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Carsten Knop

Bayer und Monsanto : Big Data für die Ernährung

  • -Aktualisiert am

Das Image von Monsanto könnte kaum schlechter sein. Bayer will den Konzern trotzdem kaufen. Bild: dpa

Monsanto – das ist für viele Menschen auf dem ganzen Erdball die diabolische Verkörperung des Bösen in Gestalt eines Konzern. Wird sich Bayer die Finger verbrennen?

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          So sehen Erfolgsrezepte aus: Man nehme die marktdominante Stellung des amerikanischen Konzerns Monsanto beim Saatgut etwa für Mais oder Soja. Man kombiniere sie mit Pflanzenschutzangeboten von Bayer – und die Gelddruckmaschine läuft.

          Schon im vergangenen Jahr hat Monsanto 2,3 Milliarden Dollar Gewinn gemacht. Daraus kann im Verbund mehr werden; Paketangebote werden für viele Bauern attraktiv sein. Hinzu kommt das immer wichtigere Wissen um Wetter-, Dünge- und Wachstumsdaten, die Monsanto den Bauern in Echtzeit zur Verfügung stellen kann. Das Ergebnis: Wenn es Bayer gelingen sollte, Monsanto zu kaufen, entstünde der Weltmarktführer von Big Data für die Ernährung, der Anbieter eines globalen Betriebssystems für die künftige Lebensmittelproduktion.

          Das wissen auch die Aktionäre von Monsanto, die von Bayer einen höheren Kaufpreis verlangen werden als die gebotenen 62 Milliarden Dollar in bar. Denn auch die Monsanto-Aktie hatte zuletzt erheblich an Wert verloren. Bayer-Aktionäre wiederum, die vor nicht allzu langer Zeit Kurse von 140 Euro gesehen haben und wegen der Sorgen um Kaufpreis und Kapitalbeschaffung nun mit 85 Euro leben müssen, können davon nicht begeistert sein. Das Ringen wird den Aktienkurs von Bayer lange belasten.

          Eine schlechte Nachricht

          Obendrein bleibt als größte Schwierigkeit: Monsanto ist ein Konzern, der in den Augen vieler für das Schlechte der Globalisierung steht; ein aggressiver Anbieter ethisch fragwürdiger Produkte, der seine Kunden knebelt. Wie selbstverständlich kommt von Monsanto auch das umstrittene Pflanzenschutzmittel Glyphosat. Hat hier das Kaufmannsherz von Bayer einige emotionale Sicherungen ausgeschaltet? Alle Nichtregierungsorganisationen, die sich aus Sicht vieler Menschen tapfer gegen das Freihandelsabkommen TTIP stemmen und Monsanto hassen, werden dieses Fusionsvorhaben bekämpfen. Das gilt umso mehr, wenn man daran denkt, dass hier immer größere Lobbyorganisationen gegen immer gewichtigere Agrokonzerne antreten.

          Allein um die berechtigten Vorwürfe auszuräumen, darf es nur ein Anfang sein, den Namen Monsanto zu streichen, das Management auszutauschen und natürlich die Zentrale des gewachsenen Konzerns in Deutschland zu behalten. Doch selbst wenn das gelänge, ohne Monsanto zu ruinieren, bliebe die Frage, ob man die wachsende Weltbevölkerung wirklich nur noch ernähren kann, wenn man Pflanzen und Bauern neu programmiert. Lautete die Antwort ja, wäre dies eine schlechte Nachricht.

          Übernahme von Saatgutriesen : Bayer will Monsanto für 62 Milliarden Dollar kaufen

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