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Der Sonntagsökonom : Wie Kinder rational und geduldig werden

Die Bereitschaft, einer sicheren Auszahlung eine höhere unsichere vorzuziehen, nimmt mit dem Alter ab. Bild: dpa

Kinder haben ihre eigene Logik. Nur Geduld, das ändert sich. Und auch als Erwachsener kann man sich öfter mal an die eigene Nase fassen und kurz überlegen, nicht doch nochmal genauer und rationaler abzuwägen.

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          Die handelnde Person ist nach ökonomischer Betrachtung eine Rechenmaschine. Insbesondere in übersichtlichen Entscheidungssituationen folgt sie einfachen Regeln, vergleicht Preise und Mengen, schätzt Güterbündel ein, kalkuliert wahrscheinliche Folgen ihres Handelns. Die psychologische Forschung hat allerdings eine ganze Reihe von Einschränkungen für die Rationalität solcher Berechnungen ermittelt. Oft wird gar nicht gerechnet, sondern einer Faustregel gefolgt: „Besser der Spatz in der Hand...“ Oft fallen Entscheidungen anders, je nachdem, wie das Problem formuliert wurde, auch wenn es sich bei klarer Betrachtung um dasselbe Problem handelt: Die Zweifel an einer Entscheidung nehmen zu, je mehr Auswahlmöglichkeiten bestehen.

          Oft werden Informationen herangezogen, die gar keine sind: Die Brücke wird zu Ende gebaut, weil man einmal damit angefangen hat. Und so weiter. Mitunter fehlt die Zeit für Rationalität, mitunter überwiegt sozialer Druck, oder es sind zu viele Faktoren im Spiel, um auszurechnen, was am besten wäre.

          Wovon hängt es nun aber ab, wie anfällig die Handelnden für irrationales Entscheiden sind? Eine Vermutung könnte sein: von ihren Erfahrungen mit dem Entscheiden und von ihren Rechenfähigkeiten. Kurz: von ihrem Alter. Seit etwa zwanzig Jahren gibt es darum Forschungen, die auf experimentellem Weg herauszufinden versuchen, wie es um das ökonomische Verhalten von Kindern und Jugendlichen steht. Dazu werden beispielsweise schon Vorschulkinder mit einfachen Spielen konfrontiert, in denen sie durch korrektes Kalkulieren Vorteile erzielen können, und ihr Verhalten wird anschließend mit dem älterer Kinder verglichen.

          Wie häufig geschieht etwas ?

          Ein Pionier dieser Forschungen ist der amerikanische Ökonom William Harbaugh von der Universität von Oregon. Ab wann, so eine seiner Fragen, sind Kinder in der Lage, konsistent zu entscheiden? Wenn ich A besser finde als B und C besser als A, sollte ich auch C besser finden als B. Für Psychologen ist das eine Variante logischen Denkens, wie man sie ohne Entscheidungsaspekt in der Frage angesprochen findet: „Wenn Anna älter als Maria ist und Maria älter als Julian, wer ist dann älter: Anna oder Julian?“ Die Fähigkeit, sie sicher zu beantworten, kommt zwischen dem siebten und neunten Lebensjahr auf. Das gilt nicht ganz so für das konsistente Entscheiden.

          Zwar entscheiden sich schon die Siebenjährigen besser als hätten sie gewürfelt. Aber nur ein Viertel der Siebenjährigen und sechzig Prozent der Elfjährigen in entsprechenden Experimenten entscheiden sich rational. Allerdings verbessert sich die Trefferquote der Elfjährigen danach allein aufgrund des Alters nicht mehr groß, so dass es bei diesem Entscheidungsproblem sehr weit ginge, von der Menschheit mehr als die Rationalität Elfjähriger zu erwarten.

          Ein anderes und etwas anspruchsvolleres Rationalitätsproblem wirft die Frage auf, ob etwas desto häufiger geschieht – zum Beispiel, dass die Roulettekugel bei einer ungeraden Zahl anhält –, je seltener es zuvor geschehen ist. Wer das annimmt, unterliegt dem Irrtum, kleine Stichproben – etwa: zehnmaliges Fallen der Kugel – seien repräsentativ für große Stichproben. Die richtige Einsicht kommt hier bei den meisten erst nach dem fünfzehnten Lebensjahr auf. In ähnlichen Spielen wurde überdies nachgewiesen, dass Kinder, anders als Erwachsene, weniger dazu neigen, die erfolgreichen Spielstrategien anderer Spieler heranzuziehen. Sie betreiben weniger „rationale Imitation“.

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