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Versorgung im Krieg : Die Ukraine ist jetzt mit dem europäischen Stromnetz verbunden

Relativ sicherer Fluchtweg: Züge im Bahnhof von Kiew Bild: EPA

Geplant war der Anschluss erst später. Doch der russische Überfall führt nun zu einer schnelleren Absicherung des ukrainischen Stromnetzes durch den Westen. Ganz ungefährlich ist das für Europa nicht.

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          Die Stromnetze der Ukraine und der Republik Moldau sind jetzt mit dem kontinentaleuropäischen Leitungssystem verbunden. Das teilte EU-Energiekommissarin Kadri Simson am Mittwoch mit. Die Verbindung soll die Stromversorgung in den beiden Ländern stabilisieren und plötzliche Blackouts verhindern. In der umkämpften Ukraine fällt der Strom in ganzen Landstrichen immer wieder aus, mache Städte müssen weitgehend ohne Elektrizität auskommen.

          Andreas Mihm
          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel-, Südosteuropa und die Türkei mit Sitz in Wien.

          Die EU werde die Ukraine weiterhin im Energiebereich unterstützen, etwa durch Gasflüsse in das Land und dringend benötigte Energielieferungen, erklärte Simson. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen begrüßte den Schritt zu einem vereinheitlichten Stromnetz und schrieb auf Twitter: „Ukraine, Moldau und Europa: Gemeinsame Werte, gemeinsame Elektrizität und Solidarität.“

          Wenige Stunden vor dem russischen Überfall hatte die Ukraine sich für einen lange angekündigten Test von dem russischen und belarussischen Stromnetz abgekoppelt. Die europäischen Netzbetreiber hatten zwei Testläufe verlangt, er zweite sollte im Sommer stattfinden. Damit sollten die Ukraine und die stromtechnisch mit ihr verbundene Republik Moldau zeigen, dass sie ihre Stromversorgung mehrere Tage lang auch allein aufrechterhalten könnten. Das war der Ukraine im Krieg gelungen, als die Stromnachfrage plötzlich sehr stark sank.

          Verbindungen zu Russland und Belarus gekappt

          Allerdings kündigte die Regierung in Kiew vier Tage nach Kriegsbeginn an, sich nicht wieder an das Stromnetz in Russland und Belarus anzukoppeln. Sie konnte sich dabei der Unterstützung Amerikas sicher sein, das schon länger auf einen festen Anschluss der Ukraine an das europäische Netz drängt. Aus Russland hatte das Land schon länger keine Elektrizität mehr bezogen, aus Belarus bis zuletzt allerdings noch – nicht zuletzt, um die heimischen Kohlereserven zu schonen. Jetzt kappte Kiew auch das Sicherheitsnetz mit den vormaligen Verbündeten aus Sowjetzeiten.

          Kiew hatte allerdings sofort in Brüssel einen Notfallanschluss an das kontinentaleuropäische Netz erbeten. Die EU-Kommission hatte daraufhin die in der Vereinigung Entso-e verbunden Stromnetzbetreiber aufgefordert, dies zu gewährleisten. Die baten sich eine Übergangsfrist von 14 Tagen aus nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass Russland bis dahin das Land überrollt haben und die Anfrage damit obsolet werden könnte – was nicht geschah.

          Noch Anfang Februar hatte Entso-e aber auch mitgeteilt, die auf Basis vor Jahren getroffener Abkommen Ende 2021 abgeschlossenen Studien hätten gezeigt, „dass zusätzliche Maßnahmen erforderlich sind, um die Stabilität des Verbundnetzes zu gewährleisten. Diese Maßnahmen werden in die in den Abkommen enthaltenen Maßnahmenkataloge aufgenommen“.

          „Probeweise Synchronisierung der Netze beginnt“

          Am Mittwochnachmittag teilte Entso-e nun mit, „nach einem dringenden Ersuchen von Ukrenergo und Moldawien um eine Notfallsynchronisierung haben die ÜNB Kontinentaleuropas vereinbart, am 16. März 2022 mit der probeweisen Synchronisierung des kontinentaleuropäischen Stromsystems mit den Stromsystemen der Ukraine und Moldawiens zu beginnen“. Diese Beschleunigung des seit dem Jahr 2017 laufenden Synchronisierungsprojekts sei Dank der zuvor durchgeführten Studien und der Annahme von Maßnahmen zur Risikominderung möglich geworden.

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