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Studie : Das sind die teuersten Städte der Welt

Gleich zwei Schweizer Städte zählen zu den teuersten weltweit. Bild: Helmut Fricke

Wie lange muss man in den wichtigen internationalen Metropolen arbeiten, um einen Big Mac oder ein iPhone zu kaufen? Eine neue Studie stellt die teuersten Großstädte der Welt vor.

          In Zürich macht das Schnäppchenjagen wenig Spaß. Kiew oder Mumbai sind da deutlich attraktiver: Anhand eines standardisierten Einkaufskorbs aus 122 Waren und Dienstleistungen, der den Konsum einer dreiköpfigen europäischen Familie widerspiegelt, vergleicht die Schweizer Großbank UBS in einer neuen Studie 71 Städte auf fünf Kontinenten. Zürich, New York oder Genf liegen beim Preisniveau vorn, während Kiew, Mumbai oder Prag auf den hinteren Plätzen rangieren. Deutschland liegt im oberen Mittelfeld. Die Preise in den drei berücksichtigten deutschen Städten, Berlin, Frankfurt und München, sind niedriger als in den Hauptstädten von Südkorea und Taiwan, Seoul und Taipeh. Aber auch in Mailand, Brüssel, Dublin und Rom muss man für die gleichen Waren mehr Geld auf den Tisch legen als in Deutschland.

          Anna Steiner

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Wer in einer größeren Schweizer Stadt lebt, kann sich jährlich 20 der standardisierten Warenkörbe leisten. In Amerika sind es immerhin 18, in westeuropäischen Städten wie London, Lyon oder Oslo ist ein Korb pro Monat drin. Ganz anders sieht es in afrikanischen und asiatischen Städten aus: Hier kann sich eine Familie nur durchschnittlich alle vier Monate einen Korb leisten. Das lässt sich zum einen natürlich durch das Preis- und Lohnniveau erklären, zum anderen aber auch durch die unterschiedlichen Konsumgewohnheiten. Es wird aber auch deutlich, dass Familien in manchen Städten ein zusätzliches Einkommen benötigen, um sich einen europäischen Lebensstandard zu finanzieren.

          Wenig erstaunlich ist, dass in Zürich, Genf und Luxemburg die höchsten Löhne bezahlt werden. München, Frankfurt und Berlin liegen noch im oberen Drittel, die Löhne sind hier jedoch nur noch halb so hoch wie in den bestbezahlten Städten. Die Nettolöhne bieten wichtige Rückschlüsse auf die Höhe des verfügbaren Einkommens in einem Haushalt. Wer in Zürich arbeitet, hat fast 23 Mal mehr Geld zur Verfügung als ein Lohnempfänger in vergleichbarer Position in Kiew. Für eine bessere Vergleichbarkeit der Löhne bezieht sich die Studie auf 15 Berufe, die über die gleichen Parameter definiert werden. So gibt es beispielsweise den Grundschullehrer, der seit zehn Jahren im staatlichen Schuldienst tätig ist, etwa 35 Jahre alt ist und eine Familie mit Frau und zwei Kindern hat.

          Der Vergleich von Preisniveau und Löhnen erlaubt Rückschlüsse auf die weltweite Kaufkraft. Gemessen am Nettostundenlohn verfügt Luxemburg über die höchste Kaufkraft. Sie ist dort rund zehn Mal höher als in Jakarta, das die niedrigste Kaufkraft aufwies.

          Drei Stunden Arbeit für einen Burger

          Bestimmte Konsumgüter sind auf der ganzen Welt erhältlich und beliebt. Ein Big Mac ist in Auckland oder Vilnius in identischer Ausführung und Qualität zu haben. Ebenso das iPhone 6, das es überall auf der Welt zu kaufen gibt. Dadurch sind diese Produkte global vergleichbar. Die Studie vergleicht zudem die Dauer, die es braucht, um sich ein Kilo Brot oder ein Kilo Reis zu erarbeiten.

          173 Minuten - so lange muss ein Mensch in Nairobi arbeiten, um sich einen Big Mac kaufen zu können. In Hongkong sind es nur neun Minuten. Je nach verglichenem Produkt ändert sich das Ranking der Städte. Während ein Arbeiter in Buenos Aires durchschnittlich 57 Minuten braucht, um sich ein Kilo Brot zu leisten, dauert es nur 21 Minuten bis er sich ein Kilo Reis kaufen kann. Das hängt unter anderem davon ab, wo welches Produkt in welcher Menge produziert wird.

          Um sich das neueste iPhone von Apple zu gönnen, braucht es natürlich überall viel mehr Zeit. Dennoch gibt es auch hier gravierende Unterschiede. So reichen bereits etwas mehr als zwanzig Arbeitsstunden in Zürich und Genf aus, um das neueste Modell zu erstehen. In Kiew hingegen muss ein Lohnempfänger - geht man von einem Arbeitstag mit acht Stunden und einer Fünf-Tage-Woche aus - gut fünfzehn Wochen arbeiten, um sich das iPhone 6 leisten zu können. Die Preise jedes Produktes wurden nach dem Durchschnitt aller Umfrageteilnehmer berechnet und mit dem offiziellen lokalen Richtwert verglichen - sofern es diesen gab.

          Was die Arbeitszeiten angeht, schneiden die Franzosen am besten ab: In 19 Großstädten arbeiten die Menschen mehr als 2000 Stunden pro Jahr - das entspricht genau 50 Arbeitswochen. Die meisten dieser Städte liegen in Asien und dem nahen Osten. In Hongkong beispielsweise werden 1000 Stunden mehr gearbeitet als in Paris (1604 Stunden im Jahr). Das entspricht einer Differenz von rund vier Stunden je Arbeitstag. Der durchschnittliche Arbeitnehmer in Berlin und München kommt auf 19 bezahlte Urlaubstage im Jahr - das sind nur fünf Tage weniger als in der erstplatzierten Stadt Manama.

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