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Vereinigte Staaten : U.S. Postal will 120.000 Mitarbeiter entlassen

  • -Aktualisiert am

Birefkästen statt Mitarbeiter: US Postal baut Stellen ab Bild: AFP

Neben der Streichung von 120.000 Stellen sollen bei der amerikanischen Post weitere 100.000 Arbeitsplätze nicht mehr besetzt werden. Der zweitgrößte amerikanische Arbeitgeber steht abermals vor einem Milliardenverlust.

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          Die staatliche amerikanische Post USPS will angesichts anhaltender Milliardenverluste 120.000 Angestellte entlassen. Darüber hinaus sollen amerikanischen Medienberichten zufolge bis zum Jahr 2015 weitere 100.000 Arbeitsplätze nicht mehr besetzt werden, die durch normalen Personalabbau frei werden, etwa weil Mitarbeiter kündigen oder aus Altersgründen ausscheiden. Insgesamt würde der zweitgrößte amerikanische Arbeitgeber nach dem Einzelhändler Wal-Mart Stores seine Belegschaft damit um fast ein Drittel schrumpfen.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Noch dazu will sich die Post aus der Renten- und Krankenversicherung für Staatsangestellte verabschieden und eigene Systeme für diese Leistungen aufbauen. Als einzige Behörde muss die Post jährlich einen Milliardenbetrag in einen Renten- und Krankenkassenfonds für Staatsbedienstete einzahlen. Vertreter der Post haben dem Kongress signalisiert, dass sie angesichts der hohen Verluste den Ende September dafür fälligen Betrag von 5,5 Milliarden Dollar mehr zahlen können.

          Für die geplanten Stellenkürzungen braucht die Post allerdings die Einwilligung des Kongresses. Es wird mit starkem Widerstand der Gewerkschaften gerechnet. Gewerkschaftlich organisierte Postangestellte haben Verträge, die Entlassungen ausschließen. „Um die Post finanziell überlebensfähig zu machen, ist es zwingend erforderlich, das wir unsere Belegschaft schnell reduzieren können“, hieß es in einem Bericht des USPS (U.S. Postal Service) für den amerikanischen Kongress. Im vergangenen Geschäftsjahr, das im September vergangenen Jahres zu Ende gegangen war, hatte der USPS einen Nettoverlust von 8,5 Milliarden Dollar ausgewiesen, mehr als doppelt so hoch wie im Jahr zuvor. Für dieses Jahr wird mit einem Jahresverlust in der gleichen Größenordnung gerechnet.

          Verluste von 20 Milliarden Dollar

          Das klassische Briefgeschäft der Behörde leidet unter der wachsenden Verbreitung elektronischer Kommunikation. In den vergangenen vier Jahren war das Briefvolumen um 20 Prozent zurückgegangen und hatte zu Verlusten von 20 Milliarden Dollar geführt. Im Kongress ist die Botschaft offenbar angekommen. „Der U.S. Postal Service sinkt schnell, und wenn wir nichts tun, stehen wir vor einer Zukunft ohne die wertvollen Dienstleistungen, die die Post bietet“, sagte Tom Carper, der Vorsitzende des Unterausschusses im Senat, der für die Aufsicht über die Behörde zuständig ist. Art Sackler, der einen Zusammenschluss privater Postdienstleister vertritt, mahnte ebenfalls rasche Reformen an. „Wenn der Kongress nicht bald umfassende Reformen verabschiedet, wird sich die ins Trudeln geratene Post nicht mehr fangen können“, warnte Sackler. Dann seien auch 8 Millionen Arbeitsplätze in der freien Wirtschaft bedroht, die von der Post abhängen.

          Sowohl im Senat als auch im Repräsentantenhaus gibt es bereits Gesetzesvorschläge für eine Postreform. Die Behörde, die keine Steuereinnahmen für ihr Geschäft erhält, ist bereits dabei, 7500 Stellen in der Verwaltung zu streichen. Zudem wird die Schließung von 3600 nicht ausreichend genutzten Postfilialen geprüft. Die Post will zudem durchsetzen, Briefe und Pakete nur noch an fünf und nicht wie bisher an sechs Tagen der Woche zuzustellen. In den vergangenen vier Jahren hatte die Behörde bereits 110 000 Stellen eliminiert und ihre Kosten um 12 Milliarden Dollar verringert.

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