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Überraschendes Umfrageergebnis : Griechische Sparbefürworter können auf Wahlsieg hoffen

  • Aktualisiert am

Antonis Samaras Bild: dpa

Bislang sah alles danach aus, dass die radikale Linke die Neuwahl in Griechenland gewinnen wird. Umso überraschender ist das Ergebnis der ersten Umfrage seit dem Scheitern der Regierungsgespräche. Demnach liegen die reformorientierten Parteien vorn.

          In Griechenland können sich die Unterstützer des Sparkurses einer Umfrage zufolge überraschend Hoffnungen auf einen Sieg bei der Parlamentswahl Mitte Juni machen. In der ersten Erhebung seit dem Scheitern der Regierungsgespräche kommen die konservative Nea Dimokratia und die sozialistische Pasok zusammen auf genügend Mandate, um eine Regierungskoalition bilden zu können.

          Knapper Vorsprung für die Nea Dimokratia

          Die Nea Dimokratia kam in der Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Marc auf 26,1 Prozent der Stimmen, gefolgt von Syriza mit 23,7 Prozent und Pasok mit 14,9 Prozent. Selbst ein knapper Vorsprung auf den zweiten Platz kann entscheidend dafür sein, wer die nächste Regierung bildet, da der Erstplatzierte 50 Bonus-Mandate in dem 300 Sitze großen Parlament erhält.

          Zuletzt hatte das radikale Linksbündnis Syriza, das den von der Europäischen Union und dem Internationalen Währungsfonds geforderten Sparkurs ablehnt, in Umfragen vorne gelegen. Das schürte Sorgen, das schuldengeplagte Griechenland könne sich von der Euro-Zone verabschieden und direkt in den Staatsbankrott steuern.

          „Die Dinge sind sehr unbeständig“

          Die nun veröffentlichte Erhebung lässt hingegen hoffen, dass die Mehrheit der griechischen Wähler doch noch für den Sparkurs stimmt. Die Griechen machten sich nach dem Platzen der Regierungsgespräche vor wenigen Tagen offenbar Sorgen, dass sie andernfalls die Euro-Zone verlassen müssen, sagte der Analyst John Loulis. Die Wähler seien aber „alles andere als begeistert von der Nea Dimokratia“.

          In jedem Fall warnen Experten davor, einer einzelnen Umfrage zu viel Gewicht einzuräumen; zumal bis zur Neuwahl am 17. Juni noch ein Monat vergeht. „Die Dinge sind immer noch sehr unbeständig. Der Ausgang der Wahl wird davon abhängen, wer die wenigsten Fehler macht“, sagte Analyst Loulis.

          Tsipras warnt vor Stopp der Hilfszahlungen

          Wie schwierig der Umgang mit einer griechischen Regierung würde, die von der radikalen Linken angeführt wird, zeigt auch ein Interview, das das „Wall Street Journal“ mit dem Vorsitzenden der Syriza geführt hat. Darin sagt Alexis Tsipras, er glaube nicht, dass Europa die Finanzierung seines Landes einstellen werde. Komme es jedoch dazu, werde Athen seine Schulden nicht mehr bedienen.

          Ein Finanzkollaps in Griechenland würde den Rest der Eurozone mit sich ziehen, warnte der 37 Jahre alte Politiker. Europa solle eher eine wachstumsfreundlichere Politik erwägen, um die wirtschaftliche Abwärtsspirale des Landes zu stoppen und die wachsende „humanitäre Krise“ in Griechenland zu bekämpfen.

          „Unsere erste Wahl ist, die europäischen Partner zu überzeugen, dass in ihrem eigenen Interesse die Finanzierung nicht beendet werden darf“, sagte Tsipras. Sein Land habe nicht die Absicht, einseitige Schritte zu unternehmen, „aber wenn sie einseitig handeln, also die Zahlungen einstellen, sind wir gezwungen, die Schuldenbegleichung bei unseren Gläubigern zu stoppen.“

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