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Uhrenhersteller : Swatch entkommt teilweise Lieferzwang

  • -Aktualisiert am

Swatch verdient mit Luxusmarken wie Omega viel Geld, muss aber auch Teile an Wettbewerber liefern. Bild: dpa

Der Schweizer Uhrenhersteller wurde einst wegen seiner starken Marktstellung dazu verpflichtet, auch an Konkurrenten Teile für mechanische Uhrwerke zu liefern. Jetzt wird Swatch die ungeliebte Pflicht teilweise los.

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          Der Uhrenkonzern Swatch darf die Belieferung von Konkurrenten mit Uhrwerken schrittweise zurückfahren. Der Einigung der Swatch Group AG mit der Wettbewerbskommission war ein längeres Tauziehen in diesem Jahr vorausgegangen. Die Genehmigung orientiert sich an den Verkaufsmengen mechanischer Uhrwerke aus dem Hause Swatch im Durchschnitt der Jahre 2009 bis 2011.

          Der größte Uhrenhersteller der Welt darf diese nun in den Jahren 2014 und 2015 auf 75 Prozent dieser Verkäufe vermindern. Als weitere Etappen sind danach 65 Prozent für 2016/17 und 55 Prozent für 2018/19 vorgesehen. Swatch muss dabei alle Kunden gleich behandeln. Zusätzlich wurde eine Klausel für kleine und mittlere Hersteller vereinbart, mit der Härtefalle vermieden werden sollen. Bei Schlüsselkomponenten für Uhrwerke wie zum Beispiel Unruhspiralen, den sogenannten Assortiments, müssen die Liefermengen beibehalten werden. Angesichts der Marktverhältnisse und der unsicheren Aussichten komme hier eine Lockerung zu früh, befindet die Wettbewerbskommission, die den Lieferzwang einst wegen der überragenden Marktstellung von Swatch erhoben hatte.

          Glashütte: Teil von Swatch

          Swatch mit einem Jahresumsatz von zuletzt 7,8 Milliarden Franken (6,3 Milliarden Euro) beklagt schon lange die umfangreiche Lieferpflicht an Konkurrenten. Zuletzt sagte Vorstandsvorsitzender Nick Hayek gegenüber der „Finanz und Wirtschaft“ im Mai, „es gibt Unternehmen, die ziehen es vor, ausschließlich in Marketing und Distribution zu investieren und wenig bis nichts in die industrielle Basis.“

          In einem Seitenhieb auf den mächtigen Konkurrenten LVMH, dem zum Beispiel die Uhrenmarken TAG Heuer und Hublot gehören, fuhr Hayek fort: „Wer fast 5 Milliarden Euro für Bulgari ausgibt, kann auch ein paar Hundert Millionen in Schweizer Produktionsstätten investieren“.

          Die Schweiz dominiert den Weltmarkt mit dem Angebot teurer mechanischer Zeitmesser. Auch Swatch verdient mit Luxusmarken wie Omega und Breguet viel Geld. Die Produktionskapazitäten in der Schweiz sind seit Jahren voll ausgelastet. Umso mehr ärgert sich Hayek über den Belieferungszwang. Neben den Assortiments des Beinahe-Monopolisten Nivarox aus dem Konzern stattet die Swatch-Tochtergesellschaft ETA derzeit noch rund 70 Prozent aller Uhren in der Schweiz mit dem Innenleben aus. Dazu gehören die meisten kleineren Anbieter, aber auch zum Teil die großen Konkurrenten LVMH, Richemont und Rolex. Sie fahren ihre Bezüge indes seit einiger Zeit zurück.

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