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Fahrdienst Uber : Angriff auf das Taxi-Kartell

  • -Aktualisiert am

Der gute alte Taxihalteplatz kriegt jetzt Konkurrenz aus dem Netz Bild: Gyarmaty, Jens

Der Internet-Taxivermittler Uber attackiert das deutsche Taxi-Kartell und schafft einen Markt, wo vorher keiner war: in der Grauzone zwischen Freundschaftsdienst und Geschäft. Endlich passiert mal was im alten Kapitalismus!

          Der Gründer des Taxidienstes Uber sieht soaus, als würde er den Tigerentenclub moderieren: cool, sympathisch, harmlos. Das steht in einem seltsamen Kontrast zu den Dingen, die Travis Kalanick sagt. „Wir sind mitten in einem Wahlkampf“, so beschrieb der Amerikaner in einem Interview die Lage, in der seine Firma steckt. „Uber ist der Kandidat und der Gegner ist ein Arschloch namens Taxi.“

          Sympathien kann man mit solchen Beschimpfungen nur schwer gewinnen. Und wenn dann auch noch in vielen Städten der Welt die Taxifahrer auf die Straße gehen, um gegen die neue Konkurrenz durch Uber zu protestieren, wird es ganz schwierig.

          Dabei gibt es viele Gründe, den neuen Taxidienst gut zu finden. Und zwar zuallererst als Kunde. Uber vermittelt Limousinen und eine Art Taxidienst: über eine App auf dem Handy. Dort kann man buchen, wird in mehr als 200 Städten der Welt abgeholt und zahlt anschließend per Kreditkarte, deren Daten man bei Uber hinterlegt hat. Uber behält 20 Prozent des Preises, den Rest bekommt der Fahrer. Ähnlich funktionieren auch die Konkurrenten des Dienstes: Lyft aus Amerika, Wundercar aus Deutschland.

          Es gibt auch eine Luxusvariante von Uber

          Das klingt erst einmal, als sei das nur eine neue Art, Taxifahrten in der Stadt zu vermitteln. Doch es ist viel mehr. Es ist der Versuch, die Einheits-Taxiwelt, wie wir sie kennen, zu verändern – vielleicht sogar zu ersetzen: mit einer Vielfalt an Autos, an Fahrern, an Preisen. Denn Uber, Wundercar & Co. machen zwar den Taxis Konkurrenz, allerdings nicht mit echten Taxis.

          Es ist ein Angriff von zwei Seiten: Uber hat einerseits einen Limousinenservice, bei dem die Fahrer viele formale Bedingungen erfüllen, die auch für Taxifahrer gelten, aber schönere Autos fahren, schwarze Limousinen. Die Fahrten sind meist etwas teurer als im Taxi. Uber bietet anderseits die Billigvariante „Uber Pop“ an, die sich gezielt an jüngeres oder weniger betuchtes Publikum richtet. Die Fahrer sind hier Menschen, die mit ihren Privatwagen herumfahren und sich etwas dazuverdienen wollen. Sie werden zwar von Uber geprüft, allerdings nicht so aufwendig wie echte Taxifahrer. Sie haben weder einen Personenbeförderungsschein noch ist ihre Gesundheit oder Ortskenntnis geprüft. Ihre Fahrten kosten in der Regel weniger als im Taxi.

          Für Taxiunternehmer ist beides eine Bedrohung. Verständlicherweise: Wer mag schon Konkurrenz im eigenen, eigentlich so schön abgesteckten Kartell? Noch dazu von einem Unternehmen, das zuletzt 1,2 Milliarden Dollar von Investoren eingesammelt hat. So haben die Taxi-Unternehmer in der vergangenen Woche dafür gesorgt, dass zumindest die günstige Konkurrenz, Uber Pop, per einstweiliger Verfügung in ganz Deutschland verboten wurde: vom Landgericht Frankfurt.

          Das Internet bringt die Menschen zusammen

          Für die Menschen, die von A nach B wollen, ist das keine gute Nachricht. Denn gerade Uber Pop und seine Pendants Wundercar und Lyft sind die Dienste, die das Potential haben, eine echte kleine Revolution auszulösen in der Art und Weise, wie wir uns durch die Stadt befördern lassen. Sie haben einen Markt entstehen lassen, den es so vorher nicht gab: in der Grauzone zwischen Freundschaftsdienst und Geschäft.

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