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Ufo-Chef Nicoley Baublies : Der Streit-Fachmann

Nicoley Baublies Bild: Helmut Fricke

Nach neuerlichem Scheitern einer Schlichtung zwischen Ufo und Lufthansa, erwägt die Kabinengewerkschaft einen unbefristeten Streik. Welche Rolle spielt dabei der ehemalige Ufo-Chef Nicoley Baublies?

          4 Min.

          „Streiten will gelernt sein“, verkündet Nicoley Baublies auf seiner Internetseite. Dort bietet sich der langjährige Chef der Flugbegleitergewerkschaft Ufo und heutige Berater des Ufo-Restvorstands als Kommunikations- und Verhandlungstrainer an. 15 Jahre nachdem er als Flugbegleiter bei der Lufthansa anheuerte, hat er demnach eine neue, zusätzliche Aufgabe. Es sei seine tiefe Überzeugung, dass Konflikte immer lösbar sind. Ob das auch für seine Auseinandersetzungen mit Lufthansa gilt, ist offen. Für die Befriedung dieses und anderer Konflikte hat der 47 Jahre alte Baublies nach eigenen Angaben eine Ausbildung zum systemischen Coach absolviert.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nach dem neuerlichen Scheitern einer Schlichtung erwägt die Kabinengewerkschaft Ufo einen unbefristeten Streik der Flugbegleiter im Lufthansa-Konzern. Man werde zunächst noch einmal versuchen, die Tarifziele auf dem klassischen Verhandlungswege durchzusetzen, kündigte Baublies am Freitag an. Sollte dies scheitern, bleibe nur der Arbeitskampf. Da einzelne Streiktage bislang nichts bewirkt hätten, müsse dann mit „deutlich ausgeweiteten Maßnahmen“ Druck erzeugt werden. Die Gewerkschaft unterliegt noch bis zum 2. Februar einer Friedenspflicht zu den bereits bestreikten Forderungen.

          Grundlage dafür ist ein 2016 geschlossener Tarifvertrag zur Konfliktlösung. Am Donnerstag war der insgesamt dritte Versuch gescheitert, in dem festgefahrenen Tarifkonflikt in die Schlichtung mit zusätzlicher Mediation zu tariffremden Fragen einzusteigen. Die Ufo habe die von Lufthansa für das gesamte Verfahren verlangte Friedenspflicht nicht akzeptieren können, erläuterte Baublies. Einen weiteren Anbahnungsversuch der Schlichter Matthias Platzeck (SPD) und dem früheren Arbeitsagenturchef Frank-Jürgen Weise könne es unter gleichen Voraussetzungen nicht mehr geben.

          Großer Stratege

          Allein die Tatsache, dass Baublies als Ufo-Vertreter in dem Konflikt noch eine tragende Rolle spielt, ist bemerkenswert. Zweimal ist er als Vorsitzender der Spartengewerkschaft abgetreten. Einmal kehrte er nach einer Phase als einfaches Vorstandsmitglied an die Spitze zurück, zuletzt wurde er als Berater engagiert. Die Frage ist, ob der Dauerkonflikt ihn nicht loslässt, oder ob er bislang nicht loslassen kann.

          Jedenfalls gilt er weiter als Stratege von Ufo, Gesicht der Gewerkschaft ist er sowieso. Neben ihm taucht Vorstandsmitglied Daniel Flohr auf, die amtierende Vorsitzende Sylvia de la Cruz ist nach außen kaum wahrzunehmen. Daher reifen Spekulationen, Baublies könnte im Februar zum dritten Mal auf den Chefposten streben, wenn Ufo mit Vorstandswahlen einen Schlussstrich unter gewerkschaftsinterne Querelen ziehen will. Er selbst hat im Herbst bekundet, zumindest aktuell keine Kandidatur anzustreben. Kategorisch ausgeschlossen ist aber nichts.

          Was Baublies auf seiner Internetseite schreibt, liest sich wie die Kurzversion einer langen Konfliktgeschichte. „Oft geraten in Auseinandersetzungen die Sachfragen, die Tarifvertragsinhalte, die Mitbestimmungstatbestände in den Hintergrund und emotionalisierte Konflikte entstehen“, heißt es dort. Das dürfte in seinem Fall gleich doppelt zutreffen – auf den Streit zwischen Ufo und Lufthansa und auf den Ufo-internen Lagerkampf.

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