https://www.faz.net/-gqe-91nb2

Trotz politischer Konflikte : Türkische Wirtschaft wächst und wächst

Die türkische Bauwirtschaft boomt. In Istanbul soll der größte Flugverkehrsknotenpunkt der Welt entstehen. Bild: iGA

Die politischen Turbulenzen scheinen der türkischen Wirtschaft wenig anhaben zu können – im Gegenteil: Staatliche Konjunkturprogramme sorgen für kräftiges Wachstum. Nur zwei G-20-Staaten wachsen noch schneller.

          1 Min.

          Angefacht durch Konjunkturprogramme der Regierung, kehrt die Türkei zu den Wachstumsraten früherer Jahre zurück. Nach Angaben des Statistischen Instituts in Ankara ist das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal im Vorjahresvergleich um real 5,1 Prozent gestiegen.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel- und Südosteuropa und Türkei mit Sitz in Wien.

          Unter den 20 wichtigsten Wirtschaftsmächten (G20) war das der höchste Wert hinter China und Indien. Gleichzeitig korrigierte das türkische Amt seinen für das erste Quartal gemeldeten Wert um 0,2 Punkte auf 5,2 Prozent nach oben. Zuletzt war die Wirtschaft im vierten Quartal 2015 stärker gewachsen.

          2016 hatten die Terroranschläge, der Putschversuch und die „Säuberungen“ im Ausnahmezustand die Wirtschaft derart belastet, dass das Gesamtwachstum nur 2,9 Prozent erreichte. Der für die Wirtschaft zuständige stellvertretende Regierungschef Mehmet Şimşek erwartet angesichts der aktuellen Zahlen, dass 2017 eine fast doppelt so starke BIP-Zunahme möglich sein könnte; das wären 5,6 oder 5,7 Prozent. Zwischen 2012 und 2015 hatte die Expansion im Durchschnitt 5,5 Prozent erreicht.

          Staat investiert in Bauvorhaben

          Aufhorchen lässt, dass trotz der vermeintlichen Zurückhaltung der ausländischen Wirtschaftspartner der Außenhandel weiter verlässlich zunimmt. Der türkische Export wuchs im zweiten Quartal um 10,5 Prozent, der Import um 2,3 Prozent. Die Ausfuhr profitiert nicht zuletzt vom gesunkenen Lira-Wert. Die Landeswährung notierte am Montag fester.

          Neben dem Außenhandel waren im Berichtszeitraum die Bruttoanlageinvestitionen der Hauptwachstumstreiber. Sie legten um 9,5 Prozent zu, das hatte es zuletzt vor sechs Quartalen gegeben. Indes hat der staatliche Konsum erstmals seit 2015 deutlich abgenommen (minus 4,3 Prozent).

          Auch ist der Endverbrauch der privaten Haushalte im zweiten Quartal 2017 mit 3,2 Prozent so gering gewachsen wie seit dem Putsch-Quartal nicht. Und das, obgleich die Arbeitnehmerentgelte um fast 11 Prozent stiegen. Die Nettobetriebsüberschüsse der Unternehmen und die Selbständigen-Einkommen nahmen sogar doppelt so stark zu.

          Fachleute erklären die Entwicklung mit den Konjunkturprogrammen der Regierung. Während im ersten Quartal Steuersenkungen auf Möbel und Haushaltsgeräte den privaten Konsum angeregt hätten, fehlten diese Anreize jetzt. Die Investitionen profitierten von dem staatlichen Kreditgarantiefonds KGF. In dessen Rahmen wurden schon mehr als 200 Milliarden Lira (50 Milliarden Euro) an kleine und mittlere Unternehmen vergeben. Auffällig ist auch, dass die Bauwirtschaft mit 6,8 Prozent derzeit am stärksten wächst. Hier schlagen sich staatliche Infrastrukturvorhaben nieder.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Johnson und der Brexit : Drei Briefe und ein einziges Ziel

          Boris Johnson will weiter versuchen, das Brexit-Abkommen bis Ende des Monats zu ratifizieren. Schon am Montag könnte die Regierung in London eine neue Abstimmung über den Brexit-Vertrag ansetzen – wenn John Bercow das zulässt.
          Kurdisches Fahnenmeer: Demonstranten am Samstag in Köln

          Türken-Kurden-Konflikt : Kurz vor der Explosion

          Der Krieg in Nordsyrien führt auch in Deutschland zu handfesten Auseinandersetzungen zwischen türkischen und kurdischen Migranten. Das könnte erst der Anfang sein.
          Mit Arte in Oslo: Carola Rackete.

          Carola Rackete bei Arte : Ein ganz persönlicher Kulturschock

          In der Arte-Reihe „Durch die Nacht mit ...“ treffen die Aktivistin Carola Rackete und die norwegische Schriftstellerin Maja Lunde aufeinander. Man meint, sie hätten einander viel zu sagen. Es kommt anders.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.