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Übernahmepoker : Alstom stürmt mit Wunschpartner GE voran

Der Standort von Alstom und General Electric am 27. April in Belford, Frankreich. Bild: REUTERS

Die Konzernchefs aus Frankreich und Amerika werben in Paris für die Übernahme durch GE. Siemens muss sich ins Zeug legen, wenn das Münchener Unternehmen den Anschluss nicht verlieren will.

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          Ungeachtet einer möglichen Übernahmeofferte durch Siemens  prescht der französische Alstom-Konzern mit seinem Wunschpartner General  Electric vor. Die Tür ist für den deutschen Wettbewerber zwar nicht zugeschlagen, doch Alstom lässt an seinen Präferenzen derzeit wenig Zweifel. Am Mittwochvormittag preisten der GE-Vorstandsvorsitzende Jeff Immelt und sein  Alstom-Amtskollege Patrick Kron das Übernahmeangebot des amerikanischen Unternehmens für 12,35 Milliarden Euro auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in einem Pariser Hotel in höchsten Tönen an. „Der Zusammenschluss der sehr  komplementären Energie-Aktivitäten von Alstom und GE würde einen  wettbewerbsfähigeren Anbieter schaffen, mit dem wir unsere Kunden besser  bedienen könnten“, sagte Kron.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Immelt versprach, die Zahl der Arbeitsplätze in Frankreich zu erhöhen und die Sitze mit weltweiter Verantwortung für Dampf-,  Wasser- und Windturbinen sowie für Stromnetze in Frankreich anzusiedeln. „Wir  hören auf die Regierung und arbeiten konstruktiv zusammen“. Immelt erinnerte unter anderem an das seit langem bestehende Gemeinschaftsunternehmen von GE und  dem französischen Unternehmen Safran im Triebwerksbau - das „wahrscheinlich beste Joint-Venture der Welt“.

          Die Alstom-Aktie stieg am Mittwoch an der Pariser Börse nach einem dreitätigen Handelsstopp um 10 Prozent an. In den vergangenen vier Jahren hatte sie ungefähr die Hälfte ihres Wertes verloren. Am Vorabend hatte der Alstom-Verwaltungsrat einstimmig die Offerte von GE begrüßt, er will das Angebot jetzt aber erst mal bis zum 2. Juni durch ein Gremium unter Führung des ehemaligen Peugeot-Citroën-Chefs Jean-Martin Folz prüfen lassen.

          Der Alstom-Großaktionär Bouygues steht hinter diesem Vorgehen. Dies verschafft Siemens Zeit, eine Gegenofferte auszuarbeiten. Alstom-Chef Kron wies in Paris die Einschätzung zurück, dass er gegen Siemens sei. „Wie soll ich eine Meinung  zu einem Angebot haben, das noch gar nicht vorliegt?“, fragte er. Bisher habe Alstom nur eine Absichtserklärung in Briefform erhalten. „Wir werden Siemens  einen gleichberechtigten Zugang zu den nötigen Informationen einräumen. Ich weise den Vorwurf einer fehlenden Gleichberechtigung entschieden zurück“, sagte Kron.

          Er reagierte damit auf einen Brief von Siemens, in dem der deutsche  Konzern seinem französischen Konkurrenten „eine mangelnde Kooperation des Vorstandschefs“ vorwirft. Dieser sei an einem „direkten Dialog“ über das mögliche Geschäft nicht interessiert gewesen, heißt es laut AFP. Die Alstom-Führung habe bisher „nicht alle Möglichkeiten gleichermaßen in Betracht  gezogen“, kritisiert Siemens. Darüber sei das deutsche Unternehmen „enttäuscht“. Kron teilt die Kritik, er sei in irgendeiner Form gegen Deutschland, in keiner Weise „Unser größter Standort der Transsportsparte befindet sich in Salzgitter. Wir haben 9000 Beschäftigte in Deutschland - halb so viele wie in Frankreich. Airbus der Schienen - das sind wir heute schon“,  sagte Kron.

          „Der Staat hat ein Wort mitzureden“

          Alstom sieht für sich im Energiegeschäft (Turbinenbau und  Stromverteilungstechnik) als unabhängiger Anbieter keine Zukunft. Man sei zu klein; so habe Alstom zehn Gasturbinen in den vergangenen zwölf Monaten verkauft, GE dagegen 30 in einem Quartal und 150 in einem Jahr. Außerdem habe die seit 2008 anhaltende Krise des europäischen Marktes das französische  Unternehmen ausgezehrt. „Alstom brennt nicht, wir verdienen weiter Geld, doch mittelfristig steht das Energiegeschäft vor großen Herausforderungen“, sagte Kron. Für den verbleibenden Alstom-Teil, rund 30 Prozent des heutigen  Konzernumsatzes von 20 Milliarden Euro - setzt Kron auf den Bahnbau mit dem  Hochgeschwindigkeitszug TGV und anderen Zügen. Sollte die GE-Offerte gewinnen, „konzentrierten wir uns auf den Transportsektor, tilgen Schulden, geben Geld an  die Aktionäre zurück, und wir haben genügend Mittel für unsere Ziele - diese  sind ehrgeizig“. Auch Zukäufe seien denkbar. „Wir werden uns alle Möglichkeit  anschauen, freilich auch unter dem Aspekt kartellrechtlicher Erwägungen“, sagte  Kron. Selbst Spekulationen, dass Alstom Transport zu einem späteren Zeitpunkt  das Siemens-Zuggeschäft übernehmen könnte,  werden in Pariser Bankenkreisen  nicht völlig ausgeschlossen  - wenn Siemens zu einem solchen Verkauf bereit  wäre.

          Aus Alstom-Sicht unterscheiden sich die GE- und die erwartete  Siemens-Offerte in groben Zügen kaum. In beiden Fällen verlören die Franzosen  das Energiegeschäft mit seinen 65.000 von weltweit 93.000 Mitarbeitern und  konzentrierten sich auf die Züge, im Fall des Siemens-Angebot freilich in  Ergänzung mit dem deutschen Transportgeschäft. Doch der französische Konzern  sieht starke Doppelungen in beiden Bereichen, befürchtet daher großen  Arbeitsplatzabbau und auch kartellrechtliche Hürden, letztere vor allem im  Transportbereich. Diese Sorgen teilen auch die Alstom-Gewerkschaften. Sie  riefen die Regierung dazu auf, einen Staatseinstieg zu prüfen, wie es ihn schon  2004 gegeben hatte (später verkaufte der Staat seine Anteile  wieder). Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg sagte am Mittwoch: „Wir kommen  diesem Wunsch nach. Nichts ist bisher entschieden“. Alstom-Chef Kron räumte ein: „Der Staat hat ein Wort mitzureden“.

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