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Übernahmewelle aus China : Geld gegen Wissen

  • -Aktualisiert am

Schon chinesisch: der Autobauer Volvo. Er wurde vom chinesischen Konzern Geely übernommen. Im Volvo-Werk in der südwestchinesischen Metropole Chengdu wird eine Langversion des Modells S60 gebaut. Bild: dpa

Noch ist die große Übernahmewelle aus China ausgeblieben. Aber das wird sich ändern. Denn ohne Zukäufe können Chinas Konzerne nicht schnell genug aufholen. Deutsche Unternehmen stehen ganz oben auf ihrer Wunschliste.

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          Markus Heßbrüggen ist sich völlig sicher, dass es die richtige Entscheidung war, einen chinesischen Partner ins eigene Familienunternehmen zu holen. Vor drei Jahren tat sich der schwäbische Werkzeugmaschinenbauer Emag mit dem Textilmaschinenkonzern Jiangsu Jinsheng zusammen, seitdem halten die Chinesen 50 Prozent an dem deutschen Traditionsunternehmen. Das Geld, das der Partner aus Fernost mitbrachte – kolportiert wurde eine Summe von 100 Millionen Euro – war in der Emag-Kasse nach der großen Absatzkrise des Jahres 2009 hochwillkommen. Aber es ging um noch mehr. Der deutsche Maschinenbauer wollte ein großes Werk in China errichten, um dort passgenau für den asiatischen Markt produzieren zu können. Alleine hätte Emag dafür vielleicht noch Jahre gebraucht, mit dem einheimischen Partner und dessen Netzwerk sowie Kapital ging alles viel schneller. Im Gegenzug können die Chinesen ihre eigene industrielle Entwicklung mit Hilfe des Wissens aus Deutschland vorantreiben – und ihrerseits Türen zum europäischen Markt geöffnet bekommen.

          Deshalb wird das Interesse aus China an Beteiligungen und Zukäufen in Europa und speziell in Deutschland auch nicht abreißen, sind sich die Marktbeobachter einig – selbst wenn die große Übernahmewelle noch ausgeblieben ist. „China muss für sein eigenes Wachstum frisches Wissen und mehr technologische Qualität erlangen, auch um der zunehmenden Konkurrenz aus dem Westen auf dem Heimatmarkt begegnen zu können“, sagt Jens-Peter Otto, Leiter der China Business Group der Beratungsgesellschaft PWC. Noch ist der Unterschied in der Qualität vieler Maschinen, die im Westen produziert werden, zu jenen aus Fernost gewaltig, heißt es in vielen hiesigen Unternehmen. Auf fünf bis zehn Jahre wird der technologische Vorsprung in vielen Zweigen des Maschinenbaus geschätzt. Aber China lernt und holt auf – und Übernahmen sind ein besonders beliebtes Mittel, um diesen Prozess zu beschleunigen.

          Deutsch-chinesischer Schulterschluss: Putzmeister-Gründer Karl Schlecht und der Sany-Konzernchef Wengen Liang im April 2012
          Deutsch-chinesischer Schulterschluss: Putzmeister-Gründer Karl Schlecht und der Sany-Konzernchef Wengen Liang im April 2012 : Bild: dpa

          Gut 20 deutsche Betriebe sind im vergangenen Jahr laut Zählung verschiedener Beratungsgesellschaften an chinesische Investoren verkauft worden – in etwa so viele wie im Jahr zuvor. Nur wenige davon haben Schlagzeilen gemacht, weil es sich zumeist um Industriebetriebe aus dem Mittelstand handelte, deren Namen nur in Fachkreisen bekannt sind. Die größte und bekannteste Transaktion war die Beteiligung des Baumaschinenkonzerns Weichai am Gabelstaplerkonzern Kion mit seinen Marken Linde und Still. Inzwischen hält Weichai 33,3 Prozent an dem Wiesbadener Konzern.

          Chinesische Regierung erleichtert Auslandsinvestments

          Gekauft wurden aber auch kleine Betriebe wie der Heilbronner Werkzeugbauer GIW und der Motorenhersteller Thielert. Und nur weil die Chinesen bei den wenigen Milliardenübernahmen in Deutschland 2013 nicht zum Zuge kamen, bedeute das nicht, sie wären nicht dabei gewesen, erläutert Yi Sun, Partnerin der Beratungsgesellschaft EY.

          Tatsächlich hätten sie bei mehreren Transaktionen im oberen dreistelligen Millionenbereich mitgeboten. „Und die zunehmende Professionalisierung der chinesischen Bieterprozesse wird zukünftig dazu führen, dass chinesische Unternehmen häufiger den Zuschlag erhalten“, ist sich Sun sicher. Dazu trage auch die chinesische Regierung bei, indem sie jüngst den Genehmigungsprozess für solche Auslandsinvestments erleichtert habe. „Die Werkbank der Welt zu sein, genügt den chinesischen Unternehmen schon lange nicht mehr“, sagt Sun. „Sie wollen sich selbst als Innovatoren präsentieren und benötigen dazu den Zugriff auf europäisches Knowhow.“

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