollieren oder abschalten.“

          Das deutsche Internetmedium „Heise-Online“ hatte zuerst von dem offenen Brief des Präsidenten von Icann berichtet. Darin schreibt Marby, Icann habe als zivilrechtliche Non-Profit-Organisation keinerlei staatliche Befugnisse. Die Zusammenarbeit mit anderen Organisationen, etwa für die Registrierungen und Zuweisungen, werden über private Netzbetreiber und zivilrechtliche Verträge geregelt. Dafür sei Icann im Jahr 1998 gegründet worden. Die Gesellschaft hat ihren Hauptsitz in Los Angeles und ist als Organisation in Kalifornien registriert.

          Moskau folgt Peking

          Damit das Internet funktioniert, müssen im globalen Netz bestimmte Namen und Adressen einmalig vergeben sein. Diese Vergaben und Zuweisungen gehören zu den wichtigsten Aufgaben der Icann. Darüber hinaus hat auch die ebenfalls in den USA angesiedelte Internet Society, eine in den USA und der Schweiz angesiedelte Nichtregierungsorganisation, die für den Bestand und die Weiterentwicklung des Internet mit zuständig ist, darauf verwiesen, dass jeder, der einen Zugang hat, das Netz der Netze auch nutzen können muss – ob nun Angreifer oder Opfer.

          China allerdings hat sich schon in den frühen 2000er Jahren daran gemacht, aus diesen Allianzen teilweise auszuscheren und eine Art eigenes Internet aufzubauen. Russland schlug nach der Invasion der Krim im Jahr 2014 den gleichen Weg ein, will der Kreml doch netzwerktechnisch einen ähnlichen Weg beschreiten wie Peking. Chinas Regime kann über spezielle Filtersysteme den Datenverkehr mit dem Ausland kontrollieren sowie Inhalte innerhalb seiner Landesgrenzen zensieren und gezielt manipulieren.

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