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„Fight Island“ der UFC : Käfigkämpfe auf der Insel

Hart: Marvin Vettori (links) schlägt hier Karl Roberson Bild: USA TODAY Sports

Geschlossene Stadien, abgesagte Spiele, Milliardenverluste: Sportliche Großereignisse sind in Amerika derzeit kaum möglich. Der Kampfsportveranstalter UFC sucht einen Ausweg – und mietet dafür gleich eine ganze Insel.

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          Man stelle sich folgendes Szenario vor: Ein Virus hält Amerika fest im Griff, die großen Sportligen zittern um ihre Zukunft, und auf einer gemieteten Insel will ein reicher Unternehmer Kämpfe in einer umzäunten Arena abhalten. Was sich zunächst wie der Pitch für einen mittelmäßigen Actionfilm anhört, entpuppt sich als eine sehr reale und waghalsige Geschäftsidee. Das Projekt „Fight Island“ bleibt nicht ohne Kontroversen.

          Diese beginnen bereits bei dem Veranstalter selbst: der Ultimate Fighting Championship (UFC). Seit fast 30 Jahren organisiert das Unternehmen sogenannte Mixed-Martial-Arts-Kämpfe (MMA). Bei der hybriden Kampfsportart, in der sich zwei Kontrahenten messen, fließen sowohl Elemente aus Kickboxen oder Karate mit Bodentechniken aus Judo, Ringen oder Jiu-Jitsu zusammen. Ausgefochten werden die sportlichen Auseinandersetzungen in einem achteckigen Käfig – dem Oktagon. Trotz eines komplexen Regelwerks und international anerkannter Athleten, zu denen auch Olympiapreisträger gehören, haftet dem Sport das Stigma eines menschenfeindlichen Spektakels an: Kritiker sprechen von menschlichen Hahnenkämpfen.

          Trotz politischer und öffentlicher Widerstände konnten sich MMA als Sport und die UFC als dessen größter Veranstalter und größte Liga innerhalb des Mainstreams durchsetzen. Ein Teil des Erfolgs der UFC unter der Leitung des langjährigen Präsidenten Dana White liegt in der Vermarktung: Den Fans wird ein adrenalingeladenes Event innerhalb eines aufstrebenden professionellen Kontaktsports angeboten. Das Konzept geht auf. Bereits 2019 veranstaltete die UFC 41 Kampfabende in 15 verschiedenen Ländern vor insgesamt rund 548 000 Zuschauern vor Ort – die meisten davon in Amerika. Hinzu kamen Millionenerlöse durch das Bezahlfernsehen sowie eine 750 Millionen Dollar teure Ausstrahlungskooperation mit dem amerikanischen Sportsender ESPN. Die UFC hat sich als eine lukrative Marke etabliert. Das hat auch der Konzern Endeavor Group Holdings erkannt, der die UFC 2016 für vier Milliarden Dollar kaufte. In diesem Jahr wird der Wert auf 7 Milliarden geschätzt.

          Pandemie trifft Amerikas Sport

          Nun hat die Pandemie den Sport in Amerika als Veranstalter von medialen Großereignissen in die Krise gestürzt. Leere Stadien, unterbrochene Saisons und unklare Rechtslagen ließen im Fernsehen bestenfalls Wiederholungen und Analysen vergangener Spiele zu. Die UFC konnte, anders als die NFL oder NBA, schneller auf die veränderte Umgebung reagieren und ging in die Offensive. In „Schattenveranstaltungen“ wurden kurzerhand Kampfabende in leeren Arenen ausgestrahlt. Während der bisher stattgefundenen Kampfsport-Veranstaltungen wurden Athleten, deren Betreuer und das eigene Personal mehrfach auf das Virus getestet. Hierfür hat die UFC ein eigenes Hygienekonzept erarbeitet.

          Risikoreicher Kontaktsport: Die Kämpfer Tyron Woodley und Gilbert Burns können bei Ihrer Auseinandersetzung nicht auf Abstand hoffen.
          Risikoreicher Kontaktsport: Die Kämpfer Tyron Woodley und Gilbert Burns können bei Ihrer Auseinandersetzung nicht auf Abstand hoffen. : Bild: USA TODAY Sports

          Trotz bester Vorkehrungen blieb es auch hier nicht ohne Zwischenfälle. Am 9. Mai wurde bekannt, dass Ronaldo Souza einen Tag vor seinem Kampf positiv auf Corona getestet wurde. Kurz zuvor hatte der Brasilianer einen öffentlichen Pflichtauftritt im Beisein der Presse absolviert. Auf ESPN wertete White den Vorfall jedoch als Erfolg: „Wir haben 1200 Tests diese Woche an 300 Menschen durchgeführt. Es war vorauszusehen, dass einer davon positiv ausfallen könnte. Das System funktioniert.“

          Damit hat White nicht unrecht. Souzas Kampf wurde letztlich abgesagt. Die restlichen Partien fanden jedoch statt. Mit einem solchen Konzept demonstriert die UFC – auch der direkten Konkurrenz, dem Boxen –, dass die sportliche Maschinerie weiterhin rollen kann und soll.

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