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Übernahmen : Vivendi pokert hoch

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Der hoch verschuldete Medienkonzern Vivendi muss sich von seinem Tafelsilber trennen, um beim Bieterstreit mit Vodafone um Cegetel mitzuhalten.

          Der französische Medienkonzern Vivendi Universal will den amerikanischen Verlag Houghton Mufflin verkaufen. Mit dem Verkauf bereitet der finanziell angeschlagene Konzern die nächste Runde im Bieterstreit mit Vodafone um die Telefon-Holding Cegetel vor.

          Als Käufer wurde ein Konsortium unter Führung der US-Investorengruppe Blackwell genannt. Der genaue Preis für den Verlag, der in den USA unter anderem den „Herr der Ringe“ herausgibt, wurde nicht genannt. Vivendi sagte aber, der Handel sei rund 1,75 Milliarden Euro einschließlich Schulden wert.

          Vivendi mit Vorkaufsrecht

          Vivendi braucht Geld, um einen Angriff des britischen Mobilfunkriesen Vodafone auf seinen Telekommunikationszweig Cegetel abzuwehren. Vivendi hält 44 Prozent der Cegetel-Anteile. Vodafone hat bekannt gegeben, dass es die Anteile der Cegetel-Aktionäre BT Group und SBC Communications für 6,3 Milliarden Euro kaufen und damit die Aktienmehrheit erhalten will.

          Die Cegetel-Aktionäre haben aber Vivendi ein Vorkaufsrecht eingeräumt. Mit dem Verkauf seiner Verlagshäuser will sich Vivendi offenbar die nötigen Geldmittel beschaffen. In der vergangenen Woche hatte es angekündigt, seine europäischen und lateinamerikanischen Verlage an das französische Medien- und Rüstungskonglomerat Lagardere verkaufen zu wollen.

          Treibt Fourtou den Preis?

          Einige Analysten bezweifeln jedoch, ob Vivendi Universal tatsächlich daran interessiert ist, eine Mehrheit bei der französischen Telekom-Holding Cegetel zu erlangen. Sie halten es für wahrscheinlicher, dass Vivendi-Chef Jean-René Fourtou nur scheinbar für Cegetel bietet. In Wahrheit wolle Fourtou auf diese Weise ein höheres Gebot von Vodafone für den Vivendi-Anteil an Cegetel provozieren.

          Denn eigentlich kann sich Vivendi derzeit keine teuren Zukäufe leisten. Der Konzern wird von einer gewaltigen Schuldenlast fast erdrückt. Auf rund 19 Milliarden Euro belaufen sich die Verbindlichkeiten des Konzerns. Bislang hatte Vodafone 6,77 Milliarden Pfund für den 44-prozentigen Vivendi-Anteil an Cegetel geboten.

          Schulden müssen abgebaut werden

          In den kommenden 18 Monaten will Vivendi Vermögenswerte im Wert von zwölf Milliarden Euro veräußern. Fast alle Sparten stehen zur Disposition, nur Cegetel und Vivendi Environnement wurden nicht auf die Verkaufsliste gesetzt. Diese Transaktionen sollen „trotz der schwierigen Lage am Markt zu für die Aktionäre zufriedenstellenden Bedingungen“ vollzogen werden, erklärte die Gesellschaft. Vivendi schätzt, bis Ende des Jahres Veräußerungen mit einem Unternehmenswert von fünf Milliarden Euro getätigt zu haben. Damit läge Vivendi ein Quartal vor dem angepeilten Zeitplan, bis März 2003 Aktiva im Wert von fünf Milliarden Euro verkauft zu haben.

          Der erwartete Verkauf von Houghton Mifflin dürfte Vivendi allerdings keinen unmittelbaren Gewinn bringen. Analysten zeigen sich kritisch. „Vivendi hätte Houghton Mifflin gar nicht erst kaufen sollen“, sagt ein Branchenexperte in London. Vivendi werde wohl nicht mehr als 1,75 Milliarden Euro dafür bekommen, nachdem erst vor einem Jahr 2,2 Milliarden Dollar dafür bezahlt wurden.

          Riskantes Spiel

          Und das Pokerspiel um Cegetel kann für Vivendi auch böse enden: Sollte Vodafone auf das Spiel nicht eingehen und Vivendi den Anteil von BT Group herauskaufen, würde der Schuldenstand trotz der Veräußerung von Aktiva kräftig steigen.

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