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Übernahme von „SuccessFactors“ : SAP macht Milliarden-Angebot für Cloud-Spezialisten

SAP - Logo am Konzernsitz in Walldorf Bild: dpa

Wenige Wochen nach einem Zukauf des amerikanischen Konkurrenten Oracle im sogenannten Cloud Computing schlägt SAP mit einem eigenen Milliarden-Deal zurück.

          SAP will den amerikanischen Cloudcomputing-Spezialisten Success Factors übernehmen. Wie das deutsche Softwarehaus am Wochenende mitteilte, legte es dafür ein Übernahmeangebot von 3,4 Milliarden Dollar (2,4 Milliarden Euro) vor. Das Angebot lag mehr als die Hälfte über dem derzeitigen, an der Börse ermittelten Marktwert des amerikanischen Unternehmens. Der Verwaltungsrat von Success Factors hat der Offerte aus Deutschland bereits zugestimmt. Sein Urteil fiel einstimmig aus. SAP möchte über eine Tochtergesellschaft zwei Drittel des nun anvisierten Kaufpreises aus seinen liquiden Mitteln zahlen. Das restliche Drittel des Preises soll über ein Darlehen in Höhe von einer Milliarde Dollar abgegolten werden.

          Stephan Finsterbusch

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Mit der Akquisition des wachstumsstarken, aber verlustreichen Spezialisten für Personal-Management aus Kalifornien peilt die Führungsspitze der in Walldorf beheimateten SAP-Gruppe an, ihr Angebot zentral verwalteter Dienstleistungen rund um das Cloudcomputing zu stärken. Dabei werden die Anwendungen nicht mehr in den Unternehmen gespeichert und verwaltet, sondern in großen Rechenzentren. Diese Methode soll die Kosten senken, weil die Anwendungen nur noch in der Cloud und nicht mehr auf allen Rechnern in den Unternehmen aktualisiert werden müssen.

          Der Kauf muss von den Kartellbehörden in Europa und Amerika noch genehmigt werden. SAP und Success Factors zeigen sich diesbezüglich zuversichtlich. Die Akquisition soll den Angaben nach im ersten Quartal des kommenden Jahres abgeschlossen sein. Cloudcomputing gilt nach Einschätzung von SAP als einer der am schnellsten wachsenden Märkte in der Informationstechnik. „Die Cloud ist ein wesentlicher Bestandteil für das künftige Wachstum der SAP“, sagte Bill McDermott, einer von zwei Vorstandsvorsitzenden des Konzerns. SAP ist Weltmarktführer auf dem Gebiet von Software zur Steuerung und Verwaltung von Unternehmen.

          Mit Hilfe der Zentralisierung der Datenverarbeitung können Kunden die Programme für ihre Computer quasi aus der Steckdose zum Mietpreis beziehen. Das macht sie flexibler, erhöht ihre Effizienz und lässt sie sich auf ihre Kerngeschäftsbereiche konzentrieren, ohne allzu viele Ressourcen in ihre IT-Infrastruktur stecken zu müssen. Der Markt für „Software aus der Dose“ ist nach Angaben des Analystenhauses Gartner bislang 12 Milliarden Dollar groß. In den kommenden Jahren soll er durchschnittlich 20 Prozent wachsen. SAP will nach den Worten seines zweiten Vorstandsvorsitzenden Jim Hagemann Snabe mit seiner jüngsten Akquisition überproportional an diesem Wachstum teilhaben.

          Auf allen wichtigen Märkten der Welt

          Das Softwarehaus SAP hat in den vergangenen fünf Jahren durch Zukäufe wie den von Business Objects oder den der Firma Sybase sein Produktangebot an Computerprogrammen deutlich ausgebaut. So ist es trotz der krisenhaften Weltwirtschaft stark gewachsen. Das Unternehmen erlöste im vergangenen Geschäftsjahr etwa 12 Milliarden Euro. Die Gewinnspanne liegt bei rund 30 Prozent des Jahresumsatzes. Der Vorstand in Walldorf kündigte bereits an, mittelfristig 20 Milliarden Euro im Jahr umsetzen zu wollen.

          Success Factor könnte auf diesem Weg ein wichtiger Meilenstein werden. Die Kalifornier sind auf allen wichtigen Märkten der Welt tätig. Sie haben eigenen Angaben nach 3500 Kunden, beschäftigen knapp 1500 Mitarbeiter, erlösten im vergangenen Geschäftsjahr 206 Millionen Dollar und verzeichneten einen Nettoverlust von 12 Millionen Dollar. In den vergangenen fünf Geschäftsjahren liefen Verluste von insgesamt fast 200 Millionen Dollar auf.

          Analysten bewerten den von SAP gebotenen Aufschlag dennoch als hohen Preis für ein Unternehmen, das im nächsten Jahr einen Umsatz von lediglich 400 Millionen Dollar erwartet und das noch viel investieren muss, um im Markt Fuß zu fassen. Analyst Paul Hamerman von Forrester Research sagte, die schwierige Aufgabe für SAP bestehe nun darin, den Zukauf so in den Konzern zu integrieren, dass dies die gesamte Cloud-Strategie nach vorne bringe.

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