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Türkische Wirtschaft : Urlauber retten Erdogans Jahresbilanz

2019 hat die Türkei mit 45 Millionen Besuchern einen neuen Rekord aufgestellt. Bild: dpa

Gründe für die politisch angespannte Beziehung zwischen Deutschland und der Türkei gibt es viele. Doch jetzt gibt es ein Zeichen der Entspannung der türkischen Wirtschaft – auch weil viel mehr Deutsche in das Land reisen.

          3 Min.

          Die politischen Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei sind unter Druck. Gründe gibt es viele, sei es der Einmarsch der Türkei in Nordsyrien oder der Streit mit den EU-Mitgliedern Griechenland und Zypern um Gasvorkommen im Osten des Mittelmeers. Auch der Kauf russischer Waffen durch den Nato-Partner Türkei sorgt für Unstimmigkeiten. Der Streit um Visumfreiheit und Zollunion ist zudem seit Jahren ungelöst. Und die latente Drohung von Präsident Recep Tayyip Erdogan, die „Tore nach Europa“ für Flüchtlinge wieder zu öffnen, beruhigt die Lage nicht gerade.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Wien.

          Die türkische Wirtschaft und noch mehr die Landeswährung Lira hat das alles schwer in Mitleidenschaft gezogen. Doch jetzt gibt es ein Zeichen wirtschaftlicher Entspannung: Ausgerechnet die Deutschen dürften stark dazu beigetragen haben, dass die Wachstumsrate der Türkei 2019 zumindest eine Null vor dem Komma hat. Erdogan bleibt die Schmach eines schrumpfenden Bruttoinlandsprodukts erspart, das viele Ökonomen vor Jahresfrist prognostiziert hatten. Statt einer Verringerung um bis zu 1,8 Prozent, wie sie die Industriestaaten-Organisation OECD vorausgesagt hatte, rechnet Alvaro Ortiz, Chefökonom der größten ausländischen Bank in der Türkei, BBVA, mit einem Plus von 0,8 Prozent. Gleichwohl ist das weniger als die 2,8 Prozent aus dem Vorjahr, die schon den schlechtesten Wert seit neun Jahren markiert hatten.

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