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Überraschungscoup : Aktionäre von Rhön Klinikum kippen Übernahmehürde

Deutschlands drittgrößter privater Klinikkette: Rhön-Klinikum Bild: dpa

Auf der Hauptversammlung des Rhön-Klinikums haben die Aktionäre für eine faustdicke Überraschung gesorgt. Sie haben eine umstrittene Klausel in der Satzung gekippt an der im Vorjahr der Übernahmeversuch durch Fresenius gescheitert war.

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          Der Klinikbetreiber Rhön Klinikum AG hat sich überraschend aus der Umklammerung seiner Minderheitsaktionäre befreit. Auf der Hauptversammlung in Frankfurt gelang es mehreren Aktionären, mindestens einen der opponierenden Investoren - Bernard Broermann, Eigentümer der konkurrierenden Klinikkette Asklepios, oder die Eigentümerfamilie des Klinikausstatters B. Braun Melsungen - zur Aufgabe der Blockadehaltung zu bewegen. Der schwedische Pensionsfonds Alecta hatte denkbar knapp Erfolg mit seinem Vorstoß, die Satzung so zu ändern, dass künftig wichtige Entscheidungen nicht mehr mit 90 Prozent, sondern nur noch mit Dreiviertelmehrheit beschlossen werden können.

          Bernd Freytag
          Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Mainz.

          Von den anwesenden Aktionären stimmten nach langer Debatte 90,54 Prozent für eine Änderung. Damit könnte eine Neuauflage der Übernahmegespräche zwischen Rhön und dem Gesundheitskonzern Fresenius starten. Fresenius war im Vorjahr mit der Übernahme gescheitert, obwohl mehr als 84 Prozent der Rhön-Eigentümer ihre Aktien angedient hatten. Fresenius wollte Rhön mit der konzerneigenen Klinikkette Helios zusammenführen, hatte aber eine Andienung von 90 Prozent zur Bedingung gemacht. Die Übernahme damals scheiterte mutmaßlich an Broermann und Braun, von denen jeder 5 Prozent der Stimmen hält. Beide äußerten sich am Mittwoch nicht, so dass die Gründe für den Sinneswandel im Unklaren blieben. Der Rhön-Vorstandsvorsitzende Martin Siebert hatte zuvor gewarnt, dass durch das Patt im Aktionärskreis Kapitalmaßnahmen blockiert werden könnten. Zudem verwies er darauf, dass Braun ein wichtiger Lieferant sei und die Lieferbeziehungen ständig überprüft würden - eine klare Warnung an den Opponenten.

          Der Rhön-Gründer und Aufsichtsratsvorsitzende Eugen Münch hatte zuvor in der Frankfurter Jahrhunderthalle die Opponenten eindringlich aufgefordert, ihre Haltung zu ändern. Er werde mit Herzblut und „Eisenellenbogen“ dafür kämpfen. Münch hatte aus Angst vor einer feindlichen Übernahme die 90-Prozent-Schwelle einst selbst durchgesetzt. Er habe sich nicht vorstellen können, dass ein langjähriger Lieferant und ein Wettbewerber, „mit dem wir nie Krieg führten“, so etwas tun würden, sagte Münch. Rhön habe sogar mit Asklepios über eine Kooperation gesprochen, aber die Gespräche hätten sich nicht konkretisiert. Stärken und Schwächen von Rhön und Asklepios seien zu ähnlich, als dass spürbare Synergien zu erwarten gewesen wären, zugleich seien die Rahmenbedingungen schlechter geworden. Deshalb habe er sich Fresenius zugewandt. Der Dax-Konzern wäre nach Münchs Worten der perfekte „Ersatzeigentümer“ gewesen. Die Idee hinter dem Zusammenschluss: Einen integrierten Gesundheitskonzern zu schaffen, der für sein Kliniknetz Zusatzversicherungen anbieten kann, sei immer noch aktuell.

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