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Tumblr-Gründer David Karp : Der analoge Startup-König

David Karp Bild: AFP

David Karp hat eine der erfolgreichsten Internetfirmen gegründet. Dabei ist er gar kein Internet-Junkie. Er steht für einen neuen Trend.

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          David Karp hat Tumblr gegründet, eine Webseite, auf der jeder mit wenigen Schritten sein eigenes Blog anlegen kann. Sein Tumblr hat Karp ganz anders konzipiert als andere Webseiten. Während die anderen immer mehr, immer tollere und immer kompliziertere Funktionen anlegen, ist Tumblr technisch recht spartanisch geblieben. Facebook-Nutzer können mit vielen Klicks in komplizierten Formularen festlegen, wer ihre Beiträge kommentieren darf - Tumblr hat nicht mal eine Kommentarfunktion. Und doch versammelt Tumblr inzwischen 150 Millionen Blogs auf seiner Seite. Und während Facebook bei jungen Leuten uncool wird, wächst Tumblr weiter und weiter.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Dass er kein Internet-Junkie wäre, will Gründer Karp dann doch nicht stehen lassen. „Ich finde das Internet toll, weil ich es mich zu den Dingen bringt, die mir wichtig sind“, sagt er: „Den Dingen im echten Leben.“ Karp mag zum Beispiel Kunst. „Wir gucken schon den ganzen Tag so viel auf Handys und Computer.“ So sieht auch Karps Wohnung in New York aus, die er einst Journalisten präsentierte: Ein halbes Motorrad steht darin und eine freistehende alte geschwungene Badewanne, es fehlen viele Bildschirme und technische Spielereien. Im Schlafzimmer gilt Laptop-Verbot.

          Facebook den Rang ablaufen

          Mit dieser Einstellung gehört David Karp zu den Internet-Gründern, die Facebook bei der Jugend allmählich den Rang ablaufen. Die Unternehmen heißen zum Beispiel WhatsApp, dort geht es um den Austausch kurzer Nachrichten wie SMS. Oder sie heißen Instagram, dort werden Fotos geschossen und künstlich verfremdet, zum Beispiel auf alt getrimmt. Sie alle wirken viel analoger und lebensnäher als das alte, komplizierte Facebook.

          Facebook hat einst das Internet von einem technischen, unpersönlichen Medium zu einem persönlichen gemacht. Seine Nachfolger gehen den nächsten Schritt hin zum echten Leben. Nur Apple ist mit seinen neuen Handys und Tablets wieder zu einem technischeren Look zurückgekehrt. Aber Apple läuft ja auch nicht mehr so dynamisch wie vor einigen Jahren.

          Der wichtigste Schritt ins echte Leben, das könnte die Diskussionskultur sein. David Karps wichtigstes Anliegen ist, Gehässigkeiten auf der Seite zu vermeiden, so sagt er. Deshalb kann man die Beiträge anderer nicht direkt kommentieren. Wer eine Nachricht verschicken will, muss eine „Fanmail“ schreiben, für die man erst eine halbe Minute Schrift und Briefpapier auswählt. Da verraucht mancher schnelle Zorn. Aber es ist wie im echten Leben, findet Karp, wenn man gemeinsam am Tisch sitzt: Da macht man sich ja auch nicht oft gegenseitig fertig.

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