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Ungewöhnliche Mittel : So will die Türkei die Rieseninflation eindämmen

Eine Frau geht über den Großen Basar in Istanbul. Bild: dpa

Um 24,5 Prozent sind die Preise der Türkei gerade im Schnitt gestiegen. Der Finanzminister hat nun eine bemerkenswerte Absprache verkündet.

          Weil die Inflation auf den höchsten Stand seit 15 Jahren gestiegen ist, greift die Türkei zu ungewöhnlichen Maßnahmen. Die Regierung habe sich mit der Privatwirtschaft darauf verständigt, die Preise für viele Güterarten bis Jahresende um mindestens 10 Prozent zu senken, kündigte Finanzminister Berat Albayrak in Istanbul an. Strom und Gas sollten zumindest nicht teurer werden, versprach er.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel- und Südosteuropa und Türkei mit Sitz in Wien.

          Die Preissenkung beziehe sich auf alle Produkte in jenem Warenkorb, der zur Berechnung des monatlichen Verbraucherpreisauftriebs diene, hieß es. Im September hatte die Inflation im Vergleich zum August 6,3 Prozent und im Jahresvergleich 24,5 Prozent betragen. Das war der höchste Stand seit dem Jahr 2003, ein Jahr nachdem der heutige Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan und seine AK-Partei an die Macht gelangt waren.

          Erdogan verdankt seinen Aufstieg der Bekämpfung der Teuerung, der Arbeitslosigkeit, der Lira-Schwäche und der Staatsverschuldung. Alle diese Parameter haben sich in letzter Zeit wieder verschlechtert.

          70.000 Produkte untersucht

          „Der Kampf gegen die Inflation und für die Preisstabilität kann nicht allein vom Staat und den Institutionen geführt werden“, sagte Albayrak, der Erdogans Schwiegersohn ist. Nach seiner Rede sank der Wechselkurs der Lira geringfügig. Seit Jahresbeginn hat die Landeswährung gegenüber dem Dollar 38 Prozent eingebüßt. Um den Kurs zu stabilisieren und die Inflation zu zügeln, hatte die Zentralbank im September die Leitzinsen um 6,25 Punkte auf 24 Prozent erhöht.

          Gemessen an den letzten Inflationsdaten beträgt der reale Satz nur 0,52 Prozent. Die Märkte erwarten deshalb eine weiter Zinserhöhung am 25. Oktober. Um die Teuerung einzudämmen, hatte das Handelsministerium zu Wochenbeginn 114 Unternehmen wegen überhöhter Preise angeprangert. Erdogan hatte zuvor Strafen gegen derlei „Opportunisten“ angekündigt, die wegen der Lira-Abwertung die Preise heraufsetzten. Untersucht wurden fast 70.000 Produkte in knapp 4000 Unternehmen.

          Albayraks im September angekündigtes „Mittelfristiges Programm“ sieht vor, die Inflation bis Jahresende auf 20,8 Prozent zu drücken; 2017 hatte sie 11,1 Prozent betragen. Für 2019 plant er 15,9 Prozent, für 2020 dann 9,8 und für 2021 rund 6 Prozent.

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