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Türkei-Reisende : „Ich hatte die Koffer schon ausgepackt“

Sie alle wollen mit: Turkish Airlines Check-in nach Istanbul am Samstagabend. Bild: Nadine Bös

Wer will nach dem Putschversuch noch in die Türkei fliegen? Überraschend viele: Urlauber, Geschäftsreisende, Menschen auf Verwandtschaftsbesuch. Haben sie denn keine Angst? Ein Stimmungsbild vom Frankfurter Flughafen.

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          Yunus Göksal hat einen der stressigsten Arbeitstage seiner Laufbahn hinter sich. Am Frankfurter Flughafen betreibt er einen Last-Minute-Ticketservice namens Sky Travel. Dort bedient der türkischstämmige Verkäufer häufig seine „Landsleute“ wie er die Deutschtürken nennt, die zu seinem Schalter kommen. Seit diesem Samstagmorgen häufen sich bei ihm die Anfragen: Passagiere gestrichener Türkeiflüge wollen auf andere Verbindungen umbuchen, andere sind verwirrt, ob ihre Verbindung aufrecht erhalten wird oder nicht. Noch andere wollen aufgrund des Putschversuchs der vergangenen Nacht von sich aus nicht mehr fliegen. „Aber das sind die Wenigsten“, sagt Göksal.

          Nadine Bös
          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

          Im Gegenteil: Die Maschinen, die an diesem Samstagabend noch gen Antalya, Istanbul und Gaziantep abheben, sind restlos ausgebucht. Weil so viele Flüge gestrichen wurden, möchten nun alle Reisewilligen auf den wenigen verbliebenen Verbindungen mitfliegen. Der Andrang an Göksals Schalter war zwischenzeitlich so groß, dass ihm spontan sein Cousin aushelfen musste.

          Yunus Göksal am Last-Minute-Ticketschalter.
          Yunus Göksal am Last-Minute-Ticketschalter. : Bild: Nadine Bös

          Kein Wunder: Die Lufthansa hatte für Samstag acht ihrer zehn Abflüge in die Türkei gestrichen. Am Samstagbend teilte das Unternehmen allerdings mit, ab Sonntag kehre die Fluglinie „weitgehend zum normalen Flugplan“ zurück. Die Lufthansa-eigene Billig-Airline Eurowings setzte alle Flüge zwischen Deutschland und Istanbul sowie Ankara bis auf weiteres aus. Antalya solle jedoch ab Sonntag wieder angeflogen werden. Turkish Airlines und einige Ferienflieger hatten auch schon am Samstag einige Türkei-Verbindungen aufrecht erhalten.

          Für den Sonntag hat auch Yunus Göksal noch ein paar Tickets Richtung Türkei zu vergeben, allerdings zu saftigen Preisen: 400 bis 500 Euro müsse man derzeit hinblättern für einen Flug, die Nachfrage sei riesig. „Kaum einer will auf seinen Türkei-Urlaub verzichten“, ist Göksal überzeugt. „Die Leute machen doch nur einmal im Jahr Ferien. Die meisten, die ich heute getroffen habe, sind erstaunlich cool geblieben trotz der Ereignisse.“

          Göksal lebt von den Reisewilligen, er muss das sagen. Dabei sind nicht wirklich alle so cool geblieben. Die 41 Jahre alte Süreyya, die ihren vollen Namen nicht in diesem Artikel lesen möchte, steht mit ihrer 10 Jahre alten Tochter und ihren vierjährigen Zwillingen am Check-In-Schalter für ihren Flug nach Antalya. Sie hadert noch mit ihrer Entscheidung, in die Türkei zu fliegen. „In der Nacht war ich fest entschlossen, den Urlaub abzusagen. Ich hatte die Koffer schon wieder ausgepackt", sagt Süreyya, die in Deutschland lebt und mit ihren Kindern zehn Tage Hotelurlaub in Antalya geplant hat. „Erst Samstagvormittag, als ich im Fernsehen sah, dass sich die Lage beruhigt, habe ich doch angefangen, die Koffer wieder einzupacken.“ Es tue ihr „einfach Leid, was da unten läuft“. Aber es sei ihr erster Urlaub seit der Geburt ihrer Zwillinge. „Mein Mann ist nun auch schon in der Türkei, der ist schon vor uns geflogen. Jetzt wage ich das einfach“, sagt sie.

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