https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/twitter-uebernahme-warum-man-sich-an-elon-musk-ein-beispiel-nehmen-sollte-18488356.html

Hanks Welt : Mehr Musk wagen

Elon Musk Bild: AFP

Man kann Elon Musk durchweg unsympathisch finden. Aber ohne die Rastlosigkeit solcher Unternehmertypen würde der Kapitalismus erlahmen – und damit die Quelle unseres Wohlstands.

          4 Min.

          Ob ich noch bei Twitter sei, wollen die Leute von mir wissen. Achselzuckendes „Warum sollte ich nicht?“ kommt nicht besonders gut, zwingt zu rechtfertigenden Erklärungen. Ich bin kein besonders aktiver Nutzer, die Zahl meiner Follower hat sich bei gut 5000 eingependelt. Das ist nicht überragend, aber okay. Ein paar Mal täglich schaue ich rein. Nicht immer, aber immer wieder komme ich mit ein paar Anregungen kluger Menschen wieder raus.

          Rainer Hank
          Freier Autor in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Warum also sollte ich demissionieren? Klar, wegen Elon Musk, dem Bösewicht, der den Laden nach einigem Hin und Her für 44 Milliarden Euro gekauft hat und sich dort jetzt als Elefant im Porzellanladen aufführt. Der Mann sei „unberechenbar“, werde von „negativen Emotionen“ beherrscht, lese ich im Manager Magazin: Er agiere „durch und durch impulsiv und irrational“, knechte seine Mitarbeiter, die ihm jetzt davonlaufen, sofern er sie nicht vorher entlassen hat.

          Elon Musk, ein Egomane, ein Ekel. Das ist das Bild, das von ihm gezeichnet wird, obwohl vermutlich die wenigsten, die ihn jetzt porträtieren, den Mann je zu Gesicht bekommen haben. Ich war kurz davor zu fragen, warum bei Twitter überhaupt noch jemand aktiv ist, dort für Werbung bezahlt und nicht alle längst nach Mastodon emigriert sind, hätte nicht ein Blick in angelsächsische Zeitungen das Bild der deutschen Medien korrigiert.

          Nach dem Einstieg bei Twitter gingen die Zahlen nach oben auf inzwischen 245 Millionen, so viele Nutzer wie noch nie. Gut, mit den knapp drei Milliarden, die sich auf Facebook tummeln, kann Twitter nicht konkurrieren. Aber warum steigen die Nutzerzahlen, wenn Twitter ein Tohuwabohu ist und Musk ein Ekel? Die Neuzugänge können nicht ausschließlich verirrte Trumpisten sein.

          Keine Sorge, ich will mich nicht mit Elon Musk anfreunden. Mich interessieren drei Dinge: Was hat der Mann geleistet? Warum zieht er so viel Hass auf sich? Müssen große Unternehmer nette Menschen sein?

          Statt Dank hagelt es Kritik

          Beginnen wir mit der unternehmerischen Leistung. Als hierzulande schon alle die drohende Klimakatastrophe an die Wand malten, begann Musk in Kalifornien damit, unter der Marke Tesla Elek­troautos zu bauen, die auch noch irgendwie schön aussehen. Statt dass die Manager und Ingenieure im Stammland der Autobauer sich was abguckten, haben sie Musk bei Mercedes & Co entweder ignoriert oder als Spinner verhöhnt. Diese verrückte Idee mit den Batterieautos sei nichts für den Massenmarkt, sagten die Neunmalklugen noch Mitte der Nullerjahre.

          Inzwischen überzeugt Musk vom Gegenteil, die Batterien speichern mehr Strom, die Autos fahren bald von allein – und das sogar bei uns. In Brandenburg stellte Musk gegen alle bürokratischen Widerstände eine Fabrik auf die Wiese, wo in der Endstufe jährlich eine halbe Million Autos vom Band laufen werden. Und wo (der Nordosten ist ja nicht gerade die strukturstärkste Gegend Deutschlands) bis zu 40.000 Arbeiter ihr Einkommen haben werden.

          Aber was passiert? Statt dass ihm von der IG Metall bis zu Fridays for Future vierstimmig Willkommenschöre gesungen werden, hagelt es Kritik. Die Gewerkschaften kritisieren, dass er nicht längst einen Betriebsrat gegründet hat und in den Arbeitgeberverband eingetreten ist. Die Klimaretter sorgen sich um die brandenburgische Biene und um den Grundwasserspiegel. Die AfD schließt sich den Protesten solidarisch an.

          Weitere Themen

          Elon Musk triumphiert vor Gericht

          Umstrittene Tweets : Elon Musk triumphiert vor Gericht

          Im Prozess um Twitter-Einträge zu einem angeblichen Börsenrückzug von Tesla stellen sich die Geschworenen auf die Seite des Multimilliardärs. Und brauchten für diese Entscheidung nur wenige Stunden.

          Topmeldungen

          Freude über eine Investition: Bundeskanzler Olaf Scholz, der Chef des Chipherstellers Wolfspeed, Gregg Lowe, und Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck

          Subventionswettlauf : Wer bietet mehr?

          China, Amerika und die EU: Plötzlich buhlen alle mit Milliarden-Subventionen um die Hersteller von Batteriezellen, Solarpaneelen und Chips. Auch Deutschland beteiligt sich an dem Wettlauf. Es steht viel auf dem Spiel.
          Im Handelssaal der Frankfurter Börse

          Geldanlage : Die seltsame Dax-Erholung

          Deutsche Aktien haben einen Lauf – als hätte es Krieg und Inflationssorgen nie gegeben. Wie kann das sein?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.